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Licht aus in den Freibädern

Im Bernstädter Waldbad fällt die Saison-Bilanz positiv aus. Ostritz muss weiter um das Mewa-Bad bangen.

© R. Sampedro

Von S. Sodan, J. Lange und M. Sefrin

Über 400 Überstunden hat Oliver Ernst angesammelt. Nicht ungewöhnlich – für den Leiter eines Freibades. Noch ein paar Tage ist Oliver Ernst im Dienst im Waldbad Bernstadt. Badegäste sind zwar keine mehr da, „aber es gibt noch ein paar Restarbeiten zu tun“, erzählt Ernst. Den Rasen will er zum Beispiel noch mähen. Und danach 400 Überstunden abbauen. „Nächste Woche geht es in Urlaub“, erzählt er. Danach stehen Arbeiten an seinem Haus an.

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Schließlich hat sich Oliver Ernst von Mitte Mai bis Anfang September nahezu täglich um die Gäste des Waldbades und die Pflege der Anlage gekümmert. Mit dem finanziellen Ergebnis ist er zufrieden. Bernstadts Bürgermeister Markus Weise (Kemnitzer Liste) hat die Zahlen im jüngsten Stadtrat genannt: 10 405 Euro wurden eingenommen. Anders, als der unbeständige Sommer 2017 erwarten ließ, ist das eine bessere Bilanz als 2016: Voriges Jahr brachte das Bad rund 9 400 Euro ein. Den größten Teil der Einnahmen machte diese Saison der Verkauf der einfachen Kinder- und Erwachsenenkarten aus. Auch die neu eingeführten Bonuskarten für Erwachsene wurden gut angenommen, resümierte Markus Weise im Stadtrat.

Die Badegäste sind fort, der Badleiter geht in Urlaub – still und menschenleer ist es im Waldbad trotzdem nicht. Gerade wird das Bad an die zentrale Trinkwasserversorgung angebunden. „Wir hatten bisher Brunnenwasser“, erklärt Oliver Ernst. Derzeit bekommen umliegende Privathäuser Trinkwasseranschluss. Die Stadt Bernstadt hat deshalb entschieden, das Bad gleich mit anschließen zu lassen. Außerdem soll bis zur kommenden Saison das Bademeisterhaus saniert werden. „Es geht um eine energetische Sanierung“, erzählt Oliver Ernst. Es sollen neue Fenster und Türen eingebaut werden, außerdem stehen Arbeiten an Fassade und Dach an.

Nach vielen Wochen Dauerdienst ist auch der Oderwitzer Badleiter erstmal in Urlaub gegangen. Deshalb kann Bürgermeisterin Adelheid Engel (parteilos) noch nicht genau sagen, wie die Bilanz für das Niederoderwitzer Volksbad aussieht. Es lasse sich aber bereits abschätzen, dass in diesem Jahr Einnahmen von über 14 000 Euro erzielt wurden. „Dazu kommen noch 3 000 Euro aus dem Badfest-Wochenende in diesem Jahr“, sagt Adelheid Engel. Bestätigen sich die Zahlen in dieser Höhe, hätte auch Oderwitz in diesem Jahr eine bessere Bad-Bilanz als vergangenes Jahr.

Mit einem Minus hat dagegen das Mewa-Bad in Ostritz zu kämpfen. Kamen 2016 noch gut 3 350 Badegäste, sind es in diesem Sommer nur rund 2 900 gewesen. Das durchwachsene Wetter ist nach Ansicht der Ostritzer Bürgermeisterin Marion Prange (parteilos) der Hauptgrund für den Rückgang. Die Negativ-Bilanz ist für das Mewa-Bad besonders bitter. Denn schon seit Jahren diskutieren die Stadträte immer wieder, ob sie die Einrichtung überhaupt noch öffnen oder doch schließen sollen.

Damit Kinder auch künftig im Mewa-Bad in Ostritz planschen können, muss sich etwas tun. Die Stadträte hatten bereits im Frühjahr ein stärkeres Engagement der Ostritzer angemahnt. Es müsse eine andere Form der Betreibung gefunden werden, damit das Freibad auch 2018 öffnen kann. Um eine Lösung zu finden, haben sich jetzt mehr als ein Dutzend Ostritzer im „Café am Markt“ getroffen. Zur Diskussion steht unter anderem die Gründung eines Fördervereins. Ein solcher Verein könne aber den Badbetrieb nicht allein stemmen, meint Margit Müller, die viele Jahre im Stadtrat saß und sich bereits in der Vergangenheit für den Erhalt des Mewa-Bades eingesetzt hat. Allerdings könnte ein Förderverein beispielsweise Veranstaltungen organisieren oder Spenden einwerben, um das Bad zu beleben und den Zuschuss der Stadt zu reduzieren.

Die finanzielle Seite des Badbetriebes sei aber nicht das einzige Problem, betont Bürgermeisterin Prange. Auch die personelle Absicherung mit Rettungsschwimmern wird zunehmend schwierig. Aus der Runde der potenziellen Mewa-Retter kam der Vorschlag, die Hochschule Zittau/Görlitz anzusprechen, ob sich nicht Studenten zum Rettungsschwimmer ausbilden lassen und Dienste im Freibad übernehmen wollen. Über die Vorschläge soll bei den nächsten Treffen weiter diskutiert werden.