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Lieblingsstadt der Bauern, Bischöfe und Beamten

Litomerice. Hübschherausgeputzt lädt dieKönigsstadt zu einem Gang durch 800 Jahre böhmische Geschichte.

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Von Heinz Wirrig

Wer Litomerice (Leitmeritz) besucht, wird überrascht sein, wie viele monumentale Bauten der Gotik, der Renaissance und des Barock die Stadt zu bieten hat. Um die große Anzahl der vielen historischen Bauten zu verstehen, ist ein Ausflug in die Geschichte notwendig.

Die Gegend um Litomerice war schon in Urzeiten stark besiedelt, wie zahlreiche Funde aus der Stein-, Bronze- und Eisenzeit beweisen. Auch in der slawischen Zeit war die Region rasch besiedelt worden. Am Domhügel stand schon im 9. Jahrhundert die Burg der böhmischen Gau-Grafen. Der slawische Stamm der alten Leitmeritzer wurde damals von selbstständigen Fürsten regiert, die erst der Prager Herzog Boleslav unterwarf. Auch deutsche Einwanderer machen schon früh von sich reden. Sie bringen die Stadt, die als solche um 1230 gegründet wurde, zu großer Blüte. Während der Hussitenkriege wurde Leitmeritz tschechisiert.

Nur 50 Häuser bewohnt

Der 30-jährige Krieg schlug der Stadt schwere Wunden. Der sächsische Feldherr Arnim, die kaiserlichen unter Mardas und die Schweden besetzten sie nacheinander. Es gab Zeiten, in denen nur 50 Häuser bewohnt waren. Nach dem 30-jährigen Krieg wurde Leitmeritz wieder deutsch und infolge des Eisenbahnanschlusses und der aufkommenden Elbschifffahrt nahm die Stadt im 19. Jahrhundert wieder einen Aufschwung.

Litomerice liegt an der Elbe bei der Ohre (Eger)-Mündung, am Fuße rebenbewachsener und obstreicher Höhen auf der Südseite des Böhmischen Mittelgebirges.

Verwaltungs- und Bischofssitz

Die Stadt ist Bischofssitz mit mehreren Kirchen und einem bischöflichen Palast. Dass es auch eine Beamtenstadt war, davon zeugen ein Obergymnasium, eine Lehrerbildungsanstalt, eine Ober-Realschule, ein Taubstummen-Institut und eine Agrar- und Weinbauschule. Auch zahlreiche k.u.k.–Behörden hatten hier ihren Sitz, wie etwa die Bezirkshauptmannschaft, das Kreisgericht, die Staatsanwaltschaft oder die Finanzdirektion. Neben der Landwirtschaft gab es in Litomerice die „Elbschloss-Brauerei“, eine Ziegelei und eine Gerberei.

So viel zur Historie – was das heutige Litomerice seinen Besuchern zu bieten hat, lesen wir im zweiten Teil.

Fortsetzung folgt