SZ +
Merken

Liebeserklärung an den Baum

Ruth Roitsch hat sich beschwert. Prompt bekam sie eine Aufgabe. Seither gestaltet sie die Vitrine im Brunneneck.

Teilen
Folgen

Von Heike Sabel

So ist das, wenn man etwas kritisiert. Etliche Wochen nach der Fußball-Weltmeisterschaft vor drei Jahren stand Ruth Roitsch vor der Vitrine im Brunneneck gegenüber der Bibliothek. „Das ist aber nicht mehr aktuell und sieht wenig schön aus“, sagte sie. Und prompt hatte sie den Schlüssel zur Vitrine in der Hand. Seither gestaltet sie die. Zu den Jahreszeiten, zu Ostern und Weihnachten, zu Höhepunkten.

Jetzt hat sie wieder etwas zu ihrem Lieblingsthema Baum und Wald gestaltet. Die Wurzel hat sie in der Gärtnerei gekauft, den Baumstamm aus dem Wald geholt, die Collagen sind auch von ihr. Die 73-Jährige sagt: „Meine SMS, das sind Singen, Malen, Schreiben.“ So singt sie auch im Singekreis, und wenn da ein besonderes Konzert ansteht oder Besuch erwartet wird, ist das in der Vitrine zu sehen. „Eigentlich könnte ich sie noch viel öfter umgestalten“, sagt Ruth Roitsch, die vor Jahren aus der Lausitz nach Heidenau kam.

Auf dem Weg zum Bahnhof geht Ruth Roitsch immer an ihrer Vitrine vorbei. „Es kann ja sein, es hat sich etwas von dem Geklebten gelöst.“ Manchmal kommt sie mit Leuten ins Gespräch. Die fragen dann, wer denn die Vitrine immer so schön gestaltet. Da müsste doch ein Schild mit dem Namen rein. Auf einen „kleinen Schnipsel“ hat sie ihn geschrieben und in die Ecke gelegt.