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Leverkusen lässt seine Trainer rotieren

Der Werksklub ist wieder auf der Suche. Nach der Trennung von Hyypiä darf nun erst mal der Jugendkoordinator ran.

Von Andreas Morbach

Die Rote Karte als Leverkusener Teamchef nahm Sami Hyypiä seinem Naturell entsprechend hin. Gefasst, mit viel Realitätssinn und – dem bedeckten Himmel zum Trotz – mit Sonnenbrille vor den Augen verließ der stoische Finne am Sonnabend die Stadt. „Im Fußball geht es um Ergebnisse. Wenn die Ergebnisse nicht da sind, muss der Verein reagieren. Natürlich habe ich mir gedacht, dass so etwas passieren könnte“, kommentierte der frühere Innenverteidiger seine Entlassung nach zwei Jahren auf Bayers Trainerbank.

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Übernommen hatte der 40-Jährige die Nachfolge von Robin Dutt im April 2012, damals noch im Doppelpack mit Sascha Lewandowski, der den böse festgefahrenen Bayer-Kahn nun als klubinterner Rettungssanitäter auf die Schnelle wieder flott machen soll. Fünf Spiele bleiben dem gebürtigen Dortmunder nun, um das akut gefährdete Saisonziel – erneute Qualifikation für die Champions League – zu sichern.

Stabil wie eine Sandburg bei Flut

Ein Vorteil ist, dass Lewandowski, zuletzt als Nachwuchs-Chefcoach bei Bayer tätig, den Laden in- und auswendig kennt. Weniger gut ist, dass der 42-Jährige die Profi-Pappenheimer trotz 15 Monaten gemeinsamer Arbeit noch immer nicht richtig einschätzen kann. So analysierte Lewandowski vor einem halben Jahr, er und Hyypiä hätten in der Leverkusener Mannschaft „einen Prozess eingeleitet, der stabil ist“.

Im Herbst 2013 galt der Satz zweifellos, im Frühjahr 2014 jedoch ist die Werkself so stabil wie eine Sandburg bei Flut. Das lag auch am Trainer-Novizen Hyypiä, der keine Antwort auf die beängstigende Formschwäche vieler Spieler fand. Aber es lag nicht nur an ihm. Torwart Bernd Leno, in den letzten Monaten der einzig kontinuierlich Aufrechte, klagte zum Beispiel jüngst, die Mannschaft habe den Trainer im Stich gelassen. Und Hyypiä selbst meinte vor dem für ihn finalen 1:2 in Hamburg bereits etwas kraftlos: „Ich habe hier fast zwei Jahre lang Reizpunkte gesetzt.“

Allerdings – das stand zwischen den Zeilen – in einem verhätschelten Team, das gegen Reizpunkte über die Jahre hinweg weitgehend resistent geworden ist. Leverkusen fehlt es an der Widerstandskraft, unvermeidliche Tiefs wie das aktuelle nicht ausufern zu lassen. Den wieder verschüttet gegangenen Willen ganz fix freizulegen, ist nun die zentrale Aufgabe von Lewandowski. Heute soll er das erste Training im neuen alten Job leiten, ein verlängertes Engagement über die Saison hinaus ist selbst im Erfolgsfall extrem unwahrscheinlich.

„Die Entscheidung mit Sascha Lewandowski gibt uns die Freiheit, im Sommer einen Trainer zu verpflichten, der uns dann auch mal für viele Jahre zur Verfügung steht“, macht Sportdirektor Rudi Völler deutlich - und bekennt: „Wir haben es ehrlicherweise in den vergangenen zehn Jahren nicht geschafft, eine gewisse Kontinuität auf der Trainerposition zu erreichen.“

Das dauerhafte Glück mit dem leitenden Bank-Angestellten soll den Rheinländern ab Sommer offenkundig Markus Weinzierl bescheren. Der 39-Jährige hat den unscheinbaren FC Augsburg in Blickweite zum internationalen Geschäft geführt, den Bayern gerade die erste Pleite nach 53 Spielen verpasst. „Ich habe Vertrag, und von daher…“, sagte Weinzierl am Sonnabend leicht kryptisch. Zudem kursieren in Leverkusen die Namen des langjährigen Werder-Übungsleiters Thomas Schaaf und des Noch-Frankfurt-Coaches Armin Veh. „Es sind immer die gleichen Namen: Weihnachten auf Schalke, jetzt bei uns. Dazu werden wir nichts sagen“, meinte Sportchef Rudi Völler, der angeblich auch Kontakt zu Schaaf aufgenommen hat.

Bereits beschlossene Sache ist, dass Völler und Geschäftsführer Michael Schade den Kader nach dieser Saison ordentlich ausmisten wollen. „Wir werden die Frage klären, ob wirklich jeder Spieler bereit ist, für gutes Geld auch eine gute Leistung zu bringen“, betont Schade. Flankiert vom früheren Stürmer Völler, der sich angriffslustig an die eigene Nase fasst und sagt: „Wir haben Fehler gemacht, wir müssen Dinge besser machen.“ Und dabei gilt das Leitmotto: „Wir werden die Mentalität verändern.“ Ein hehrer, wenn auch nicht ganz neuer Vorsatz in Leverkusen.