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Liegau-Augustusbad: Wie ein Ort seine Vision von einer „neuen Mitte“ umsetzt

Im Radeberger Ortsteil zeigt sich deutlich, dass eine gezielte Entwicklungprächtige Früchte tragen kann. Ohne Geld geht es aber nicht.

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Von Jens Fritzsche

Nun gut, die Zeiten der Planwirtschaft sind zwar lange vorbei – aber dass geplante Ortsentwicklung dennoch von Vorteil sein kann, zeigt sich derzeit im Radeberger Ortsteil Liegau-Augustusbad mehr als deutlich. Wer auf der Hauptstraße durch den Ort fährt, und lange nicht hier war, läuft Gefahr, sich nicht mehr auszukennen. Denn Liegau verwandelt sein Gesicht beinahe täglich. Es wird schöner, sagen die Liegauer stolz.

Und stolz ist dabei auch die Summe, die seit gut einem Jahr und in den kommenden Jahren in den Liegauer Ortskern investiert werden soll. Rund 2,3 Millionen Euro Fördermittel nämlich. Hinzu kommen etliche Millionen privater Bauherren und auch der sogenannten öffentlichen Hand. Denn seit Frühsommer 2010 gehört das Areal entlang der Hauptstraße in Liegau zum Sanierungsgebiet „Historischer Ortskern“. Heißt, für die Sanierung privater, aber auch öffentlicher Gebäude in diesem Gebiet gibt es finanzielle Unterstützung aus einem Fördertopf, der gemeinsam vom Bund, dem Land Sachsen und der Stadt Radeberg gefüllt wird. Und dieses Geld soll dabei natürlich nicht planlos ausgegeben werden. Darf es auch gar nicht.

Also hat das Radeberger Planungsbüro Schubert ein Konzept entwickelt, das nun bereits Schritt für Schritt deutliche Früchte zeigt. So ist beispielsweise neben dem schmuck sanierten Rittergut an der Hauptstraße auch das Gebäude mit dem Dorfladen saniert worden. Mithilfe des Fördertopfs. Gleich daneben ist ein kleiner Marktplatz entstanden, unter den groß gewachsenen uralten Bäumen. Und das Gebäude der Heimatstube ist derzeit eingerüstet, bekommt ein neues Dach, eine neue Fassade und vor allem eine moderne Heizungsanlage. Die SZ hat noch einmal im Sanierungskonzept geblättert:

Was ist im Liegauer Ortskern konkret geplant?

Kurz gefasst: Das Ortsbild entlang der Hauptstraße soll schmuck werden, der Ortskern soll sich zu einem wirklichen Ortszentrum entwickeln. Dazu sind konkrete Gebäude festgelegt, die mithilfe der Fördermittel saniert werden sollen. Aktuell werden dabei zum Beispiel der Umbau der leer stehenden und vollkommen maroden Rödertalschänke zu hochwertigem Wohnen unterstützt, auch das historische Fachwerk-Gebäude Hauptstraße65 soll saniert werden, wie auch die alte Tischlerei.

Sollen nur Gebäude von den Fördermitteln profitieren?

Nicht nur Gebäude, sondern auch brachliegende Flächen im Ortskern können von den Fördermitteln profitieren. So ist zum Beispiel gleich neben der Kita ein Rodel- und Tobehang entstanden. Auch eine Fußgängerbrücke ist im Konzept zu finden. Die soll neben der Rödertalschänke die Röder überspannen und damit den Wanderweg am gegenüberliegenden Röderufer mit dem Ortskern und seinen Gaststätten und Angeboten verbinden. Dafür sollen rund 47000 Euro fließen.

Hat auch die Grundschule etwas vom Fördergeld?

Auch die Grundschule des Ortsteils soll von den Fördermitteln profitieren. So ist geplant, das Dachgeschoss der Schule auszubauen. Dorthin soll dann das bisher viel zu kleine Lehrerzimmer ziehen – und das bisherige Lehrerzimmer dann als Raum für Arbeitsgruppen der Schüler genutzt werden. Das Ganze soll etwa 90000 Euro kosten. Von weiteren rund 70000 Euro kann die Schule ebenfalls profitieren: Damit soll das von der Stadt gekaufte „Müllgrundstück“ gleich neben dem Schulgässchen beräumt und auf Vordermann gebracht werden. Anschließend soll die Schule das Gelände nach ihren Bedürfnissen nutzen. Das soll dieses Jahr passieren. Der Liegauer Ortschaftsrat gab bereits grünes Licht für eine vorübergehende Zufahrt zum sonst nicht erschlossenen Grundstück. Sodass demnächst mit der Beräumung begonnen werden kann. Die Ausschreibungen für die Beräumung laufen bereits.

Wäre es auch ohne das Projekt zu Sanierungen gekommen?

Sicher. Denn der Großteil der in die Sanierungen fließenden Gelder sind ja keine Fördermittel, sondern Eigenmittel der privaten Bauherren oder auch der Stadt. Aber der Fördertopf hat eine Entwicklung in Gang gesetzt, die so umfangreich und wohl auch so schnell sonst nicht möglich geworden wäre.

Sorgt das Geld letztlich tatsächlich für Belebung?

Das kann mit einem klaren Ja beantwortet werden. Deutliches Zeichen: Im sanierten Rittergut haben sich mit den Betreibern des Cafés und des Dorfladens junge Leute angesiedelt, die bereits jetzt mit zahlreichen Veranstaltungsideen für viel Leben in Liegaus „neuer Mitte“ sorgen. So hatte Liegau im Dezember bereits zum zweiten Mal einen eigenen Weihnachtsmarkt, beim Open-Air-Kino war der Platz am Rittergut rappelvoll; und auch zahlreiche Kurse – wie ein Töpferkurs – haben sich im Café angesiedelt. Nicht zuletzt soll hier nun auch regelmäßig Puppentheater gespielt werden. Nicht zu vergessen: auch der Heimatverein Liegau bringt sich kräftig ein. So ist ein historischer Brunnen an der Heimatstube saniert worden, und auch die historische Treppe vom Kriegerdenkmal zur Schule hinauf will der Verein wieder schaffen. Mit Födermitteln, aber auch mit viel Eigeninitiative.