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Leutewitzer Park wird abgebaggert

Bürger und Politiker wollen den Umbau an den Böschungen stoppen. Dabei hat die Sanierung eine jahrelange Vorgeschichte.

Von Lars Kühl

Die Bagger werden anrücken. In den nächsten Tagen sollen sie die Böschungen im Leutewitzer Park abtragen. Daran lässt das Rathaus auch nach den Protesten von Anwohnern und Fraktionen keinen Zweifel. „Der Auftrag ist erteilt“, erklärt Stadtsprecherin Nora Jantzen. „Eine Umplanung ist nicht vorgesehen.“ Über 30 Bürger wollten zuletzt das Abbaggern verhindern und unterschrieben eine Petition. Vor allem weil die Hänge im Winter beliebte Rodelpisten sind.

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Die Liste schickten sie aber nicht an den Petitionsausschuss, sondern an verschiedene Stadtratsfraktionen. Die Linke, die SPD und die Grünen reichten deshalb in der jüngsten Stadtratssitzung einen Eilantrag ein, das Bauvorhaben zu stoppen. Der Antrag wurde aber aus formalen Gründen abgelehnt, weil im Stadtrat nicht darüber entschieden werden kann (die SZ berichtete). Dies sei Sache der Verwaltung, begründete Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU).

Mittlerweile wollen auch CDU und Freie Bürger, dass die Sanierung überdacht wird. Dabei war der Leutewitzer Park lange Zeit den meisten egal. Anstatt dort zu entspannen oder zu spielen, mieden ihn viele. In der Folge verkam das Gelände zusehends. Der Park hatte zeitweise einen zweifelhaften Ruf. Es dauerte, bis sich Initiativen wie der Freundeskreis Cotta für sein Schicksal einsetzten. Nachdem einige Bänke aufgestellt und die Plastik Bremer Stadtmusikanten restauriert worden war, feierten die Initiatoren im vergangenen Jahr die Übergabe eines neuen Spielplatzes.

Großes Ziel blieb trotzdem immer die Sanierung der über die Jahrzehnte ausgewaschenen Parkwege. Die scheiterte bisher allerdings an den fehlenden Finanzen. Jetzt stehen 300 000 Euro dafür bereit, zusätzlich 50 000 Euro, um als Voraussetzung die Böschungen abzubaggern. Dagegen richtet sich der Bürgerprotest. Die Argumente klingen plausibel: „Wir sind entsetzt darüber, dass die Stadt so einen gewaltigen Betrag ausgeben möchte, um eine völlig sinnlose Änderung der herrlichen Parklandschaft herbeizuführen und dabei noch den Nutzwert des Parks für die Allgemeinheit stark reduziert“, erklärt René Lutz, der mit seiner Frau und den drei Kindern im Sommer sowie im Winter oft im Leutewitzer Park ist. „Einzig das Wegenetz bedarf einer Aufwertung, alles andere möge so bleiben, wie es ist, und das damit eingesparte Geld für wirklich notwendige und sinnvolle Dinge eingesetzt werden.“

Ganz so einfach ist es aber nicht. Denn die Bauarbeiten sind schon lange geplant. Mit Bewilligung des Geldes hatte die Denkmalschutzbehörde eigentlich die Forderung verbunden, den Park in den Zustand von 1911 zu versetzen, als er eröffnet wurde. Durchgehend abfallend, ohne Unterbrechungen. Solch eine Hanglage wäre zum Rodeln aber ungeeignet. Die Plateaus wurden erst 1924 angelegt, damit auf den flachen Flächen zum Beispiel Fußball gespielt werden konnte. Fünf Jahre suchte der Freundeskreis Cotta mit dem Grünflächenamt nach einer Lösung, erzählt die Vorsitzende Reinhild Garrelts. Dauerthema war, bei der Wegesanierung die Plateaus zu erhalten. „Endlich hatten wir einen Kompromiss.“ Bei den Besprechungen mit den Amtsvertretern, die Garrelts als konstruktiv einschätzt, sei nie Ziel gewesen, den Rodelhang zu beseitigen. Sie kann die Aufregung um das Bauvorhaben deshalb nicht verstehen. „Endlich steht das Geld zur Verfügung. Es wäre schon traurig, wenn das Ganze jetzt gestoppt wird.“ Garrelts hat auch Angst, dass sich die Neugestaltung der Wege, die eigentlich im Oktober beginnen und bis zum Sommer 2015 abgeschlossen sein sollte, verschiebt. Im schlimmsten Fall verfalle das bewilligte Geld, befürchtet sie. „Die Mittel sind termin- und zweckgebunden und stehen nur bis zum Ende des Jahres zur Verfügung“, gibt ihr Jantzen recht.

Die Beweggründe der Kritiker versteht Garrelts dennoch. „Es wäre nur schön gewesen, wenn die Leute sich schon vorher mal bei uns gemeldet hätten.“

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