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Löbaus Ärger mit den Umweltauflagen

Das Gewerbegebiet kann nur wachsen, wenn die Stadt grünen Ausgleich bietet: Ein Teil der Lösung ist hochprozentig, bei einem anderen gibt es Schwierigkeiten.

Das künftig um 88 Hektar erweiterte Gewerbegebiet wird durch die B6, die B178 und die Bahntrasse begrenzt.
Das künftig um 88 Hektar erweiterte Gewerbegebiet wird durch die B6, die B178 und die Bahntrasse begrenzt. © Grafik: Stadt Löbau

Seit Herbst vergangenen Jahres arbeitet die Stadt Löbau daran, neue Gewerbeflächen zu schaffen - durch eine Erweiterung des Gewerbegebietes West. Doch damit produzierendes Gewerbe sich auf den neuen Flächen ansiedeln kann, muss die Stadt auch die Umweltauflagen erfüllen - und die sind bei den angestrebten 88 Hektar nicht ohne. Immerhin ist inzwischen die nötige Erfassung und Zählung der dort befindlichen Tierarten abgeschlossen, erklärte Oberbürgermeister Dietmar Buchholz (parteilos) nun auf der Ratssitzung zum Stand der Dinge: "Und wir wissen jetzt, dass es dort keine Fledermäuse gibt." Der Weg, die anvisierten Flächen zu nutzen, ist demnach frei.

Die nötigen Umwelt-Punkte will die Stadt unter anderem mit Hochprozentigem sammeln: Gemeinsam mit dem Jungunternehmer Martin Wagner, der in Kirschau seine Sächsische Spirituosenmanufaktur betreibt, und Löbauer Bergquell-Chef Steffen Dittmar plant die Stadt, auf einigen Flächen im neu entstehenden Gewerbegebiet, Obstbäume anzupflanzen. Damit die Bäume Früchte tragen, seien zwei Imker gewonnen worden, bestätigt auch Dittmar, der gewissermaßen als Bindeglied zwischen der Stadt und Spirituosenfachmann Wagner fungiert. "Dabei geht es um alte Obstsorten und Martin Wagner hat der Stadt jetzt eine Liste eingereicht, woran er konkret denkt", erklärt Dittmar zum Stand der Dinge. Mit dem Alkohol hat der Brauerei-Chef diesmal ausnahmsweise nicht selbst etwas zu tun. Sein "Bier" sind in dem Fall die Wiesenflächen, auf denen die Obstbäume stehen sollen. "Die werde ich für die Futtergewinnung für meine Pferde nutzen", erklärt er. Das Obst selbst veredle dann Martin Wagner in Kirschau zu guten Obstbränden.

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OB: "Manche begreifen es nicht"

So schön die Idee auch ist - für das Umweltpunktekonto reicht dies offenbar nicht aus. Denn die Stadt sucht nach weiteren Flächen, schilderte der OB jetzt den Stadträten: "Wir waren nicht untätig und haben rund 50 Briefe an Grundstückseigentümer geschrieben", erläuterte er die städtischen Bemühungen, die sich vor allem auf Löbaus Norden, also Kittlitz, konzentrieren. Das Ziel: Flächen entsiegeln. Die Stadt bietet den Eigentümern deshalb offenbar an, beispielsweise alte Landwirtschaftsgebäude, die verfallen sind, abzureißen und damit einst verbaute Flächen wieder zur Natur zurückzuführen.

Allerdings lässt das Echo der Angeschriebenen wohl zu wünschen übrig: "Der Rücklauf ist spärlich, manche wollen das nicht, manche begreifen es einfach nicht", sagte Buchholz und redete sich weiter in Rage: "Da denkt ja jeder, er hat Gold gekauft", formulierte er und erwähnte ein Gehöft in Neucunnewitz im Löbauer Norden. "Die Grundstückseigentümer müssten eigentlich froh sein, wenn der Dreck weggerissen wird", machte er seine Sicht der Dinge und den Verdruss über das bisher eher geringe Entgegenkommen deutlich.

Alte Schwimmhalle ist Teil der Pläne

Löbaus Stadtoberhaupt gibt sich trotz der Hürden optimistisch, dass im September der Stadtrat den Entwurf für die Gewerbegebietserweiterung geben wird. Denn, so bemerkte der OB, man habe noch andere Flächen im Visier: "Bei den wegzureißenden Dingen ist auch die Schwimmhalle dabei", erklärte Buchholz. Die alte Schwimmhalle im Armeegebiet hatte die Stadt schon vor einiger Zeit ins Gespräch gebracht - allerdings gehören ihr Grundstück und Gebäude nicht. Doch das kann sich rasch ändern: Demnächst gebe es einen Termin zur Zwangsversteigerung und dort wolle man die Schwimmhalle erwerben, skizzierte Dietmar Buchholz den Plan. Ein Gutachten zum Wert der Immobilie gebe es bereits, machte der Oberbürgermeister zudem klar. Es zeige, dass die Halle kaum noch Wert habe, und es die Reste des Gebäudes erst recht nicht wert seien, an eine Wiederbelebung als Schwimmhalle zu denken.

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Generell betonte der OB mehrfach, dass man mit den Ämtern beim Landkreis im Zusammenhang mit der Erweiterung des Gewerbegebietes gut zusammenarbeite. Buchholz hofft, das im kommenden Jahr die Abwägung zu dem B-Planverfahren laufen könne und man dann rasch mit der Erschließung des Gebietes beginnen kann.

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