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So soll's bald auf dem Jeschken aussehen

Berghotel und Fernsehsender brauchen eine Sanierung. Dabei soll es die Schönheit aus der 1970er Jahren zurückgewinnen.

Der Jeschken ist ein beliebtes Ausflugsziel, aber Berghotel und Sender inzwischen in die Jahre gekommen.
Der Jeschken ist ein beliebtes Ausflugsziel, aber Berghotel und Sender inzwischen in die Jahre gekommen. © ARN Studio

Ein Wintereingang mit massiven Metallwindschutz, Turmumgang hinter einer Glaswand und ein neuer Kiosk in Ufo-Form an der Terrasse der Oberstation der Seilbahn mit prachtvollem Blick auf die Stadt Liberec: Das sind die wichtigsten Neuheiten der vor Kurzem abgeschlossenen architektonischen Studie, welche die komplette Renovierung des Berghotels und Fernsehsenders auf dem Jeschken vorsieht. Die Erneuerung des einzigartigen Nationaldenkmals soll frühestens in drei Jahren beginnen und kostet mindestens 500 Millionen Kronen (20 Millionen Euro), informiert Jiří Krejčík, Mitglied des Autorenteams vom ARN Studio aus Hradec Králové (Königgrätz).

"Die meisten Veränderungen wird der Besucher gar nicht merken, weil sie in den technologischen Teilen realisiert werden, die normalerweise nicht zugänglich sind", sagt er. Das Hotelrestaurant, Foyer sowie die Zimmer sollen fast genau so aussehen, wie bei der Eröffnung 1973. Ein Appartement wird als Kontrast zu der ansonsten modernen Gestaltung des Hotelinterieurs in dem ursprünglichen historistischen Stil von Ludwig XIV. ausgestattet. "Ein passendes Möbel-Set möchten wir direkt in Versailles aussuchen, es einscannen und aus transparentem Polycarbonat erzeugen lassen", beschreibt der Architekt. Gerade dieser Punkt rief unter Fachleuten als Geschmacklosigkeit große Diskussionen hervor.

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Eine gründliche Sanierung braucht vor allem die Betonkonstruktion, die an manchen Stellen erheblich beschädigt ist. "Vor allem die Nordwestseite ist durch das Klima stark zerstört", sagt Krejčík. "Beigetragen haben auch der saure Regen, der über 40 Jahre aus Richtung  Polen und Deutschland kam."

Die Betonkonstruktion ist erheblich beschädigt.
Die Betonkonstruktion ist erheblich beschädigt. © ARN Studio

Veränderungen sind auch auf beiden Terrassen vorgesehen. An der westlichen soll ein Imbiss-Kiosk in der Form einer glänzenden Kugel entstehen. "Sieht wie ein Ufo aus, das gut zur Statue des Marsmenschen von Jaroslav Róna passen würde", sagt Krejčík. Die östliche Terrasse soll am Dach der Seilbahnbergstation ausgebaut werden. "Die Bühne aus Holzpaletten wäre für verschiedene Veranstaltungen gut geeignet", so der Architekt.

Das ARN Studio arbeitet mit Denkmalspflegern und Fachleuten zusammen. Unter ihnen ist auch Otakar Binar, der das ursprüngliche auffällige Interieur schuf. Das Nationale Denkmalinstitut hat die Studie positiv aufgenommen. "Angesprochen wurden insgesamt 28 renommierte Architektenbüros", berichtet Květa Viklátová, Bezirksratsherrin für Kultur und Denkmalspflege. Die Ausschreibung organisierte der Verein Ještěd 73, in dem das Bezirksamt und das Tschechische Telekommunikationsunternehmen  České Radiokomunikace (CRA) als Besitzer des Gebäudes vertreten sind. 

Die Aussichtsplattformen des Jeschken werden unter anderem neu gestaltet.
Die Aussichtsplattformen des Jeschken werden unter anderem neu gestaltet. © ARN Studio

Die Firma kaufte die markante Immobilie 2000 für 85 Millionen Kronen (rund drei Millionen Euro). Seitdem investierte sie über 60 Millionen Kronen (reichlich 2,4 Millionen Euro) in die Sanierung. Direktor Vít Vážan nimmt an, dass es zwei bis drei Jahre dauert, bis die Projektdokumentation für die Baugenehmigungen erstellt ist. "Sobald wir sie haben, werden wir genau wissen, was vor uns steht", sagt er. "Danach können wir daran arbeiten, Gelder für die Renovierung zu gewinnen." Wer mehr über die künftige Aussicht des Jeschken wissen möchte, für den wird Anfang September die Version in der Bezirksbibliothek vorgestellt. 

Schon vor 150 Jahren attraktiv

Für die Stadt Liberec und vor allem den Tourismus begann der Jeschken schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts interessant zu werden. Im Jahre 1844 begann auf dem Gipfel der Verkauf von Erfrischungen, einige Jahre später entstand dort die erste kleine Bergbaude. Und 1868 entstand an ihrer Stelle ein neues, steinernes Objekt, ein Jahr später der erste fünf Meter hohe hölzerne Aussichtsturm. Er musste 1889 wegen Einsturzgefahr abgerissen werden. An seinen Platz kam eine neue sechseckige Baude, wieder aus Holz. Sie musste 1902 geschlossen und ein Jahr später wegen ihres schlechten Zustands abgerissen werden.

Wechselvolle Berg-Geschichte

Weiterer Bauten nahm sich der Architekt Ernst Schäfer an. Den Grundstein für das ursprünglich hölzerne Hotel legte er mit Mitgliedern des Deutsche Jeschken-Gebirgsvereins 1906. Er erbaute ein großartiges steinernes Berghotel, das 1907 feierlich eröffnet werden konnte. Es hatte einen großen Schlafraum, zwei Dutzend Gästezimmer und einen 23 Meter hohen Aussichtsturm. Auch für dieses war der Winter 1963 schicksalhaft, als der gesamte Komplex abgebrannte.

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Ab 1966 begann der Bau des Fernsehsenders mit Hotel nach den Plänen des Architekten Karel Hubáček. Die Eröffnung war aber erst nach siebenjähriger Bauzeit 1973. Das Objekt in seiner markanten lang gestreckten Form, in der Fachwelt "rotierender Hyperboloid" genannt, ist insgesamt 94 Meter hoch. Aussicht hat man von der Terrasse bis zu 100 Kilometer weit, also bis nach Dresden oder Prag. Das Bauwerk wurde 1969 mit dem prestigevollen Auguste-Perret-Preis ausgezeichnet. Das Berghotel mit Sender trägt auch den Titel  "Nationales Kulturdenkmal der Tschechischen Republik oder Bauwerk des 20. Jahrhunderts. Der Bezirk bemüht sich seit 2007 um den Eintrag in die Unesco-Liste der Kulturdenkmale.

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