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Linke stellen Leisnigs 975-Jahrfeier infrage

Eine harmlose Frage hat eine Grundsatzdiskussion ausgelöst. Ein Stadtrat ist enttäuscht über die geringere Resonanz auf den Aufruf zur Mitwirkung.

So groß wie 1996 soll das Stadtjubiläum Leisnigs im nächsten Sommer nicht gefeiert werden.
So groß wie 1996 soll das Stadtjubiläum Leisnigs im nächsten Sommer nicht gefeiert werden. © DA-Archiv

Leisnig. Eigentlich wollte Bürgermeister Tobias Goth (CDU) von den Stadtratsfraktionen nur wissen, wen sie in das Festkomitee zur Vorbereitung der 975-Jahr-Feier entsenden wollen. Daraufhin holte Stefan Orosz (Die Linke) weiter aus und stellte kurzzeitig infrage, ob es überhaupt sinnvoll ist, dieses Jubiläum größer zu feiern.

Dies begründete er damit, dass sich auf den Aufruf der Kommune nur drei Leute gemeldet hatten, die zu einer Mitarbeit bereit waren. Das zeige Orosz und der Fraktion, dass kein größeres Interesse an der Feier bestehen könne oder unzureichend für eine Mitarbeit geworben worden ist. Gerade unter jüngeren Leute sei ihm aufgefallen, das kaum jemand von diesem Aufruf weiß.

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Orosz vermute, dass die Festvorbereitung unter diesen Vorzeichen „wieder nur an den üblichen Verdächtigen hängenbleibt“. Das sollte nicht im Sinne der Räte sein. Deshalb gab er zu bedenken, doch vielleicht lieber kleiner zu feiern, und zwar in jeder Hinsicht.

Kleiner feiern war schon der Plan

Außerdem brachte er noch einmal die coronabedingten Finanzausfälle ins Spiel. Dass die Kommune mit weniger Geld auskommen muss, steht fest. Zu welchen Betrag sich die Steuerausfälle summieren, sei noch nicht einmal abschätzbar. Kämmerin Andrea Schlehahn hatte in einem ersten Überblick von rund einer halben Million Euro gesprochen, die durch Corona weniger an Steuern in die Stadtkasse fließen.

Auf die Äußerungen von Stefan Orosz reagierten die meisten der Räte, aber auch Klaus-Dieter Reißmann, der in den Besucherreihen saß, mit Verwunderung. Reißmann hat schon bei der letzten Jubiläumsfeier mitgewirkt und kann sich erinnern, „dass die Stadt froh war, wieder ein Fest zu feiern. Zu DDR-Zeiten war das nämlich nicht gewünscht“, sagte er.

Als Mitgestalter gebe er Orosz durchaus Recht, dass sich häufig dieselben Leute einbringen. „Das gefällt uns auch nicht unbedingt. Einige würden sicher einmal neue Wege mitgehen, statt ausgetretener Pfade“, so Reißmann. Er denkt, junge Leute mit Tatkraft und Ideen sind durchaus willkommen.

Der Bürgermeister staunte, dass die Linksfraktion die Jubiläumsfeier jetzt grundsätzlich infrage stellt. „Wir hatten das doch schon besprochen, dass und wie gefeiert werden soll“, sagte er. Mittlerweile gehe es schon um das Festkomitee. Das soll Goth zufolge aus zwei Verwaltungsmitarbeitern – seiner Person und der Hauptamtsleiterin –, seinen Stellvertretern Hans-Hermann Schleußner (Wählervereinigung) und Hansjörg Oehmig (CDU), Michael Köhler als Hauptveranstaltungspartner sowie Vertretern aller Ratsfraktionen bestehen. „Das ist erst einmal die Struktur, in der dann auch Entscheidungen getroffen werden“, so Goth. Einbringen könnten sich dann auf jeden Fall noch weitere Leisniger. Jüngere Verwaltungsmitarbeiter hätten das beispielsweise schon signalisiert.

Jugend nicht außen vor lassen

Konstantin Wiesinger, der als sachkundiger Bürger im Verwaltungsausschuss mitarbeitet, hatte sich mehr Transparenz bei der Vorbereitung des Jubiläums schon zu einem früheren Zeitpunkt gewünscht. Überdies bot er am Donnerstag zur Sitzung des Gremiums nochmals seine Mitarbeit an.

Das hat Hansjörg Oehmig sehr wohl registriert. Der Stadtrat gab zu, zu den „üblichen Verdächtigen“ zu gehören. Doch mitunter sei es schon peinlich, überall dabei zu sein. Er versicherte, dass niemand die Jugend außen vor lassen will. Im Gegenteil. In einigen Bereichen der Kultur kämen junge Leute nach. Das sei prima, sagte er und nannte als Beispiel den Carnevalclub Leisnig (CCL). „Dort erleben wir gerade einen tollen Umbruch“, so Oehmig, der zum CCL-Vorstand gehört.

Dass das Jubiläum, wie Orosz meint, aufgesetzt oder angeordnet wirkt, das findet der stellvertretende Bürgermeister nicht: „Der überwiegende Teil der Leisniger will feiern. Darüber sollten wir jetzt nicht noch einmal anfangen, zu diskutieren.“ Oehmig verteidigte die schon im vergangenen Jahr besprochene Strategie.

Nach der soll es anders als 1996 kein Extra-Fest mit großem Umzug geben. Stattdessen war verabredet, die Ersterwähnung Leisnigs vor dann 975 Jahren während des Altstadtfestes in geeigneter Form mit zu begehen. Dabei soll auch an dem Altstadtfest in der 2019 getesteten neuen Form festgehalten, die Burg aber wieder einbezogen werden. Immerhin gehört sie zu einem großen Teil der Leisniger Geschichte dazu.

Riesenböller gibt’s nicht

„Es wird sicher keine Riesenböller geben, aber eine würdige Form für dieses Jubiläum“, sagte Vize-Bürgermeister Hans-Hermann Schleußner. Er warnte davor, an das Fest im nächsten Jahr die gleichen hohen Erwartungen zu stellen wie vor 25 Jahren: „Damals waren wir alle euphorisch, uns wurden blühende Landschaften versprochen. Es waren noch mehr jüngere Leute hier und wir alle, die wir hier sitzen, waren jünger. Das hat schon was ausgemacht.“

Wen die Fraktionsgemeinschaft von Wählergemeinschaft und SPD in das Festkomitee delegiert, darüber will sie Michael Heckel zufolge noch einmal beraten, auch mit den Bockelwitzer Ortschaftsräten. Die CDU-Fraktion will sich laut Vorsitzendem Rüdiger Schulz in diesem Gremium von Stefan Mehner vertreten lassen. „Er ist zwar kein Stadtrat, aber auch in der Freibadinitiative sehr engagiert“, begründete Schulz. Die Linksfraktion hat noch keinen Vorschlag gemacht. Mehrer Räte appellierten, das Komitee überschaubar zu halten. „Sonst wird manches zerredet und es geht weniger schnell voran“, sagte Schleußner.

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