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Lieblingswort: Muschebubu

Der Freitaler Komödiant Holger Blum liebt seinen Dialekt und spricht auch auf der Bühne Sächsisch.

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© Thomas Morgenroth

Freital. Holger Blum ist der goldene August, nein, nicht der sonnige Sommermonat, sondern der starke Kurfürst von Sachsen. So wie der Freitaler Komödiant könnte der legendenumwobene barocke Monarch tatsächlich gewesen sein: Stämmig und entschlossen, ein unwiderstehlicher Frauenheld mit goldenen Locken und einem noch goldeneren Gehrock, bei dessen Anblick die Untertanen vor lauter Glanz mit den Augen blinzeln.

Im Radeberger Biertheater hat das Publikum sogar Tränen in den Augen – vor lauter Lachen, als Holger „Blumi“ Blum in seinem schillernden Kostüm tanzt und singt. Der 52-jährige Bierhahn gibt in dem neuen Stück „Malzau braut sich“ den Bierflaschenverkorker Harry Kleinschmidt und Ehemann der Bürgermeisterin, der herausfindet, dass er vom sächsischen Hochadel gezeugte Vorfahren hatte. Harry stellt das schlicht und im gepflegten Sächsisch fest, so wie es der olle und liebestolle August auch getan hätte: „Isch bin ä Gönich.“

Herr Blum, warum sprechen Sie auf der Radeberger Bühne kein Hochdeutsch, wie es an anderen Theatern üblich ist, sondern Sächsisch?

Ganz einfach: Ich arbeite im Sächsischen Mundarttheater, da bin ich ja sogar verpflichtet, Sächsisch zu sprechen. Aber ich muss mich da nicht verbiegen, ich bin Sachse, und meine Sprache ist für mich ein Zeichen für Heimatverbundenheit.

Wie ordnen Sie unseren Dialekt in Deutschlands Sprachenlandschaft ein?

Unser Dialekt ist nicht der beliebteste, aber der schönste und liebenswerteste. Wenn ich zum Beispiel nach Chemnitz fahre und dort Kindern zuhöre, wenn sie unbeschwert in ihrem Dialekt quasseln, könnte ich die sofort knuddeln.

Es soll ja wenigstens elf grundverschiedene sächsische Dialekte geben. Welche Spielart sprechen Sie als Freitaler?

Es gibt kein spezielles Freitaler Sächsisch, es ist das Dresdner. Im Radeberger Biertheater hingegen sprechen wir eher eine Art Hochsächsisch, vor allem mit Rücksicht auf das Publikum, das ja mit Reisebussen aus ganz Sachsen kommt, aber auch aus der Berliner und Thüringer Gegend. Wir geben uns natürlich Mühe, bekannte Wörter wie „Hitsche“ mit einzubauen, damit der Wiedererkennungswert groß ist.

Welches ist ihr liebstes sächsisches Wort?

Muschebubu. Das bezeichnet bekanntlich eine Stimmung, die noch gemütlicher ist als gemütlich, und das passt doch zu uns Sachsen. In meiner Solo-Show singe ich ein Lied über das Muschebubu.

Gibt es ein sächsisches Wort, dass Sie überhaupt nicht mögen?

Eigentlich nicht. Ich stamme aus Dresden, ich spreche unseren Dialekt gerne. Schade ist, dass die Jugend von heute kein Sächsisch mehr sprechen will, sondern nur noch Hochdeutsch, um beruflich bessere Chancen zu haben. Das Sächsische wird ihnen schon in der Schule ausgetrieben, das weiß ich von meinen Zwillingen.

Was vielleicht daran liegt, dass das Sächsische gern belächelt wird. Wenn es in einem Hollywood-Film irgendeinen Dämlack zu synchronisieren gilt, spricht der oft Sächsisch.

Leider, wir sind die Trottel der Nation. Aber wir sollten gerade deshalb zu unserem Dialekt stehen, wie es zum Beispiel die Bayern ganz selbstverständlich tun. Die sagen eben, wenn das Oktoberfest beginnt, „O’zapft is!“, und kein Mensch stört sich daran oder lacht darüber. Auch in ihrem Bayerischen Rundfunk sprechen die Bayern eben Bayerisch. Versuchen Sie das mal in Sachsen. Als ich neulich auf der Insel Rügen war und mit öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren bin, freute ich mich, dass dort Kinder die Stationen im ortsüblichen plattdeutschen Dialekt ansagen. So etwas wünsche ich mir auch für unsere Region, Sächsisch in der Dresdner Straßenbahn, das wäre doch was.

Befürchten Sie, dass der sächsische Dialekt eines Tages ausstirbt?

Nein, dafür sind wir ja da. Das 1. Sächsische Mundarttheater wird dafür sorgen, dass unser Dialekt weiterlebt.

Die Fragen stellte Thomas Morgenroth.