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Liegauer Galerist auf Europas Kunst-Bühne

Eberhard Klinger präsentiert seine Galerie auf einer der größten Kunstmessen Europas. Und in Liegau zeigt er derweil spannende Kunstwerke.

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Von Bernd Goldammer

Entspannt in der neuen Ausstellung seiner Galerie in Liegau sitzen – das geht für Galerist Eberhard Klinger derzeit nur mal kurz für den SZ-Fotografen. Ansonsten ist Kistenpacken angesagt. Denn der Liegauer ist quasi auf dem Sprung – zu einer der wichtigsten Kunst-Ausstellungen Europas. Ab Donnerstag wird Eberhard Klinger mit seiner Liegauer Galerie nämlich auf der art-Karlsruhe präsent sein. Hier stellen sich Galerien aus ganz Europa und darüber hinaus vor – auf über 35 000 Quadratmetern Ausstellungsfläche werden dann Umsätze in Millionenhöhe und über 50 000 Besucher erwartet.

Für die Kunstfreunde zu Hause hat Eberhard Klinger aber „zur Entschädigung“ eine spannende Ausstellung parat. Erst vor wenigen Tagen wurde in der Galerie an der Schönborner Straße in Liegau nämlich die neue Schau mit Werken von Steffi Deparade-Becker eröffnet. Schon die Vernissage wurde zum echten Highlight – und Liegau- Augustusbad war wieder als bedeutender Teil der Dresdner Kunstszene zu erleben gewesen. Prall gefüllt war der Ausstellungsraum; die Schau war mit Spannung erwartet worden. Kein Wunder! Die Dresdner Künstlerin Steffi Deparade-Becker hat eine durchaus bedeutende Vita aufzuweisen. Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen führten sie in viele europäische Länder. In der Galerie von Eberhard Klinger sind nun ölfarbige Collagen zu sehen, die in fantastische, geradezu traumhafte Zusammenhänge eingetaucht sind. Sie berühren ihre Betrachter. „Die Bilder von Steffi Deparade-Becker versetzen uns sanft aber zwingend in eine aufmerksame, sensible Stille. Wir kommen dabei nicht zur Ruhe, aber wir müssen uns ihnen zuwenden: schauen – warten – schauen – fühlen – denken – eine Ahnung aufsteigen lassen“, schreibt die Dresdner Kunstkritikerin Regina Niemann über die Künstlerin. Und die Kunstwissenschaftlerin Karin Weber beschreibt ihre Eindrücke mit den Worten: „Die Bildpoesie von Steffi Deparade-Becker impliziert rätselhafte Geschichten und Schichtungen, die ineinander überzugehen scheinen und sich wieder auflösen in Farbschleiern. Momentaufnahmen – ausgewischt, verwischt, gefrorene Zeit. Stille ist gepaart mit Bewegung.“ Es handle sich um eine Kunst, die einem reichen Innenleben entspricht, erhaben über zeitliche und räumliche Messbarkeit, die eigenen Gesetzmäßigkeiten verbunden ist.

Und tatsächlich ist es eine wirklich spannende Schau mit großer Wirkung, die da im kleinen Liegau zu sehen ist. Wie schrieb doch die Hamburger Kunsthistorikerin Ursula Meyer-Rogge zu den Werken: „Die in ruhigen, melancholischen Bildern aufgezeichnete Reise gleicht einer seelischen Expedition, im Rückblick einer seltsamen rätselhaften Prophetie, wenn über den Trümmern jener verfallenen Industrielandschaft sich die Natur in ihrer ganzen Farbigkeit abzeichnet, im Kontrast zum SchwarzWeiß einer zurückgelassenen Alltagswelt …“ Ja, Steffi Deparade-Becker gehört zu den wirklich großen Dresdner Malerinnen. Die Chance, sich ihrer Kunst zu nähern, sollten Kunstfreunde unbedingt nutzen. Die Ausstellung in Liegau ist noch bis zum bis 3. Mai zu sehen.

Galerie Klinger ist geöffnet: mittwochs, donnerstags und freitags von 14 bis 18 Uhr und sonnabends, 10 bis 14 Uhr.

www.galerieklinger.de