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Lichtermeer Friedhof

Schon seit Wochen finden in polnischen Geschäften Kerzen in roten Plastikbechern reißenden Absatz, ebenso die weißen und gelben Astern auf dem Markt. Einer von Polens größten Feiertagen steht bevor: Allerheiligen, der Tag, an dem sich die Verwandten an den Gräbern ihrer Angehörigen treffen.

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Schon seit Wochen finden in polnischen Geschäften Kerzen in roten Plastikbechern reißenden Absatz, ebenso die weißen und gelben Astern auf dem Markt. Einer von Polens größten Feiertagen steht bevor: Allerheiligen, der Tag, an dem sich die Verwandten an den Gräbern ihrer Angehörigen treffen.

Allerheiligen gilt in Polen als „Heiligabend für die Toten“. An diesem Tag ist der Besuch auf dem Friedhof Pflicht. „Es kommen sogar die Verwandten, die sich sonst das ganze Jahr nicht sehen lassen“, sagt Robert Dabrowski aus Lwowek (Löwenberg). Da werden familiäre Themen besprochen, Erinnerungen an die Toten ausgetauscht, aber oft auch alte Streitigkeiten geschlichtet. Egal wie das Wetter auch sein mag, an Allerheiligen sind die Friedhöfe für die Verwandten ein Familientreffpunkt. Viele verbringen den ganzen Tag zwischen ihren Gräbern. Mit zunehmender Dunkelheit verwandeln sich die Gräber in ein flackerndes Lichtermeer aus Millionen von Kerzen. Auf den Friedhöfen im Land kommt eine beinah anheimelnde Stimmung auf. Erst wenn es kalt und dunkel ist, geht es nach Hause in die warme Stube. Dort wird dann gemeinsam gefeiert. Ein paar Wochen lang werden nach Allerheiligen noch die Kerzen auf den Gräbern flackern und auf den polnischen Friedhöfen das Gefühl aufkommen lassen, dass die Toten nicht alleine sind. (rhe)