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Leuchtturm strahlt heller

Uhrenindustrie. Gleich zwei Mal wurde gestern in Glashütte groß gefeiert.

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Von Maik Brückner

Irmgard Sauerwald strahlt über das ganze Gesicht: „Das ist ein besonderer Tag. Ich habe heute Geburtstag“, sagt die betagte Dame stolz und schaut auf die neue Sternwarte. Den Weg auf den Ochsenkopf hat die 85-Jährige nicht gescheut. 20 Jahre lebte sie mit ihrem Mann hier oben in der Sternwarte. Deshalb musste sie unbedingt dabei sein, als die Hamburger Firma Gerhard D. Wempe KG gestern hier nach hundert Jahren zum zweiten Mal die Kuppel auf das traditionsreiche Gebäude setzte.

Es glich einem Volksfest. Mehr als 250 Glashütter folgten der Einladung von Wempe. Exakt 12.10 Uhr schwebte die Kuppel am Kran. Nachdem sie auf ihrem Platz war, gab es von den vielen Beobachtern Applaus. Wempe-Geschäftsführer Hellmut Wempe fühlte sich bestätigt: „Wir wollen uns mit dem Fest als neue Nachbarn vorstellen“, begründete er die Feier. Vergessen war in diesem Moment all die Ungewissheit um das Haus, das jahrelang leer stand und vor sich hin gammelte. Manch einer hätte sich das Objekt gern zu einer Datsche ausgebaut. Dann interessierte sich aber der Uhrenhersteller Nomos für die Immobilie, Hoffnungen keimten. Doch die Firma hatte nicht genug Geld, um ihre Pläne zügig zu verwirklichen. Deshalb rührte sich erst einmal nichts.

Wempe wollte nach Glashütte

Als sich Wempe entschied, neben dem Verkauf von Uhren und dem Bau von Schiffsuhren mit der Armbanduhrenproduktion sich ein drittes Standbein zu schaffen, rückte für die Wempe-Geschäftsführerin Kim-Eva Wempe Glashütte ins Blickfeld. Das Städtchen war als Uhrenstadt längst auch in Hamburg wieder zu einem Begriff geworden. „In die Schweiz gehen, um da Uhren zu produzieren, das wollte ich nicht“, sagte sie.

Bei einem Besuch in Glashütte verguckte sie sich in das Haus über der Stadt. Trotz des hohen Investitionsaufwandes übernahm Wempe am 18. Januar dieses Jahres das Gebäude von Nomos. „Wir hätten es nicht so hingekriegt“, sagte Nomos-Gründer Roland Schwertner anerkennend. Im Frühjahr begann Wempe mit der Sanierung, bei der das Haus fast völlig neu entstand. Im August werden die letzten Bauarbeiter das Haus verlassen. Glashüttes Bürgermeister Frank Reichel (CDU) zeigte sich schon gestern zufrieden: „Es ist ein Prunkstück, so wie es mir Hellmut Wempe beim Kauf versprochen hatte“.

Bereits ab September werden in der Sternwarte Uhrmacher ausgebildet. Außerdem beginnt die Produktion von Armbanduhren, auch die erste deutsche Prüfstelle für Chronometer zieht hier ein. Die Sternwarte selbst soll ab Frühjahr 2006 funktionsfähig sein. Dazu Reichel: „Ich bin glücklich, dass wir heute das geschafft haben, was wir seit zehn Jahren wollten“, sagte der Rathauschef, der am gestrigen Nachmittag noch einen zweiten wichtigen Termin hatte.

Mühle feiert Richtfest

Unten im Müglitztal feierte die Firma Nautische Instrumente Mühle Richtfest. Seit April lässt der Familienbetrieb ein neues Produktionsgebäude errichten, das Mitte September fertig gestellt werden soll. „Wir haben dann mehr Platz für die Montage“, erläutert der geschäftsführende Gesellschafter Hans-Jürgen Mühle. Im April nimmt außerdem die Glashütter Uhrenrohwer-kefabrik GmbH in dem neuen Gebäude ihre Produktion auf. Sie ist ein Gemeinschaftsunternehmen von Mühle und einer Schweizer Firma. Sie wird Uhrenteile für Mühle und den Export produzieren.

Dass nun sein Konkurrent, der wie er Schiffsuhren herstellt, auf dem Ochsenkopf baut, stört Mühle nicht. „Das ist nur gut für die Stadt. Über Wempe wird der Name Glashütte in die Welt getragen“.