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Liebe führte hinter die Kulissen

Mitte August kam Brigitte Ostermann nach Zittau, als neue Chefdramaturgin des Gerhart-Hauptmann-Theaters. Schnell hat sie sich in ihre neue Aufgabe eingearbeitet und in Zittau eingelebt. Das fiel ihr nicht schwer. Denn ihre Vorgängerin Sylvia Schmidt habe sie gut eingearbeitet, der Umgang im Ensemble sei sehr kollegial und die Zittauer aufgeschlossene Menschen.

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Von Cornelia Mai

„Ich habe mich erstaunlich schnell eingelebt, fühle mich in Zittau schon wie zu Hause“, sagt Brigitte Ostermann. Die Neue am Zittauer Theater gehört längst dazu. Souverän sitzt sie in ihrem kleinen Büro, auf dem Schreibtisch stapelweise Papier, der Laptop läuft, das Telefon klingelt, eine Durchsage schnarrt durch den Lautsprecher. Doch die zierliche blonde Frau bleibt gelassen: Arbeitsalltag der neuen Chefdramaturgin. Auf Hochtouren laufen derzeit die Proben für die nächsten Premieren. Mit der Komödie „Noch ist Polen nicht verloren“ gibt sie ihr Debüt in Zittau. Ihr Verantwortungsbereich ist natürlich viel größer. Selbst in die Suche nach neuen Schauspielern ist sie eingebunden. Erst diese Woche besuchte die 30-Jährige Schauspielschulen, um beim Vorsprechen der Absolventen dabei zu sein.

Freizeit bleibt ihr kaum: „Das ist nicht so schlimm. Die Arbeit macht mir großen Spaß, ich komme jeden Tag gern hierher“, sagt Brigitte Ostermann mit einem strahlenden Lächeln. Ein schöner Ausgleich zur Arbeit wäre das Reiten. Als Kind wuchs sie auf dem Lande, nahe Köln, auf und hatte dort ihr eigenes Pony. Da sie aber eine echte Wald- und Wiesenreiterin sei, muss sie dieses Hobby ohnehin ins nächste Jahr verschieben. Bleibt ihre Katze, die mit nach Zittau kam: „Mit der zu schmusen, ist auch sehr entspannend.“

Ob Dramaturgie immer ihr Traumberuf war? „Viel Liebe und ein großer Zufall führten mich in diesen Beruf“, verrät Brigitte Ostermann. Sie hatte in Tübingen, Boston und Hamburg Amerikanistik, Germanistik und Kirchengeschichte studiert und während dieser Zeit immer Theater gespielt. Auf einem Workshop in Boston sprach sie der damalige Chefdramaturg des Berliner Ensembles an. „Er weilte anlässlich des Brechtjahres in den USA und sagte, ich sollte mich mal bei ihm melden, wenn ich wieder in Deutschland bin“, erinnert sie sich.

Aus der Berliner Verabredung wurde dann zwar nichts. Aber bei einer fünfmonatigen Hospitanz am Schauspielhaus Zürich entdeckte Brigitte Ostermann ihre Liebe für die Arbeit hinter den Kulissen. Andere Praktika in der Medien- und Werbebranche sowie bei einem Filmemacher hatten sie dagegen eher „kalt gelassen“. „Ich glaube, es ist sehr wichtig, den Menschen Geschichten zu erzählen.

Theater kann das auf vielfältige Weise, die Wirkung auf den Einzelnen ist aber sehr differenziert. Und gerade das ist spannend und faszinierend zugleich“, erzählt sie. Zwei Jahre Dramaturgie am Stadttheater in Hildesheim folgten, bevor das Angebot aus Zittau kam.

Brigitte Ostermann nahm das Angebot freudig an. Der einzige Wermutstropfen: „Ich werde hier weniger auf Proben gehen können, weil mehr Inszenierungen anstehen und ich als Chefdramaturgin ein breiteres Arbeitsspektrum abdecken muss“, erzählt sie.

Ihre Biografie hilft ihr dabei mit einem großen Erfahrungsschatz. Als Tochter eines Pfarrers und einer Lehrerin in Baltimore geboren und später in Deutschland aufgewachsen, spielten Bücher und Theater immer eine wichtige Rolle im Leben der heute 30-Jährigen. „Ich weiß, wie es ist, auf der Bühne zu stehen und kann deshalb einschätzen, was sich wie umsetzen lässt oder was nicht funktioniert.“ Neben dem Schauspiel hat sie sich in ihrer Laienspielzeit auch am Bühnenbild und den Kostümen versucht, hat Programmhefte geschrieben. Als Sprach- und Geschichtswissenschaftlerin versteht sie zu recherchieren, eine Geschichte auf den Punkt zu bringen.

Dank ihrer Sprachkenntnisse kann sie Shakespeare im Original lesen. So richtig lieben gelernt habe sie den Klassiker aber erst auf der Bühne. „Ein hervorragender Bühnenautor“, schwärmt Brigitte Ostermann und freut sich auf die Hamlet-Inszenierung in Zittau. Der Spielplan findet große Zustimmung bei ihr. „Ich glaube, dass sich all unsere Stücke wunderbar in den Unterricht integrieren lassen“, sagt sie und verrät, dass sie künftig noch stärker mit Schulen arbeiten möchte. Aber auch auf kleine Formen wie Lesungen und die Organisation des Dreiländerspiels freut sich die neue Chefdramaturgin.