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Lichtet sich der Nebel überm Windpark Moldava?

Tschechische Gutachter haben mit dem Projekt kaum Probleme. Auf deutscher Seite hagelt es neue Proteste.

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Von Mandy Schaks

Der Wirtestammtisch Altenberg/Geising ist auf Nummer sicher gegangen. Nachdem Stellungnahmen aus Sachsen gegen den geplanten Windpark in Moldava anscheinend in Tschechien fehlgeleitet wurden und bei der Anhörung kaum eine Rolle spielten, arbeitet der Stammtisch nun mit Netz und doppeltem Boden.

Die Einspruchsfrist auf deutscher Seite ist abgelaufen. Die Interessengemeinschaft von Gastronomen und Vermietern aus dem Osterzgebirge hat noch zwei Tage zuvor ihre Stellungnahme ans Prager Umweltministerium geschickt. Damit nichts schiefgeht, gab Jochen Löbel, Sprecher vom Wirtestammtisch und Chef vom Hotel Lugsteinhof Zinnwald, die Post per Einschreiben auf. Damit die eindringlichen Worte auch verstanden werden, wurden sie gleich noch ins Tschechische übersetzt.

Die Firma EP Renewables plant in Moldava, unmittelbar an der sächsischen Grenze, einen gigantischen Windpark mit 18 Windrädern. Ursprünglich waren sogar 25  vorgesehen. Dafür werden die Anlagen umso riesiger sein und bis zu 186 Meter in den Himmel ragen. Da der Erzgebirgskamm zwischen 780 und  840 Metern hoch liegt, werden die Kolosse aus der Landschaft hervorstechen und sogar die höchste Erhebung im sächsischen Osterzgebirge, den Kahleberg mit 905 Metern, deutlich übertreffen. Das geht vielen Leuten beiderseits der Grenze zu weit.

Es hagelt massenweise Proteste. Wird der Windpark in Moldava gebaut, sehen Hoteliers und Gastronomen das Landschaftsbild der Kammregion erheblich zerstört und damit ihre Existenz bedroht, heißt es in der Erklärung. Tourismus ist im Osterzgebirge der Haupterwerbszweig.

Der Wirtestammtisch vertritt 17 Gaststätten Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen mit rund 600 Gästezimmern. Etwa 200 Leute sind nach eigenen Angaben voll beschäftigt, dazu kommen rund 25 Lehrlinge. Ihren Job haben sie dem Engagement der Unternehmen und Kommunen zu verdanken, aber in erster Linie Mutter Natur. Denn die meisten Gäste reisen nach wie vor vor allem wegen der Landschaft ins Osterzgebirge. Diese sieht die Tourismus-Branche nun deutlich in Gefahr.

Die Natur hat längt ihre Jungfräulichkeit verloren. „Schon die vorhandenen Windanlagen in Neuhermsdorf, am Stürmer bei Nova Ves und am hohen Schneeberg bei Petrovice stören durch das fortlaufende rhythmische Blinken das Landschaftsbild und erzeugen bei einem Teil unserer Gäste psychischen Stress“, monieren die Wirte. Sie sind nicht gegen Windanlagen, aber in einer Region, die fast ausschließlich von und mit dem Tourismus lebt, seien solche Anlagen gefährlich, weil sie Arbeitsplätze vernichteten.

Damit nicht genug: Der Windpark soll ausgerechnet in einem der größten europäischen Vogelschutzgebiete errichtet werden. Auch das Landratsamt in Pirna hat dabei erhebliche Bedenken und sieht vor allem Gefahr für Birkhuhn und einige Wiesenbrüterarten wie den Wachtelkönig.

Vor allem kritisiert auch der Landkreis, dass einige Aspekte nicht genug untersucht bzw. berücksichtigt werden. Dazu gehören Lärmbelastungen für die Bewohner in Grenznähe und erhebliche Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes. Sie schränken den Erholungswert und die touristische Attraktivität ein, mahnt das Landratsamt. Nun können die Protestler nur noch hoffen. Ein Gutachten, das das Prager Umweltministerium in Auftrag gab, fiel positiv für das Vorhaben aus. Jetzt werden die Einwendungen in Prag abgewogen. Dem Landkreis zufolge ist mit dem Abschluss des Verfahrens nicht vor Ende März zu rechnen.

Der sächsische Landschaftsschutz-Verein unterstützt jetzt einen Aufruf der gemeinsamen Plattform aller Windindustrie-Gegner Europas. Sie will vor dem Europäischen Gerichtshof klagen. Das würde sich mit Sicherheit auch direkt auf den Windkraftausbau in Deutschland auswirken, sagt der Verein und hofft auf breite Hilfe. Zunächst, um das Geld für die Klage zu sammeln.