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Essen-Anbieter bangen um ihre Existenz

Mit der Schließung von Schulen und Kitas bricht jetzt einer ganzen Branche das Geschäft weg. Ein Fleischermeister aber ergreift die Flucht nach vorne.

Von Jana Ulbrich
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In der Küche des Zittauer Sport- und Freizeitzentrums werden nur noch wenige Mitarbeiter gebraucht. Elke Helbig und Anett Paul (r.) werden sich mit ihren Kollegen in der Kurzarbeit abwechseln.
In der Küche des Zittauer Sport- und Freizeitzentrums werden nur noch wenige Mitarbeiter gebraucht. Elke Helbig und Anett Paul (r.) werden sich mit ihren Kollegen in der Kurzarbeit abwechseln. © Matthias Weber/photoweber.de

Die Mitarbeiter der Großküche im Zittauer Sport- und Freizeitzentrum (SFZ) haben am Dienstag Rührei mit Bratkartoffeln und Spaghetti Bolognese gekocht - aber nicht wie sonst 1.200 Portionen, sondern gerade mal 200. Das sind die Essen, die noch von Senioren und Pflegeheimen abgenommen werden.

Als größter Anbieter für Schul- und Kita-Essen in und um Zittau ist das SFZ jetzt erst mal für Wochen arbeitslos. Wenn alle Schulen und Kindertagesstätten geschlossen sind, wird auch kein Schulessen mehr gebraucht. 17 von 27 Mitarbeitern hat SFZ-Chef Mario Sräga am Dienstag in die Kurzarbeit geschickt. Die Arbeit in der Küche reicht noch für sieben. 

Die Mitarbeiter wollen sich abwechseln, sagt Sräga. Weil Kurzarbeit auch weniger Gehalt bedeutet. Das Minus wollen sich die Kollegen gerecht aufteilen. Der Chef ist froh, dass das alle so mittragen. 

"Wir können jetzt nur hoffen, dass wir das überleben", sagt Sräga. Aber wie das gehen soll, fügt er leise hinzu, dass wisse er - ehrlich gesagt - überhaupt nicht. "Wir sind ja ein Verein, wir erwirtschaften keine Gewinne, alles ist knapp kalkuliert, da nützen uns doch auch Kredite nichts."

"Wir müssen die Küchen jetzt schließen"

Auch Ute Wunderlich, die Geschäftsführerin der Schkola-Schulen, hat am Dienstag alle zwölf Küchen-Mitarbeiter wegen der Schulschließungen in die Kurzarbeit geschickt. "Wir müssen die Küchen jetzt schließen, etwas anderes bleibt uns ja gar nicht übrig", sagt sie. "Und wir hoffen jetzt alle, dass die Regierung ihre Versprechen dann auch einhält, uns wirtschaftlich zu unterstützen. Darauf sind wir jetzt angewiesen."

Die Sodexo-Küche in Löbau hat 18 Mitarbeiter, die an normalen Tagen für 2.200 Schüler in der Region kochen. Am Dienstag waren nicht mal mehr 500 Essen bestellt. Aber wenigstens die noch. Wie es ab Mittwoch weitergeht, wussten die Mitarbeiter am Dienstag noch nicht. "Wir prüfen und besprechen zurzeit und loten Optionen aus", teilt  Alexander Weiß von der Sodexo-Hauptverwaltung in Rüsselsheim am Mittag mit. 

Andreas Wagner, Fleischermeister und Caterer aus Mittelherwigsdorf, versucht es mit der Flucht nach vorne. In soziale Netzwerke und an Whatsapp-Kontakte schickt er am Montagabend einen fast schon verzweifelten Hilferuf an die Eltern, die ihre Kinder jetzt zu Hause betreuen müssen: "Kommt gerne zu uns!"

"Ich weiß mir gerade keinen anderen Rat mehr", sagt Wagner. Die Schul- und Kita-Verpflegung ist das Hauptstandbein seines 18-Mitarbeiter-Betriebs: Drei Wahlessen -  normalerweise über 700 Portionen. Am Dienstag sind es noch 150: Pellkartoffeln und Quark, Kasseler mit Rosenkohl, Chili con Carne.

Über einen Aufruf bei Facebook hatte Fleischermeister Andreas Wagner aus Mittelherwigsdorf am Wochenende 1.000 Würste verkauft, die er für ein abgesagtes Eishockeyspiel hergestellt hatte. 
Über einen Aufruf bei Facebook hatte Fleischermeister Andreas Wagner aus Mittelherwigsdorf am Wochenende 1.000 Würste verkauft, die er für ein abgesagtes Eishockeyspiel hergestellt hatte.  © Matthias Weber (Archiv)

"Ich dachte, so könnte man sich ja gegenseitig helfen", erklärt er seine Idee. "Wenn die Eltern sich jetzt um die Kinder kümmern müssen, zum Beispiel auch darum, dass sie ihre Schulaufgaben machen, dann sind sie ja vielleicht froh, dass sie nicht noch kochen müssen." Und ihm und seinen 18 Mitarbeitern wären sehr geholfen, würde er weiterhin ein paar Kinder bekochen können. 

"Ich will eigentlich keinen meiner Leute in Kurzarbeit schicken", sagt Wagner. Aber er hat gerade mit seinem Steuerberater gesprochen. Es wird ihm wohl nichts anders übrig bleiben, sagt er. So ein Umsatzeinbruch lasse sich für so einen kleinen Betrieb nicht einfach mal so kompensieren. "Kurzarbeit wäre sehr bitter für die Kollegen", weiß er. 

Ob sein Aufruf helfen kann? Am Dienstag jedenfalls sind es schon viel mehr Mittagessen-Kunden in seinem Mittelherwigsdorfer "Wurstladen" als sonst. "Wir wollen es auf jeden Fall versuchen", sagt Wagner. "Wir wollen an der Corona-Krise nicht einbrechen."

Dass das mit so einem Aufruf super klappen kann, das hat Andreas Wagner am vergangenen Donnerstag gemerkt, als er nach einem abgesagten Eishockeyspiel auf  1.000 bestellten Würsten sitzengeblieben war. Innerhalb von fünf Stunden hatte er sie verkauft. Vielleicht klappt das jetzt auch mit dem Mittagessen.

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