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Erst die Fledermäuse, dann der Bergbau

Die Deutsche Lithium lässt derzeit die Umweltauswirkungen ihrer Pläne in Zinnwald untersuchen. Parallel wird nach einem Investor gesucht.

Armin Müller, Geschäftsführer der Deutsche Lithium GmbH, ist hier untertage in Zinnwald. Er treibt das Projekt für den Lithium-Abbau im Osterzgebirge weiter voran.
Armin Müller, Geschäftsführer der Deutsche Lithium GmbH, ist hier untertage in Zinnwald. Er treibt das Projekt für den Lithium-Abbau im Osterzgebirge weiter voran. © kairospress

Die Deutsche Lithium GmbH treibt die Planung für ihr Bergbauprojekt in Zinnwald weiter voran. „Derzeit sind wir dabei, die Wasser- und Artenschutzgutachten erstellen zu lassen“, sagt Armin Müller, Geschäftsführer der Deutsche Lithium GmbH. Dafür sammeln Fachleute die erforderlichen Daten und werden bis zum Herbst die Umweltauswirkungen des geplanten Lithiumabbaus in Zinnwald beurteilen. „Es geht dabei um seltene Tiere wie Fledermäuse“, sagt Müller. Ziel ist dabei, bis Ende des Jahres die Arbeit am Rahmenbetriebsplan abzuschließen. Den muss das Oberbergamt in Freiberg genehmigen. Auf diesem wird später die Planung für das Bergwerk und die Aufbereitung beruhen.

Auf der Suche nach finanzkräftigen Partnern

Parallel dazu ist Müller dabei, die Finanzierung des Projekts auf sichere Beine zu stellen. Details nennt er dazu nicht. Sagt aber, er hoffe, dass bis Oktober neue Anteilseigner in das Lithium-Projekt einsteigen. Die Anlaufkosten für einen Lithium-Abbau in Zinnwald werden auf rund 159 Millionen Euro geschätzt. „Wir hoffen, dass uns die durch Corona bedingte Rezession dabei nicht zu sehr zurückwirft“, sagt Müller. Am Montag dieser Woche hat er den aktuellen Stand des Vorhabens in einer nichtöffentlichen Sitzung des Stadtrats Altenberg vorgestellt.

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Das Thema Lithium-Abbau in Zinnwald ist seit 2010 aktuell. Anfangs waren es die TU Bergakademie Freiberg und der Solarworld-Konzern, welche die Idee vorangetrieben haben. Später, als Solarworld in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet, ist der kanadische Bergbau-Konzern Bacanora eingestiegen, hat die Hälfte der Anteile an der Deutsche Lithium GmbH übernommen und finanzierte die weitere Erkundung des Lithiumvorkommens sowie die Vorbereitung des Abbauprojekts. Bacanora will jedoch auch in Mexiko ein Lithiumvorkommen abbauen. Dort engagieren sich die Kanadier jetzt vorrangig und arbeiten dazu mit einem chinesischen Partner zusammen. Für Zinnwald suchen sie einen Investor, der federführend hier einsteigt.

Vorrat reicht für 30 Jahre Bergbau

Das Modell, das sich aus den Erkundungen des Lithium-Vorrats in Zinnwald ergab, kommt auf einen Vorrat von rund 125.000 Tonnen Lithium. Damit wäre bei dem geplanten Abbau von 570.000 Tonnen Erz im Jahr ein wirtschaftlicher Betrieb der Anlagen über mehr als 30 Jahre gesichert, rechnet sich die Deutsche Lithium aus. Um die Aufbereitung besser auszulasten, hat die Deutsche Lithium sich auch das Recht gesichert, in der Region von Falkenhain die Lithium-Vorkommen zu erforschen.

Die Lithium-Lagerstätte in Zinnwald ist die größte in Europa, allerdings befindet sich mehr als die Hälfte davon auf tschechischem Gebiet. Die Deutsche Lithium hat nur die Lizenz für die sächsische Seite. Dennoch verspricht sie sich von einem Lithium-Abbau in Zinnwald ein interessantes Geschäft, wegen seiner geografischen Lage. In anderen Gegenden der Welt, wo Lithium gewonnen wird, wie Südamerika, ist die politische Lage weniger stabil als in Mitteleuropa. Und die Nähe zu den großen Autoherstellern in Deutschland ist auch ein Pluspunkt für das Zinnwalder Projekt. Denn Lithium wird zwar in verschiedenen Produkten eingesetzt. Die stärkste Nachfrage wird aber aus dem Sektor der Stromspeicher erwartet, vor allem von Akkus für Elektroautos. Lithium aus Zinnwald könnte eine sichere Versorgung der einheimischen Industrie bieten. Das kann der Weltmarkt nicht immer garantieren. Wenn beispielsweise China großen Bedarf an dem Rohstoff hat, ist es durchaus denkbar, dass sich das Reich der Mitte diesen sichert, ohne Rücksicht auf andere zu nehmen.

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