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Liebe zu alten Häusern belohnt

Für die originalgetreue Erhaltung historischer Umgebindehäuser wurden zum zweiten Mal Preise verliehen.

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Von Cornelia Mai

Insgesamt 36Bewerber hatte es für den mit 7000Euro dotierten Umgebindehauspreis gegeben. Die Jury wählte davon sieben Preisträger aus. Im Faktorenhof in Eibau wurden sie am Freitag für ihr Engagement um die Erhaltung der typischen Volksbauweise geehrt. Unter ihnen, wie Landrat Günter Vallentin bedauernd hervorhob, „leider nur ein einziger Bewerber aus dem Ausland“. „Vielleicht“, so Vallentin, „müssen wir in Tschechien und Polen noch stärker für das Umgebindeland werben.“

Das Haus vom Fluss weggeholt

Dr. Milan Marsalek würde das in jedem Fall begrüßen. Der Liberecer, ein gelernter Förster, Journalist und Ökonom, bringt aus all seinen Berufen einen Teil in sein Engagement für die Umgebindehäuser auf tschechischer Seite ein. Einige hat er schon vor dem Abriss bzw. dem weiteren Verfall bewahrt. So erwarb er einen ehemaligen Kretscham, der vor drei Jahren abgerissen werden sollte, und ließ ein seltenes Ausgedingehaus umsetzen, da dieses regelmäßig durch Hochwasser bedroht war, wie Milan Marsalek nach der Auszeichnung berichtete. Viel Geld hat er dafür sowie für weit über 40Beiträge zur Bedeutung der Umgebindebauweise investiert.

Viel Freizeit und Überredungskunst hat auch der Eibauer Bauamtsleiter Frank Münnich für Umgebindehäuser in seinem Ort in die Waagschale geworfen. Über zehn Jahre hat er für den Eibauer Faktorenhof gekämpft. Heute könne man ihn sogar nachts wecken, um eine Führung zu bekommen durch das „baukünstlerisch wertvolle Gebäude“, wie Dr. Ulrich Rosner vom Landesdenkmalamt den Faktorenhof bezeichnete.

Wieland Menzel aus Dittelsdorf bewohnt mit seiner Frau Claudia und den dreijährigen Zwillingen „ein Musterbeispiel von einem Umgebindehaus“, wie es Dr. Rosner in seiner Laudatio hervorhob. Dach, Türen, Fenster, Innentreppe und viele andere Details sind noch originalgetreu erhalten. Auffällig sei die geringe Deckenhöhe von teilweise nicht einmal zwei Metern, die mit 75Quadratmetern kleine Wohnfläche und das winzige Grundstück. Doch Menzels fühlen sich wohl in ihrem Zuhause: „Wir haben zum Beispiel den Fußboden im Erdgeschoss abgesenkt. Wo die Deckenhöhe sehr niedrig ist, habe ich mir das Arbeitszimmer eingerichtet“, erzählt Wieland Menzel, der mit einer Körpergröße von 1,85 Meter nicht gerade klein ist. Doch für Außenstehende scheinbare Mängel kann er nicht bestätigen. Er hat versucht, in den vergangenen zehn Jahren aus jeder verfügbaren Ecke und jedem Balken das Beste zu machen. Erfolgreich – für seine Familie und nach Jury-Meinung.

Viel Zeit für die Sanierung

Familie Domeyer aus Großschönau baut seit 1990 an ihrem Umgebindehaus mit der wohl größten Sonnenverschieferung der Oberlausitz. Kathrin Domeyer wollte schon als Kind im Umgebindehaus wohnen und erfüllt sich nun diesen Traum mit ihrem Mann Wolfgang. Leider bekämen sie dabei von ihrer Gemeinde kaum Unterstützung. „Bis auf Frau Frenzel, die immer ein offenes Ohr für uns hat“, sagt Kathrin Domeyer. Gerade für Großschönau mit seinen vielen Umgebindehäusern sei das bedenklich. Domeyers lassen deshalb keine Gelegenheit zum Fachsimpeln aus. Freitag tauschten sie mit dem Architekten Knut Wolf Erfahrungen aus – unter anderem auch zum optimalsten Heizsystem. Im Gespräch zeigte sich, dass Domeyers mit ihrer Fußleistenheizung genau richtig entschieden haben.

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