merken
PLUS

Dresden

Dresdner Flüchtlingsretter in Köln geehrt

Die Seenotrettungsorganisation "Mission Lifeline" mit Kapitän Claus-Peter Reisch hat den Lew Kopelew Preis für Frieden und Menschenrechte bekommen.

Claus-Peter Reisch hält seine Dankesrede.
Claus-Peter Reisch hält seine Dankesrede. © imago/Horst Galuschka

Die Seenotrettungsorganisation "Mission Lifeline" mit Kapitän Claus-Peter Reisch ist am Sonntag mit dem Lew Kopelew Preis für Frieden und Menschenrechte geehrt worden. Mit dem undotierten Preis würdigt das Kölner Lew Kopelew Forum den Einsatz der Dresdner Initiative, die mit ihrem Schiff "Lifeline" Flüchtlinge im Mittelmeer aus Seenot rettet.

Journalist Thomas Roth (l) übergibt die Urkunde an die Preisträger Lifeline -Kapitän Claus-Peter Reisch. 
Journalist Thomas Roth (l) übergibt die Urkunde an die Preisträger Lifeline -Kapitän Claus-Peter Reisch.  © imago/Horst Galuschka

Bei der Preisverleihung in Köln sagte der luxemburgische Außen- und Asylminister Jean Asselborn, Kapitän Reisch inspiriere wie der Namensgeber des Preises, der russische Humanist Lew Kopelew, dazu, sich der Gleichgültigkeit entgegenzustellen. "Heute wird hier ein Mann geehrt, dessen Mut ich sehr bewundere", sagte Asselborn laut Redetext in seiner Festrede. Reischs Wille und Einsatz für Menschen in äußerst schwierigen Gegebenheiten sollten ein Vorbild sein, kein Fall für die Justiz, betonte er mit Blick auf das Gerichtsverfahren, das derzeit auf Malta gegen Reisch läuft. Ihm wird vorgeworfen, das Schiff "Lifeline" fehlerhaft registriert zu haben. Das Urteil soll am 14. Mai fallen.

Großes Glück kann so klein sein
Großes Glück kann so klein sein

Hellwach oder im lieblichen Schlummer zeigen sich die süßen Babys. In unserer Themenwelt Stars im Strampler gibt es den Nachwuchs zu sehen.

Asselborn beklagte in seiner Rede, die Europäische Union sei in der Flüchtlingspolitik an ihrem eigenen Anspruch auf Menschlichkeit und Solidarität gescheitert. "Das Retten von Menschen im Meer ist heute in der EU kein oberstes Gebot mehr", sagte der luxemburgische Außenminister. Vielmehr gelte das Prinzip: "Je weniger im Meer gerettet werden, umso weniger wagen sich aufs Meer, um zu uns zu kommen." Asselborn prangerte das "erbärmliche Gehabe" der Mitgliedstaaten an, wenn nur eine kleine Zahl Menschen im Meer gerettet werde und die Verteilung in die EU-Staaten anstehe.

Mit Blick auf "die Orbans, Salvinis, Le Pens, Gaulands und Co" rief Asselborn dazu auf, sich Kräften entgegenzustellen, die die Werte der EU bis zur Unkenntlichkeit verbiegen wollten. Der Vorsitzende des Lew Kopelew Forums, der Journalist Thomas Roth, würdigte den Einsatz von "Mission Lifeline" und Reisch, die rund 1.000 Menschen aus dem Mittelmeer gerettet haben. "Unbequem, beharrlich und kompromisslos bestand er auf Humanität gerade da, wo das auch für ihn selbst unbequem war", sagte der langjährige Moskau-Korrespondent der ARD laut Redetext über den Kapitän des Rettungsschiffs.

© imago/Horst Galuschka

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, nannte das Engagement der Seenotretter in einer Grußbotschaft unverzichtbar, um Menschenleben zu retten und das Handeln der Politik herauszufordern. Christen dürften sich mit dem Elend und der Not von Menschen nicht einfach abfinden, forderte Marx in dem Schreiben, das auf der Preisverleihung verlesen wurde. Die Seenotretter zeigten, was das konkret bedeute: "Mit großem persönlichen Einsatz helfen sie dort, wo die meisten von uns lieber wegsehen."

Weiterführende Artikel

Dresdner Seenot-Retter jetzt im Kino

Dresdner Seenot-Retter jetzt im Kino

Filmemacher Markus Weinberg hat die „Mission Lifeline“ im Mittelmeer begleitet. Herausgekommen ist eine Art Selbstporträt aus fremder Hand.

Mit dem Preis ehrt das Lew Kopelew Forum seit 2001 jährlich Menschen, Projekte oder Organisationen, die im Sinne des russischen Germanisten, Schriftstellers und Humanisten Lew Kopelew (1912-1997) tätig sind. Bisherige Preisträger waren unter anderem der türkische Journalist Can Dündar, der russische Soziologe Lew Gudkow, syrische Friedensaktivisten und der Religionswissenschaftler Hans Küng. (epd)

Mehr zum Thema Dresden