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Lichtblick für Pleitefirma

Führungskräfte derinsolventen Wilsdruffer Firmengruppe Hartmann wollen jetzt Nachfolgeunternehmen gründen.

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Von Peter Hilbert

Die 100 Mitarbeiter der insolventen Wilsdruffer Hartmann-Gruppe dürften dem heutigen Nachmittag entgegenfiebern. Nach Wochen der Ungewissheit sollen sie bei einer Betriebsversammlung erfahren, wie es weitergeht. Rechtsanwalt Matthias Rönsch vom Büro des vorläufigen Insolvenzverwalters Munz in Dresden sagte, dass es durchaus Perspektiven für die Mitarbeiter gibt.

Nur zwei Baustellen gekündigt

Die Bau-Firmen-Gruppe hatte am 8. April die Insolvenz angemeldet. Ursache war nach Angaben der Geschäftsführung die wiederholte Fehlberatung des ehemaligen Steuerberaters gewesen. Dadurch sei es dazu gekommen, dass zwei Millionen Euro Steuern nachzuzahlen waren. Zwar sei ein Schadenersatzanspruch gerichtlich in voller Höhe bestätigt worden. Doch als das Finanzamt keine Möglichkeit mehr gesehen habe, die restliche Steuerschuld zu stunden, blieb nur noch der Weg zum Insolvenzrichter. Ende dieses Monats soll nun das Insolvenzverfahren eröffnet werden. Rönsch zufolge heißt dies, dass der Insolvenzverwalter das Heft des Handelns voll in die Hand nimmt, er de facto der Arbeitgeber der Beschäftigten ist.

Eins sei gesichert: das Insolvenzausfallgeld, das die volle Höhe des vorherigen Gehalts hat. Allerdings ist das auf drei Monate befristet. „Im Juni erhalten sie es zum letzten Mal“, erläutert Rönsch. Dennoch soll es weitergehen. „Wir planen eine Transfergesellschaft für die Bauunternehmung Hartmann, damit die Arbeitnehmer nicht in ein Loch fallen.“ Dort könnten die 72 Mitarbeiter der größten Hartmann-Firma erst einmal weiter beschäftigt werden.

Zudem bereite der bisherige Geschäftsführer Frank Grunze die Gründung eines Nachfolgeunternehmens für Hoch- und Ingenieurbau vor. „Das Konzept dafür ist klar“, sagte Grunze auf SZ-Nachfrage. Im Moment werde mit zwei interessierten Banken über die nötigen Finanzen verhandelt. „Ich bin fest überzeugt, dass die neue Firma eine Zukunft hat“, gibt sich der 37-jährige Bauingenieur optimistisch. Er war 1993 als Bauleiter bei Hartmann eingestiegen und fungiert seit 2000 als Geschäftsführer.

Auch für die Bauplanung Hartmann wird Rönsch zufolge die Gründung eines Nachfolgeunternehmens vorbereitet. Der bisherige Technische Betriebsleiter Bernd Funke wolle sich damit selbstständig machen. Nur für die Gebrüder Hartmann Grundstücksverwaltungs GmbH & Co. KG werde noch nach einer Lösung gesucht.

Die Nachfolgeunternehmen sollen weiter am bisherigen Hartmann-Sitz auf der Freiberger Straße bleiben. „Wir sehen jetzt zu, dass wir ihn so gut wie möglich vermieten können. Wenn die Mieteinnahmen die Kosten decken, besteht Verhandlungsspielraum mit der beteiligten Bank“, schildert Rönsch das Vorgehen. Eine endgültige Lösung für das Gebäude müsste allerdings noch gefunden werden.

Indes geht das Tagesgeschäft weiter. Nur zwei der 14 Baustellen seien nach der Hartmann-Insolvenz gekündigt worden, ein Einfamilienhaus in Wilsdruff und ein Straßenprojekt in Dresden.

Subs müssen jahrelang warten

Auf acht Baustellen werde derzeit noch gearbeitet, darunter an der Brücke auf der Wilsdruffer Umgehungsstraße und auf der Müglitztalstraße in Dohna. „Mit den Subunternehmern haben wir für die laufenden Baustellen neue Verträge abgeschlossen. Das funktioniert relativ gut“, sagt Rönsch. Er räumt aber auch ein, dass es für die Firmen, die bis zur Insolvenz für Hartmann gearbeitet haben, mit der Bezahlung ihrer Leistungen trübe aussieht. Denn die bekommen ihre so genannte Quote erst am Ende des Insolvenzverfahrens. Die Höhe sei davon abhängig, wie viel Finanzmasse unterm Strich übrig bleibt. Das Verfahren könne sich locker fünf Jahre hinziehen.