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Liebenswerter Tausendsassa gewinnt Herz des Prinzen

Ausgebucht war die zweistündige Premiere des Zaubermärchens „Aschenputtel“ von Felix Sommer nach den Brüdern Grimm im Bautzener Krone-Saal. Das Team des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters hatte mit dieser Wahl wieder eine glückliche Hand.

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Von Crista Vogel

Ausgebucht war die zweistündige Premiere des Zaubermärchens „Aschenputtel“ von Felix Sommer nach den Brüdern Grimm im Bautzener Krone-Saal. Das Team des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters hatte mit dieser Wahl wieder eine glückliche Hand. Wer da meinte, die kleinen Besucher kennen das klassische Märchen nicht, der irrte gewaltig. Sie hielten alle Augen und Ohren offen und trieben die Geschichte vom unverschuldeten Unglück fröhlich voran. Die war denn auch äußerst spritzig und publikumsnah inszeniert und hatte den samtenen Zaubermantel weit geöffnet (Regie Birgit Funke). Sie lebte vom quicklebendigen Aschenputtel (Lilly Jung), einem liebenswerten Tausendsassa, dem trotz zickig-zänkischer Stiefschwestern (Heike Ostendorp, Andrea Rehde) und resoluter Stiefmutter (Janina Brankatschk) eben alles und sogar das Herz des charmanten Prinzen (Marian Bulang) zuflog. Wurde es wirklich knifflig, half eine echte Fee (Petra Maria Wenzel) aus dem Schlamassel. Und Groß und Klein konnte mit dem gestandenen Mimen-Team in traumhaft fantastischer Märchenstimmung schwelgen.

Das lockere Libretto machte beste Spielfreude möglich. So lebte der königliche Hof von der Einmann-Show des Jan Mickan, der Zeremonienmeister, Kanzler, Finanzminister und gar Feldmarschall zugleich war. Wie er das meisterte? Im Zaubermärchen gibt’s eben auch Ordonnanzen und Akteure des „Schwarzen Theaters“. Die lassen Täubchen flattern, Besen fegen oder Wäsche an Leinen baumeln, dass es eine Lust ist. Perlenketten werden ganz, Linsen hüpfen klappernd ins Töpfchen, und Taubenhaus oder Birnenbäumchen tun ihr Bestes. Schöne Bereicherung sind die Ball- und Tanzszenen mit dem Studio Wendisch, die neben Polonaise und Polka auch den lustigen Flohhopser parat haben. Und alles passiert auf offener Szene, wo unsichtbare Geister für reibungslose Umbauten sorgen.

Ausstattung, Musik und Choreografie schufen mit Gediegenheit und Qualität eine stückgerechte Atmosphäre (Katharina Lorenz, Tasso Schille, Constanze Wendisch). Bewundernswert optimal gelang die Gewöhnung an die neue Spielstätte, wenn auch das letzte Wort nicht bis zur Reihe 17 drang. Die Premierengäste waren hellauf begeistert und wollten mit Zugabe-Ovationen nicht aufhören. Das Stück ist ein so fantastischer Renner. Es verlangt geradezu nach einem Finalknaller-Flohhopser… Außerdem lockt ein Aschenputtel-Quiz mit schönen Preisen auf der Bautzener Reichenstraße.

Weitere Veranstaltungen: Stadthalle Krone: 18. November, 15./16. Dezember jeweils 14 Uhr; 19. November, 7. Dezember jeweils 15 Uhr; 26. Dezember, 17 Uhr; Kulturhaus Bischofswerda: 26. November, 14 Uhr; Blaue Kugel Cunewalde: 11. Dezember, 10 Uhr.