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Lieber Herr Pacult!

Brief an Dynamos Ex-Trainer, der ein Imageproblem, aber keinen Job hat

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Das ging schneller als gedacht. Dass ich Ihnen schon wieder schreibe, liegt allerdings schlicht daran, dass Sie nicht mehr mit mir reden nach meinem letzten Brief. Genau vor einem Monat hatte ich Ihnen ja den freiwilligen Abgang als Cheftrainer bei Dynamo empfohlen. Wie vor sieben Jahren, als Sie den Verein als Tabellenführer nach dem sechsten Spieltag freiwillig verlassen haben. Geschimpft haben Sie über diesen Rücktrittsvorschlag, der natürlich nicht ernst gemeint war. Sei’s drum, Ironie ist halt nicht jedermanns Sache.

Nun ist es zwar anders, aber noch schneller gekommen. Schon nach vier Spieltagen sind Sie beurlaubt worden, wie es im Fußballsprachgebrauch geradezu euphemistisch heißt. Offiziell wegen der beiden desaströsen Heimniederlagen gegen Union Berlin und FSV Frankfurt. Dahinter aber stecken inhaltliche Probleme, die schon in meinem ersten Brief benannt gewesen sind: Ihre streitbare Art und Weise der Kommunikation, die taktischen Mängel und ein fehlendes sportliches Konzept. Das ist keine Polemik. Das sind Fakten, die sich seit dem Saisonstart wieder bestätigt haben.

Damals haben Sie sich noch beschwert, ich würde Unruhe in den Verein, ja sogar in die Mannschaft bringen. Dabei sind Sie es, der dafür gesorgt hat. Mit Ihrem unnahbaren Auftreten, mit den für Team und Außenstehende gleichermaßen unverständlichen Aufstellungen sowie der Demontage von Spielern wie Florian Fromlowitz, Robert Koch und Toni Leistner, mit denen Sie nichts mehr anfangen können.

Im Interview mit einem österreichischen Kollegen haben Sie kurz vor dem Saisonstart gesagt, dass Ihnen Ihr Image gar nicht so wurscht sei, wie es den Anschein hat. Und dass Sie gar nicht so grantig und griesgrämig sind. Es sei vielmehr Ihr Wiener Dialekt, der mitunter proletenhaft angesehen wird. Das mag alles stimmen. Aber ehrlich gesagt, Sie haben in Dresden auch nie ernsthaft den Versuch unternommen, an diesem Image etwas zu ändern und das andere Gesicht zu zeigen, von dem Vertraute ebenso erzählen. Nämlich vom netten, freundlichen Zeitgenossen – der immer dann das ganze Gegenteil ist, sobald er den Trainingsanzug übergestreift hat.

Ihre guten Seiten müssen Sie natürlich nicht in aller Öffentlichkeit ausbreiten, das darf und muss vielleicht auch Privatsache bleiben. Man hatte Sie ja als Trainer bei Dynamo angestellt, nicht als Gute-Laune-Onkel. Doch insbesondere in Ihrer Funktion als Fußballlehrer hat sich die Kritik in den vergangenen Wochen verstärkt. Weil Sie kraft Ihres Amtes gezielt Unsicherheit in der Mannschaft schüren, Spieler und Funktionäre bewusst im Unklaren lassen. Nicht mal so etwas wie eine Konzeption haben Sie dem Aufsichtsrat vorlegen können, die Herren stattdessen als ahnungslos bezeichnet. Dabei hätten gerade jene Aufsichtsräte so ein Schriftstück und Ihre Erklärung dringend gebraucht, um besser zu verstehen, wie die Branche funktioniert, was Ihre Vorstellungen vom Fußball sind, wohin Sie mit Dynamo wollen.

Am Ende haben die Ahnungslosen, zu denen Sie kurz vor Ihrem letzten Spiel auch das gesamte Umfeld zählten, also recht behalten mit ihrer Kritik. Genauso wie die Buchmacher, die Sie als Nummer eins bei der Frage nach der ersten Trainerentlassung der Saison gehandelt haben.

Trotzdem wünsche ich Ihnen nun alles Gute und würde mich freuen, wenn wir bei Gelegenheit vielleicht doch mal über Ihre Zeit bei Dynamo mit all den Irrungen und Wirrungen reden könnten. Und das meine ich wirklich ganz ernst.

Ihr

Tino Meyer