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Bügeln? Für sie kein Problem!

Damit Menschen mit geistiger Behinderung im Alltag bestehen, hat die Lisa-Tetzner-Schule in Zittau eine Trainingswohnung eingerichtet. Mit allen Hürden.

Leonie Müller bügelt in der Trainingswohnung der Lisa-Tetzner-Schule in Zittau.
Leonie Müller bügelt in der Trainingswohnung der Lisa-Tetzner-Schule in Zittau. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Bügeln gehört nicht gerade zu den Lieblingsbeschäftigungen von Leonie Müller. Sie hat es aber trotzdem gelernt, denn wie viele junge Leute hat auch sie den Traum von einer eigenen Wohnung. Und da gehöre bügeln nun mal zum Alltag dazu, sagt sie.

Wie dieser Alltag gelingen kann, lernen sie und ihre Mitschüler, die schwerwiegend in ihrer Sprache, im Denken und Handeln eingeschränkt sind und vielfach zusätzlich körperliche, psychische und soziale Beeinträchtigungen haben, in der extra dafür eingerichteten Trainingswohnung für die Werkstufe der Lisa-Tetzner-Schule in Zittau. Unterstützt werden sie dabei von ihrer Klassenlehrerin Gitta Neumann und einer pädagogischen Fachkraft. Ziel sei ein selbstständiges Leben in der eigenen Wohnung führen zu können. Natürlich haben die Jugendlichen auch in der Trainingswohnung Theoriefächer wie Mathe und Deutsch. Dafür gibt es ein Klassenzimmer. Am Dienstag gehen sie zudem normalerweise zum Praktikum in Betriebe der Umgebung. Wegen der Corona-Krise ist das jedoch dieses Jahr ausgefallen.

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Unterricht mit Lehrerin Gitta Neumann im Klassenzimmer der Trainingswohnung.
Unterricht mit Lehrerin Gitta Neumann im Klassenzimmer der Trainingswohnung. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Der Tag beginnt für die 16- bis 17-Jährigen mit einem gemeinsamen Frühstück. Jeden Montag besprechen sie dabei die kommende Woche und legen fest, wer wofür zuständig ist. Zu ihren Aufgaben gehören unter anderem kochen, einkaufen gehen, putzen, das erledigen kleinerer Reparaturen und Ordnung halten. Zudem überlegen sie sich gemeinsam einen Speiseplan. Dabei lernen sie unter anderem, welche Lebensmittel man miteinander kombinieren kann. Ein wichtiger Punkt ist auch die Verwaltung des Haushaltsgeldes. "Wenn wir gut planen und Sonderangebote nutzen, können wir uns auch mal was besonderes leisten", heißt es von den Schülern. Zu Weihnachten ist das zum Beispiel Entenbraten mit Rotkohl und Klößen. Die jeweiligen Teams sind dann eigenverantwortlich für ihren Bereich zuständig. 

"Wir helfen nur, wenn es wirklich nötig ist", sagt Klassenlehrerin Gitta Neumann. Inzwischen hat jeder Schüler eigene Vorlieben entdeckt. Leonie putzt am liebsten das Bad, Max kocht gerne und Petr liebt das Bügeln. Am umfangreichsten sind die Aufgaben des Kochteams. Sie gehen jeden Tag frisch einkaufen, denn bei ihnen gibt es keine Fertigprodukte. Dann bereiten sie die Zutaten vor, kochen sie, decken den Tisch und waschen hinterher wieder ab. Die Zeit dafür zwacken sie vom Unterricht ab und holen sie dann am Nachmittag nach.

Ein anderer Ort zum Lernen

Die Jugendlichen fühlen sich durchaus verantwortlich für "ihre" Wohnung. Dass sie hier lernen dürfen, wissen sie zu schätzen. Schön sei auch, dass sie nicht mehr mit den "Kleinen" in dasselbe Haus gehen müssen, sagen sie übereinstimmend. "Ich fühle mich hier erwachsen", sagt Leonie stellvertretend für alle. Aber viel wichtiger sei das Selbstständigsein, betonen alle. Hier können die Schüler ihren Tagesablauf mitbestimmen und fühlen sich dadurch ernst genommen.

Dieser andere Lernort sei in der Tat wichtig für die Jugendlichen, sagt die stellvertretende Schulleiterin Michaela Weiß. Deshalb haben sie die Trainingswohnung eingerichtet. Vor fünf Jahren erstellte Schulleiter Volker Jäger und sein Team ein neues Konzept für die Werkstufe. Damals übernahmen sie  diese Idee aus anderen Schulen der Region. Durch die Unterstützung vom Landkreis Görlitz und der Kultur- und Weiterbildungsgesellschaft Löbau-Zittau, in deren Wohnheim die Wohnung liegt, konnte diese schon ein Jahr später bezogen werden. Dafür ist das Schulteam sehr dankbar. 

Ursprünglich war geplant, dass die Schüler dort komplett wohnen, aber das hat bisher aus organisatorischen Gründen nicht geklappt. So sind die Schüler nur tagsüber dort. Trotzdem sei die Wohnung ein Erfolg. Sie ist ein wichtiger Bestandteil der Berufsausbildung, die in der Werkstufe stattfindet. Denn auch das Führen eines eigenen Haushalts gehöre zum Berufsalltag dazu.

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