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Löbauer Hess-Lichttechnik unterm Hammer

265 Gegenstände aus den Hallen im Gewerbegebiet sind jetzt versteigert worden. Der Erlös ist sechsstellig, das Auktionshaus damit sehr zufrieden.

Von Gabriel Wandt

Die Preise kletterten nur so nach oben, auf der Internetseite des Auktionshauses Netbid Angermann & Lüders. Dort kam jetzt unter den Hammer, was vom Leuchtenbauer Hess Lichttechnik in Löbau in den Räumen an der Weststraße noch übrig war. Alles muss raus, hieß die Devise, und die Schnäppchenjäger ließen sich das nicht zweimal sagen. Am vergangenen Montag gab es einen Besichtigungstermin, und Dienstag um 11 Uhr begann diese besondere Auktion. Ein Auktionator mit seinem Hammer schlug in Löbau allerdings nicht auf sein Holztischchen, und es hob auch niemand die Hand, um sein Gebot abzugeben. Die Auktion fand ausschließlich im Internet statt. Von Computern an allen möglichen Orten konnten Interessenten so in den Bieterwettstreit treten. Das Ganze hat gut funktioniert: Nur wenige Dinge fanden bei den Bietern gar kein Interesse, das waren eher kleinere Dinge wie Laserdrucker Mittag waren das eher nebensächlichere Dinge wie eine Kunststoff-Folienabrollstation oder ein Elektrohefter. Aber obwohl Spezialmaschinen generell viel Interesse hervorriefen, fanden sich auch für zwei CNC-Drehmaschinen zunächst keine Interessenten. Diese Geräte waren aber auch nicht ganz billig: 14 000 beziehungsweise sogar 42 000 Euro waren als Mindestpreise in der Auktion angegeben. Für Letztere gab es am Ende aber doch einen Wettstreit zweier Bieter, bis der Preis zunächst bei 47 000 Euro stoppte. Hier ließ der Auktionator das Türchen absichtlich noch eine Weile länger als geplant offen stehen, um einen besseren Preis zu erzielen. Das erklärte Clemens Fritzen, einer der Netbid-Vorstände. „Wir sind mit dem erzielten Ergebnis sehr zufrieden“, sagte er. Denn es gab ein reges Interesse an den einzelnen Geräten, und teuer hieß dabei durchaus nicht, dass etwas uninteressant gewesen wäre: Als begehrt erwies sich ziemlich schnell ein Radlader, dessen Auktionspreis bei 14 500 Euro startete und der zur Mittagszeit schon bei 27 000 Euro lag. Um Gabelstapler und Maschinenschraubstöcke wurde ebenfalls gut geboten, Rollregale und andere nützliche Utensilien, um Firmenräume damit auszustatten, fanden ebenfalls ihre Käufer – von Computertechnik ganz zu schweigen, für die sich möglicherweise auch die eine oder andere Privatperson interessiert hat.

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265 Einzelpositionen waren insgesamt zu vergeben, vom Getränkeautomaten bis zu den erwähnten großen Maschinen. Gestaffelt waren die Positionen angeboten worden, und die anfangs langen Listen wurden auf der Internetseite fortwährend kürzer, in dem Takt, in dem die Einzelauktionen ausliefen und die Gegenstände neue Besitzer erhalten hatten. Mehr als 250 Gebote gingen allein auf diverse Maschinen ein, die vom Auktionator keinem Spezialbereich zugeordnet worden waren, wie Leitern, Regale, Rolltische und Ähnliches. Eine sechsstellige Summe ist dabei zusammengekommen, die einzelnen Geräte gingen an Bieter aus der Region, aus Deutschland und anderen Ländern. Netbid-Vorstand Fritzen ist sich bewusst, dass es für die alten Firmenmitarbeiter schwer ist, eine solche Auktion zu verfolgen, aber er verweist auch auf die Gläubiger, die wiederum ihre Ansprüche an den Insolvenzverwalter stellten. Zufrieden mit der Auktion ist Fritzen auch deshalb, weil fast vollständig die angesetzten Mindestpreise erreicht und teils deutlich überschritten wurden. An einem zentralen Standort in Deutschland, oder speziell in Baden-Württemberg mit zahlungskräftigem Mittelstand, hätten vielleicht bessere Ergebnisse erreicht werden können, vermutet er. Trotzdem war die Versteigerung der Löbauer Technik für das Auktionshaus, das seit 50 Jahren im Geschäft ist und seit der Jahrtausendwende im Internet versteigert, keine kleine Nummer, sondern lag nach Aussage Fritzens im soliden Mittelfeld dessen, worum sich das Unternehmen üblicherweise kümmert. Große Auktionen erzielen auch schon einmal gute siebenstellige Ergebnisse.

Die Ära Hess in Löbau war am 31. August offiziell zu Ende gegangen. Bis vor Kurzem hingen noch die Trauergebinde der Hess-Werker an den Zäunen. Im Januar hatte die Hess AG Insolvenz angemeldet.