SZ +
Merken

Liebesgrüße aus Mailand

Medien. Der Industrielle Silvio Berlusconi versucht zum zweiten Mal, Pro Sieben Sat 1 seinem Imperium einzuverleiben.

Teilen
Folgen

Von Paul Kreiner,SZ-Korrespondent in Rom

Der italienische Fernsehkonzern Mediaset flirtet heftig mit einem Einstieg beim deutschen Privatsender Pro Sieben Sat 1. Das ist bereits der zweite Versuch des Unternehmens, das der Familie des ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi gehört (siehe Kasten).

Schon 2002 wollte Mediaset den größten deutschen Privatsender übernehmen. Die Operation misslang jedoch – nicht zuletzt wegen der politischen Bedenken im damals rot-grün regierten Deutschland. Fast fünf Jahre später haben sich aber nicht nur die politischen Verhältnisse geändert, für Mediaset ist auch der nächst mögliche Zeitpunkt einer Expansion nach Deutschland gekommen.

Unverbindliches Angebot

Am nächsten Dienstag wolle der Verwaltungsrat bei einer „lange vorher geplanten“, regulären Sitzung über ein zunächst unverbindliches Angebot für Pro Sieben Sat 1 entscheiden, sagte ein Unternehmenssprecher am Freitag. Aber man sei noch „in einer sehr vorläufigen Phase“, „auf der ersten Stufe eines langen Prozesses“. Im Gespräch ist der Kauf von 50,5 Prozent der Pro-Sieben-Aktien.

Anders als beim ersten Mal scheint nun die Initiative nicht vom Mediaset-Firmensitz in Mailand ausgegangen zu sein. Der Mediaset-Sprecher sagte, man sei lediglich zu einer Präsentation als Kaufinteressent eingeladen worden – von der US-Investmentbank Morgan Stanley. Die berät Pro-Sieben-Mehrheitsaktionär Haim Saban. Man erwarte „eine Menge“ anderer Bewerber, sagte der Sprecher. Zum möglichen Kaufpreis wollte er keinerlei Auskunft geben. Man entnehme lediglich „den Zeitungen“, dass von fünf Milliarden Euro die Rede sei. Haim Saban hatte den deutschen Fernsehkonzern 2003 für geschätzte 800 Millionen Euro übernommen. Mediaset ist der mit weitem Abstand größte private Fernsehsender Italiens. Er hat lediglich im Staatsfernsehen RAI einen vergleichbaren Konkurrenten. Zusammen kontrollieren sie 90 Prozent des italienischen Fernsehmarkts und die dazugehörigen Werbeeinnahmen.

Aufgebaut hat Mediaset seit 1976 der damals 37-jährige Mailänder Bauunternehmer Silvio Berlusconi, der die Bewohner seiner riesigen, neuen Vorstädte angemessen unterhalten wollte. Politische Protektion, beste Beziehungen zum sozialistischen Regierungschef Bettino Craxi, wahrscheinlich auch eine ebenso gezielte wie diskrete „Parteienförderung“ an den entscheidenden Zeitpunkten halfen ihm über alle gesetzlichen Hürden hinweg. Heute verfügt Mediaset über drei landesweite Sender in Italien, über den Sender Telecinco in Spanien, dazu über einen Home-Shopping-Kanal und eine unbezahlbare „Geldmaschine“: die Werbeagentur Publitalia.

Reichtum und Einfluss

Diesem Medienimperium verdankt Berlusconi nicht nur seinen Reichtum – er ist mit zwölf bis 14 Milliarden Euro geschätztem Vermögen der reichste Politiker der westlichen Welt – sondern auch seine Partei: Der Berlusconi-Wahlverein Forza Italia ist ein direkter Abkömmling der Werbegesellschaft Publitalia. Die Partei wurde mit deren Mitteln, deren Strategie und deren Personal errichtet.

Der frühere RTL-Chef Helmut Thoma sieht in Mediaset einen logischen Käufer. „Es gäbe eine Reihe von Synergien beim Einkauf und der Produktion von Inhalten“, sagte Thoma der „Net-Zeitung“. Berlusconi kenne von einem früheren Engagement bei Tele 5 den deutschen Markt. Jetzt komme es nur noch auf den Preis an. (mit dpa)