merken
PLUS Feuilleton

Neurechte Vortragsreihe mit Uwe Tellkamp abgesagt

Der Verein Lingnerschloss hat der Veranstaltungsreihe des Magazins "Tumult" eine Absage erteilt. Auch Uwe Tellkamp ist davon betroffen.

Wollte Auszüge aus seinem neuen Roman vorstellen: der Dresdner Schriftsteller Uwe Tellkamp ("Der Turm").
Wollte Auszüge aus seinem neuen Roman vorstellen: der Dresdner Schriftsteller Uwe Tellkamp ("Der Turm"). © Juergen Loesel

Der Abend versprach, interessant zu werden: Am 9. Januar wollte der Schriftsteller Uwe Tellkamp im Dresdner Lingnerschloss Auszüge aus seinem lang erwarteten neuen Roman "Lava" vorstellen. Nun aber kam vom Förderverein des Schlosses die Absage. "Nach unserer Überzeugung und dem Neutralitätsgebot des Fördervereins Lingnerschloss ist Ihre beabsichtigte Vortragsreihe für unsere Einrichtung nicht geeignet", schrieb der Verein an den Veranstalter des "Tumult-Forums", Frank Böckelmann, der auch die Vierteljahresschrift Tumult herausgibt.

Der Kulturwissenschaftler zeigt sich gegenüber saechsische.de überrascht: "Nach menschlichem Ermessen hatten wir für die insgesamt sechs Abende der Vortragsreihe bereits eine verbindliche Zusage, sämtliche Termine waren für uns reserviert".  Inhaltlich seien die ersten beiden Termin abgesprochen gewesen mit Uwe Tellkamp und dem Historiker Egon Flaig. Des weiteren seien unter anderem Abende geplant gewesen mit dem Radebeuler Schriftsteller Jörg Bernig und Michael Klonovsky, Ex-Journalist und persönlicher Referent des AfD-Fraktionsvorsitzenden im Bundestag, Alexander Gauland. 

Anzeige
Fahrzeugeinrichtung nach Maß
Fahrzeugeinrichtung nach Maß

HOLDER ist der Spezialist für individuelle Fahrzeugeinbauten.

Offenbar hat der Förderverein sich erst nachträglich eingehender über den Veranstalter informiert. "Wir sind von außen darauf aufmerksam gemacht worden, dass dieser Verein etwas fragwürdig ist", sagte Vorstandsmitglied Rolf Backe gegenüber tag24. "Es war erst mal nicht erkennbar, was dahintersteckt", bestätigt dessen Vorstandskollegin Ines Eischler. "Dann haben wir uns aber über Tumult auf deren Website kundig gemacht und sofort gesehen, dass deren politische Ausrichtung den Zielen unseres Vereins widerspricht". Da der Verein "politisch neutral agieren" möchte, sei eine Veranstaltung von Tumult somit "undenkbar" gewesen. Mit der Person von Uwe Tellkamp habe dies jedoch nichts zu tun. Man wolle im Vorstand besprechen, ob man mit ihm gesondert Kontakt aufnimmt.

"Angriffspunkt von Schmähungen und Boykottaufrufen"

Es ist bereits die zweite Absage eines Veranstalters an das "Tumult-Forum". Ursprünglich sollte es im Dresdner Pianosalon an der Frauenkirche stattfinden. Doch am 22. November hatte dort eine Podiumsdiskussion der AfD-nahen Oswald-Spengler-Stiftung stattgefunden, unter anderem mit Klonovsky und dem neurechten Vordenker Götz Kubitschek. Danach sei der Salon "zum Angriffspunkt von Schmähungen und Boykottaufrufen sogenannter Antifaschistinnen und Antifaschisten" geworden, so Böckelmann. Daher habe sich der Betreiber entschlossen, die Reihe abzusagen. „Was soll man sagen?“, kommentierte Uwe Tellkamp die Absage des Lingnerschlosses gegenüber publico.mag: „Es gibt keine Gesinnungskorridore. Nur enge Wände.“ 

Weiterführende Artikel

„Zwangsgebühren“ für „Heuchler und Spitzbuben“

„Zwangsgebühren“ für „Heuchler und Spitzbuben“

Uwe Tellkamp wirbt für den römischen Dichter Horaz und kritisiert das öffentlich-rechtliche Fernsehen.

"Tumult" ist eine konservativ bis nationalradikal ausgerichtete Zeitschrift. Herausgeber Frank Böckelmann nennt sich und seine Mitstreiter selbst "Neorektionäre". In seinem Grußwort zum Jahresbeginn schrieb er über die politischen Lagerkämpfe unter anderem: "Was hierzulande ,Rechtsextremismus' und/oder ,Rassismus' genannt wird, ist provozierte, simulierte, austauschbare Gebärde." Nun will Böckelmann weiter nach einem neuen geeigneten Veranstaltungsort suchen. "Ich bin da sehr zuversichtlich. Wir werden die Reihe zunächst einmal vertagen und sie dann eben im Februar beginnen, mit den geplanten Gästen und Uwe Tellkamp zum Auftakt." (mit Kay Haufe)

Mehr zum Thema Feuilleton