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Kampf gegen das „Baum-ab-Gesetz“

Der Ort Liegau ist für sein Grün bekannt. Aber das schwindet. Mithilfe einer ungewöhnlichen Idee soll sich das ändern.

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© Willem Darrelmann

Von Jens Fritzsche

Satiriker finden ja augenzwinkernd, dass sich Sachsens FDP durchaus einen Eintrag ins Geschichtsbuch verdient habe: Denn von ihrer gemeinsamen Regierungszeit mit der CDU bis zum vergangenen Herbst bleiben immerhin die Möglichkeit, jetzt auch sonntags Autos waschen zu dürfen und so ziemlich jeden Baum fällen zu können …

Auch, wenn diese Sicht vielleicht ein wenig ungerecht ist – gerade Letzteres fand man im Radeberger Ortsteil Liegau-Augustusbad schon zu Mitregierungszeiten der Liberalen nicht wirklich toll. Denn Liegau ist seit jeher ein grüner Ort – was durchaus ganz unpolitisch gemeint ist. Und deshalb hatte sich der Ortschaftsrat schon vor gut zwei Jahren dafür starkgemacht, vom Radeberger Ordnungsamt über jede angemeldete Baumfällung auch auf Privatgrundstücken im Vorfeld informiert zu werden. Dann macht sich in Liegau eine Gruppe Ortschaftsräte auf den Weg und schaut sich an, ob es nicht auch ohne die Baumfällung gehen und man mit den Grundstücksbesitzern ins Gespräch kommen könnte.

Faltblatt wirbt für das Grün

Zudem haben die Liegauer im vergangenen Frühsommer mit Roland Rammer und André Schreyer ja auch gleich zwei Grüne in ihren Ortschaftsrat gewählt. Und die haben in den vergangenen Monaten ein kleines Faltblatt entwickelt, das die Liegauer überzeugen soll, möglichst wenig sozusagen am Ortsbild herumzusägen. Eine Art Werbe-Anzeige für Bäume. „Denn Liegau hat durch das sogenannte Baum-Ab-Gesetz Tausende Bäume verloren“, ärgert sich Roland Rammer. Dabei stellt er klar, sei Liegau gerade für sein Grün bekannt. „Viele haben uns auf unser Faltblatt angesprochen und gesagt, dass es gut sei, das Thema endlich mal anzupacken, denn sie seien extra wegen der Naturnähe nach Liegau gezogen“, hat Roland Rammer schon eine Menge Resonanz verspürt. Wobei Bäume nicht nur fürs Ortsbild, sondern auch fürs Ortsklima wichtig sind, fügt er an – und so gibt es auf dem Faltblatt auch gleich eine Menge Tipps zur Baumpflege sowie Antworten auf Versicherungsfragen. „gerade das treibt ja viele Grundstücksbesitzer um“, weiß der Liegauer. Wer regelmäßig seine Bäume kontrollieren lasse – was durchaus auch schon für „kleines Geld“ möglich sei –, brauche keine Angst vor Streit mit Versicherungen zu haben, unterstreicht Roland Rammer.

Und weil die Reaktionen auf das Faltblatt bisher durchweg positiv waren, planen Rammer und André Schreyer nun noch für dieses Jahr einen zweiten Flyer: Dann soll es um naturnahe Gärten gehen.

Die Faltblätter liegen im Ortsamt und im Liegauer Dorfladen an der Rödertalstraße aus.