merken
PLUS

Döbeln

Lillys gefährlicher Schulweg

Die Elfjährige aus Münchhof musste täglich im Dunkeln bis zur Bushaltestelle laufen – ohne Fußweg. Nun gab es eine Lösung.

An vielen Ecken in Münchhof ist es für Fußgänger sehr gefährlich. Autos halten sich selten an Regeln und bringen somit auch Lilly Scholz in Gefahr.
An vielen Ecken in Münchhof ist es für Fußgänger sehr gefährlich. Autos halten sich selten an Regeln und bringen somit auch Lilly Scholz in Gefahr. © Lutz Weidler

Ostrau. Knapp einen halben Kilometer musste Lilly Scholz jeden Tag laufen – von ihrem Zuhause bis zur Bushaltestelle in Münchhof. Ein Weg, der nicht nur ihr, sondern auch ihrem Vater Mario Scholz seit August täglich Bauchschmerzen bereitete. Denn in der Ostrauer Ortschaft gibt es weder einen durchgängigen Fußweg, noch verständnisvolle Autofahrer, die den Fuß vom Gaspedal nehmen, wenn Lilly auf der Straße entlang lief.

Vor allem in der Dunkelheit war der Weg ein gefährliches Unterfangen. Teilweise musste die Schülerin ausweichen und in den Graben springen, wie sie berichtet. „Vor allem Lkw und Traktoren haben teilweise überhaupt keine Rücksicht genommen“, sagt die elfjährige Gymnasiastin. 

Anzeige
Sparen wie die Schwaben in Sachsen 

Weil es zu Hause doch am gemütlichsten ist! Jetzt zu günstigem Gas und Strom mit Vertrauensgarantie der Stadtwerke Döbeln wechseln und Prämie sichern!

Sie habe einige Male nur knapp einen Unfall verhindern können. Der alleinerziehende Vater wusste sich anfänglich nicht zu helfen, stattete seine Tochter mit einer gelben Warnweste aus, gab ihr eine auffällige Jacke und eine reflektierende Mütze. Aber geholfen habe es nicht viel, wie er erzählt.

„Trotzdem habe ich fast täglich Nachrichten von Freunden bekommen, die mich darauf hingewiesen haben, dass ich besser auf meine Tochter aufpassen sollte, bevor sie noch jemand umfährt“, sagt der Vater und spielt eine Audio-Nachricht von seinem Handy ab, die einen ähnlichen Wortlaut einer Bekannten beinhaltet. 

„Ich konnte nicht mehr weiter zusehen, wie Lilly sich täglich dieser Gefahr aussetzt. Letztendlich habe ich bei der Gemeinde angerufen und um Hilfe gebeten.“ Man zeigte Verständnis und versuchte zu vermitteln, wie Scholz erzählt.

In Müchhof bei Ostrau ist der Schulweg mehr als gefährlich. 
In Müchhof bei Ostrau ist der Schulweg mehr als gefährlich.  © Lutz Weidler

Bürgermeister Dirk Schilling (CDU) kennt die Problematik in Münchhof und habe vollstes Verständnis für den Vater. „Wir kennen die schwierige Lage dort. Aber uns sind die Hände mehr oder weniger gebunden“, erklärt das Gemeindeoberhaupt. „Es handelt sich dort um eine Kreisstraße, die vom Landkreis Mittelsachsen bewirtschaftet wird. Dort können wir nicht einfach einen Fußweg hinbauen.“

Es bedarf einer Vereinbarung mit dem Landkreis, und Gespräche habe die Verwaltung schon oft geführt – ohne Erfolg. Hauptsächlich sei das Gelände durch steile Hänge und Gräben nicht optimiert für einen Weg. Umso glücklicher ist Bürgermeister Schilling über die Lösung, die das Landratsamt gemeinsam mit Mario Scholz für das Problem gefunden hat.

Denn nach der erfolglosen Anfrage bei der Gemeinde Ostrau und der Stadt Döbeln, habe sich der Vater an das Landratsamt Freiberg gewandt. „Ich wurde dort verbunden und habe eine Ansprechpartnerin gefunden, die sich sofort meines Problems annahm“, berichtet Scholz. In den Folgetagen sei eine zuständige Frau des Verkehrsamtes gekommen, habe sich die Angelegenheit angeschaut und dem Vater Hilfe angeboten.

Nicht nur Mario Scholz, sondern auch zahlreiche andere Anwohner forderten bereits jahrelang eine Reduzierung der Geschwindigkeit auf Tempo 30 und mehr Verkehrskontrollen durch die Polizei. Passiert sei nichts, trotz des Versuches einer Unterschriftenaktion. „Rechtlich sei Tempo 30 schwierig, erklärte das Amt mir“, sagt der 40-Jährige.

„Fahrer könnten dagegen klagen, wenn es nicht zu 100 Prozent begründet sei. Dann wäre das Schild schnell wieder weg.“ Letztendlich konnte das Landratsamt jedoch zumindest an der Verengung der Münchhofer Straße kurz vor dem Ortsausgang in Richtung Ostrau sowie an der Engstelle am Kreuz mit der Straße „Zum Bahndamm“ reagieren. Seit Anfang Februar steht nun dort jeweils ein Tempo 30-Schild.

Die Reaktionen der Autofahrer sind bisher sehr unterschiedlich, berichten Lilly und Mario Scholz. „Es fahren vielleicht fünf von zehn Autos wirklich 30“, meint die 11-Jährige, die in die fünfte Klasse des Döbelner Gymnasiums geht. Auch der Familienvater ist ähnlicher Meinung.

Ein Nachbar berichtete Michael Scholz, dass er einem Autofahrer versuchte mit einem Hinweis auf das entsprechende Schild, deutlich zu machen, dass Tempo 30 gilt. „Er bekam als Antwort einen Mittelfinger gezeigt“, erzählt Scholz. Bürgermeister Dirk Schilling hat dafür absolut kein Verständnis. „Es ist schwer verantwortungslos in einer Ortschaft, in der der Fahrer nicht in die Engstelle einsehen kann, trotzdem aufs Gas zu drücken“, sagt er.

„Eine Geschwindigkeitsbeschränkung ist nicht ohne Grund an Ort und Stelle.“ Egal, ob jemand Kinder habe oder nicht, es könne nicht sein, dass Autofahrer machen, was sie wollen. Das Landratsamt wolle jedoch in Zukunft mehr Kontrollen durchführen. Möglich macht das die Verschiebung des Ortsausgangsschildes, damit die Beamten auf der rechtlich sicheren Seite seien.

Für Lilly gab es schlussendlich auch eine Lösung. Die Schülerin muss zukünftig nicht mehr bis zur einzigen Bushaltestelle in Münchhof laufen. Für sie hat der Landkreis gemeinsam mit dem Verkehrsverbund extra eine Bedarfshaltestelle fast vor ihrem Haus eingerichtet, damit die 11-Jährige zukünftig sorglos in die Schule und zurückfahren kann. Das beruhigt auch Vater Mario Scholz, der dem Amt sehr dankbar ist. „Ich habe mich mehrfach dafür bei der zuständigen Mitarbeiterin im Landratsamt bedankt.“

Mehr lokale Nachrichten aus Döbeln und Mittelsachsen lesen Sie hier.