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Literaturfreunde kommen gern ins Ostritzer Café

Ostritz. Vor fünf Jahren lud Josefine Schmacht erstmals zum Literatur- Café ein. Heute findet es wieder um 14 Uhr im „Café Giersch“ statt.

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Von Jan Lange

Nicht jedes Buch, das Josefine Schmacht in ihrer Freizeit liest, kann die Ostritzerin später im Literatur-Café verwenden. Von dreien sei eines ungeeignet für den literarischen Nachmittag im traditionsreichen „Café Giersch“. „So war ‚Frau Thomas Mann‘ von Inge und Walter Jens eine beeindruckende Geschichte, während von den selben Autoren ‚Katias Mutter‘ sich weniger zum Vortragen anbot, da kaum Handlung geschildert wird“, erzählt die 69-Jährige, die vor fünf Jahren das Literatur-Café ins Leben gerufen hatte. Bei der morgigen „Jubiläumslesung“ will die frühere Geschichtslehrerin wieder mal was Neues ausprobieren. Erstmals liest sie aus einem Kinderbuch, „Timofej der Bilderdieb“ heißt das Werk des bekannten Jugendbuchautoren Willi Fährmann. „Ich bin gespannt, wie gut es ankommt“, sagt Josefine Schmacht.

Sehr gute Auswahl

Bisher hatte sie mit der Auswahl der Bücher fast immer „goldrichtig“ gelegen. Dies bestätigt auch Elfriede Voigt, die seit 2004 zu den Stammgästen des Literatur-Cafés gehört. „Ich habe stets etwas aus den Lesungen mitgenommen“, erzählt die Rentnerin aus Ostritz. „Unter welchen Wahnsinnsbedingungen beispielsweise Marie Curie geforscht hat, so etwas beschäftigt einen auch nachher noch.“

Dass die Vorträge bei den Literaturfreunden so gut ankommen, liege nach Aussage von Elfriede Voigt auch an der „ausgezeichneten Rhetorik“ von Josefine Schmacht. „Es ist nie langweilig.“ Die Initiatorin des Literatur-Cafés freut sich über das Lob. Schon ihre Schüler – über 20 Jahre war sie in Buchholz tätig, danach in Weißenberg und zuletzt in Ostritz – haben sie immer aufgefordert, etwas zu erzählen. „Dies liegt mir“, sagt Josefine Schmacht. Ebenso wie historische Romane. Deshalb stellt sie solche Bücher bevorzugt vor. Und manchmal handelt es sich sogar um eine Geschichte, die für sie ganz neu ist. „Die Blumenkönigin Maria Sybilla Merian war mir zum Beispiel vorher unbekannt“, so die 69-Jährige.

Die Idee, ein Literatur-Café zu veranstalten, kam Josefine Schmacht bei einem Besuch im „Café Giersch“. In der ersten Lesung im Januar 2003 widmete sie sich dem Schriftsteller Kurt David, stellte hier sein Buch „Der Bär mit dem Vogel auf dem Kopf“ vor. Eine Zeit lang organisierte sie jede Woche ein Literatur-Café, inzwischen hat es sich auf eine Lesung pro Monat eingespielt. „Es so oft zu machen, war für mich nicht zu schaffen“, erklärt sie. Heute legt sie sogar eine Sommerpause von Juni bis Oktober ein. Die Leute wollen bei schönem Wetter nicht im Café sitzen, meint Josefine Schmacht. Und außerdem muss sie sich in dieser Zeit um ihren Garten kümmern.

Auch Gastleser sind dabei

Von Anfang an kamen die literarischen Veranstaltungen gut an. Mittlerweile hat sich ein fester Stamm von 15 Gästen gebildet, der jedes Mal dabei ist, wenn Josefine Schmacht vorliest. Aber nicht immer trägt sie selbst vor, manchmal übernimmt dies ein Gastleser. Hans Klecker und Inge Handschick waren beispielsweise schon beim Literatur-Café dabei. Auch ihr Mann Gerold hat bereits für einen lustigen Kaffeenachmittag gesorgt – mit seinen Mundart-Vorträgen.