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Kommt der Retter für Löbaus Handel?

Die Diskussion um einen Citymanager ist neu entbrannt. Die Werbegemeinschaft ergreift mit der AfD die Initiative. Doch das Entscheidende fehlt noch.

Besuchermagnet Stadtfest: Jahrelang hatten die Händler dieses Fest organisiert, um Gäste und Löbauer auch in die Geschäfte zu locken. Nun braucht es mehr als ein Fest.
Besuchermagnet Stadtfest: Jahrelang hatten die Händler dieses Fest organisiert, um Gäste und Löbauer auch in die Geschäfte zu locken. Nun braucht es mehr als ein Fest. © Rafael Sampedro (Archiv)

In Görlitz hat just dieser Tage eine neue ihren Dienst angetreten, in Zittau gibt es seit zwei Jahren einen und Bautzen hat auch einen: Citymanager oder Citymanagerinnen sollen dem Innenstadthandel auf die Beine helfen, Sprachrohr der Händler sein und alles tun, damit die Kunden zum Shoppen nicht ins Internet gehen, sondern in den Laden vor Ort. Der Kunde muss sich wohlfühlen, er muss gern kommen. Auch in Löbau wird angesichts des wachsenden Leerstands in der Innenstadt über dieses Thema bereits seit Jahren diskutiert - vor allem im OB-Wahlkampf 2015 und im Jahr danach. Nun flammt die Debatte um einen solchen Handels-Helfer neu auf.

Gründe dafür gibt es gleich mehrere: Die Löbauer Innenstadthändler stecken durch Corona und die damit verbundenen Einbußen derzeit in einer Krise. Zwar laufen die Geschäfte mit Mund-Nasen-Schutz weitgehend stabil wieder an, allerdings auf niedrigerem Niveau als üblich. Zum anderen empfehlen das aktualisierte Einzelhandelskonzept, das jüngst  im Stadtrat verabschiedet wurde, und das nun zur Debatte stehende Stadtentwicklungskonzept die Idee des Citymanagers ebenfalls.

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Händler haben sich an AfD-Fraktion gewandt

Ganz konkret haben sich nach SZ-Informationen Vertreter der Werbegemeinschaft in den letzten Wochen mit Mitgliedern der AfD-Fraktion im Stadtrat zu diesem Thema besprochen. Stadträtin Annegret Stübner bestätigt das auf Nachfrage. Die Gewerbetreibenden hätten sich an sie gewandt und um Unterstützung gebeten. Allerdings sei es für Konkretes noch zu früh. Man habe sich in der Fraktion verständigt, dass man das Thema nach den Sommerferien aufs Tableau bringen wolle - mit einem gut durchdachten Vorschlag. Finanzen und Aufgaben wie Leerstandsmanagement, Nachfolgersuche für Händler oder auch Förderung von Neuansiedlungen sollen dabei eine Rolle spielen, skizziert sie. Und sie hofft, dass alle Fraktionen an einem Strang ziehen.

Die Chancen dazu stehen ganz gut - zumindest, was die Bürgerliste betrifft, gibt sich Fraktionschef Ingo Seiler offen. CDU und Linke signalisieren ebenso Interesse. Voraussetzung sei ein gutes Konzept. Seiler, selbst Innenstadthändler, kann sich noch gut an die Debatten vor fünf Jahren erinnern: Damals hatte es ein Konzept einer Gruppe um den Verein "Löbau lebt" gegeben. Allerdings haben die Ideen auch wegen der "vielleicht etwas unglücklichen Präsentation" am Ende weder Händler noch Stadtrat überzeugt. "Danach hatte der OB die Sache in die Hand genommen", sagt Seiler. Dietmar Buchholz (parteilos) hatte seinerseits gemeinsam mit Stadtwerken, IHK, dem städtischen Großvermieter Wobau und der Werbegemeinschaft zu einer ersten Runde geladen. Allerdings warte er bis heute auf den Fortsetzungstermin, den es ebenso wenig gegeben habe wie eine definitive, öffentliche Absage zum Thema Citymanager, sagt Seiler.

Schwammiger Begriff braucht Leben

So hat den Ausgang der letzten großen Debatte auch Hartmut Nahrstedt in Erinnerung. Der CDU-Fraktionschef hat per se nichts gegen einen Citymanager. Doch er wünscht sich Erfahrungswerte aus anderen Städten: "Ich würde mich gern mal in einer vergleichbaren ostdeutschen Stadt informieren, wie es läuft und welche Fehler wir vielleicht nicht begehen sollten", erklärt er. Zittau, Görlitz oder Bautzen sind in seinen Augen nicht für einen Vergleich geeignet. Mit einem Praxisbeispiel wäre es jedoch einfacher, für diesen Posten erstmals eine "präzise Stellenbeschreibung" abzugeben. "Was soll er machen - Feste organisieren oder den Händlern einen erfolgreichen Tag wünschen?", spitzt Nahrstedt zu.

Genau dieser Punkt treibt auch die Linkspartei um, sagt Heinz Pingel: "Was soll derjenige können, das so jetzt nicht möglich ist?" Was ihn zudem nachdenklich stimme, sei, dass einige größere Städte von dem Projekt wieder abgerückt seien, den Posten nicht neu besetzt haben. In Löbau sei all die Jahre vieles im Ehrenamt der Händler gelaufen - vom Stadtfest bis zur Konvent'a - blickt Pingel zurück. Hier hat die Stadt das Ruder inzwischen übernommen. Auch deshalb, weil die Werbegemeinschaft beispielsweise beim Stadtfest Risiko und Aufwand allein kaum noch stemmen konnte. Welche Rolle soll dann nun ein Citymanager einnehmen?

Der Ball liegt absolut bei den Händlern

Entscheidend ist, wie die Händler selbst dazu stehen - das betonen alle Parteien. Ines Hanke, Vorstandsmitglied der Werbegemeinschaft, hofft ihrerseits ebenfalls auf eine klare Aussage: "Wir haben eine Umfrage bei den Händlern zu dem Thema gemacht", sagt sie. Der Rücklauf war wohl zunächst noch nicht optimal. Dabei sind aber Wille und Einigkeit der Händler in dieser Frage das A und O, betont der Zittauer IHK-Geschäftsstellenleiter Matthias Schwarzbach. Der Weg zu einem Citymanager sei holprig, sagt er aus Zittauer Erfahrungen. Da dürfe man nicht gleich nach dem dritten Stein auf dem Weg die Brocken hinwerfen.

Schwarzbach geht sogar noch weiter: "Der Handel muss der Busfahrer bei dem Prozess sein und die Sache lenken." Dass die Stadt aus Interesse an einer belebten Innenstadt dann auch mitzieht - ebenso wie Immobilienunternehmen, Stadtwerke oder Banken - sei die daraus folgende Konsequenz. Und er sagt auch: "Ein Citymanager sollte die Brücke zur Verwaltung sein, nicht Teil von ihr, um unabhängig die Ziele verfolgen zu können."

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Die Stadt selbst hält sich bei dem Thema derzeit zurück. In der Juli-Ratssitzung stehe die Vorstellung des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes (Insek) auf dem Plan. Dort sei auch die „Profilierung eines aktiven Citymanagements als Chance zur Vermarktung der Innenstadt aufgeführt wird", erklärt Stadtsprecher Marcus Scholz und fügt an: "Genaueres lässt sich dazu möglicherweise nach Konzeptvorstellung sagen."

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