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Lindners Ratskeller schließt

Jana und Daniel Lindner hatten einen Traum. Sie kamen ihm sehr nahe. Ganz geben sie ihn nicht auf - trotz Abschied aus Dohna.

Sie verlassen Dohna erhobenen Hauptes und mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Jana und Daniel Lindner.
Sie verlassen Dohna erhobenen Hauptes und mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Jana und Daniel Lindner. © Daniel Schäfer

Der Ratskeller in Dohna läuft. Er ist über die Stadt- und Kreisgrenzen hinaus bekannt. Es hat sich herumgesprochen, dass man hier nicht nur gut isst, sondern auch besonderen Service und familiäre Atmosphäre auf hohem Niveau bekommt. Das Bestellbuch ist voll. Trotzdem ist am Wochenende Schluss. Eine Entscheidung, die alle überrascht und die  Jana und Daniel Lindner nicht von heute auf morgen getroffen haben.  

Es ist ein Grund, der ratlos macht und hier ein konkretes Gesicht bekommt: kein Personal. „Es ist, wie in der Wüste gießen und hoffen, dass ein Wald wächst“, sagt Daniel Lindner. 

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Das Problem hat sich angedeutet. Seit etwa zwei Jahren schon. Doch irgendwie ging es immer wieder. Und irgendwie glaubten sie immer noch an eine Lösung. Doch es wurde statt besser immer schlimmer. Bevor die Lindners irgendwann umfallen, ziehen sie jetzt die Reißleine. 

Prominente Gäste

Als sie vor dreieinhalb Jahren im zuvor leerstehenden Ratskeller starteten, folgten sie ihrem Traum. Sie wollten aus dem Ratskeller "ihre" Gaststätte machen. Das ist ihnen gelungen. Wer heute in den Ratskeller geht, sagt, er geht zu Lindners. Aus Gästen wurden Freunde. Zu den Gästen gehören Familien, die etwas Besonderes feiern oder sich etwas Gutes gönnen wollen, Geschäftsleute aus der ganzen Umgebung, Politiker, Künstler. 

Der ehemalige Ministerpräsident Tillich aß bei Lindners, Uwe Steimle und erst kürzlich trafen sich der Meißner Landrat und der Sebnitzer Oberbürgermeister auf halbem Weg in Dohna. Auch etliche Dynamo-Fußballer kamen immer wieder gern. Manchmal mussten sich die Lindners von ihren Gästen fragen lassen "ist das nicht der ..." Dann wurden sie erst aufmerksam. "Das machte uns zwar stolz, aber am Ende sind für uns alle Gäste gleich."

Die Reaktionen der Gäste auf ihre Schließungsankündigung machen den Lindners bewusst, was im Tagesgeschäft mitunter verloren ging. "Was wir hier aufgebaut, geschafft, bewirkt haben, das kommt jetzt geballt zurück", sagt Jana Lindner. Aber der Entschluss steht, der Pachtvertrag ist gekündigt. Mit der Entscheidung ist auch eine Last von den beiden abgefallen. 

Man wird sich den Namen merken müssen

Bürgermeister Ralf Müller (CDU) wünscht sich einen Nachfolger auf gleichem Niveau, obwohl er weiß, "das ist ein hehrer Wunsch". Die Lage hatte die Lindners damals begeistert. Wenn im Sommer hinter der Kirche die Sonne untergeht, auf dem Markt alles blüht und schön ist, dann hatten Gäste und Gastgeber das italienische Gefühl. Das Miteinander am Markt tat Dohna gut. Mit den Bräunigs von nebenan, die die Scheune um- und ausbauen, ergänzte man sich. Es waren zwei Schritte vorwärts. Jetzt wird Dohna und der Markt einen zurückgeworfen. 

Eigentümer Mirko Schüring bedauert es. Er werde versuchen, einen neuen Pächter zu finden, was jedoch schwer werden wird, sagt er. Da ihm die Einrichtung einschließlich Geschirr und Besteck gehöre, sei das finanzielle Risiko für einen neuen Betreiber überschaubar. Vielleicht verkaufe er auch das gesamte Objekt. "Mal sehen."

Lindners haben im Moment noch keinen Plan für "danach".  Ihr Name ist in der Gastronomie-Szene bekannt. Viele verstehen sie, unterstützen sie. Schon gab es die ersten Anrufe und vage Angebote. Doch Lindners werden sich erst mal Zeit nehmen. Mit 42 sind sie jung genug für einen Neuanfang. Was am Sonnabendabend auf der Speisekarte steht, weiß Daniel Lindner noch nicht. Das, was er frisch bekommt. Dem Grundsatz bleibt er bis zum letzten Essen treu. Genau wie die Gäste Lindners. Freitag- und Sonnabendabend sind so gut wie ausgebucht.

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Einen Traum hatten sie in Dohna noch: Der Schriftzug "Ratskeller" am Gebäude sollte um "Lindners" ergänzt werden. Sie waren ganz nah dran. Sogar an der Genehmigung durch den Denkmalschutz. Wenn sie nächste Woche hier das letzte Mal die Tür hinter sich schließen, nehmen sie diesen Traum mit. Sie wissen, was sie können. Deshalb sagen sie: "Man wird von Lindners wieder hören."

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