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Löbauer Stadtmuseum vor ungewisser Zukunft

Mit einem stolzen Namen schmückt sich das Löbauer Museum: „Oberlausitzer Sechsstädtebund- und Handwerksmuseum Löbau – Stadtmuseum Löbau“, so nennt es sich offiziell. Dass es ein echtes Stadtmuseum bleibt, ist zurzeit allerdings infrage gestellt.

Von Gabriel Wandt

Mit einem stolzen Namen schmückt sich das Löbauer Museum: „Oberlausitzer Sechsstädtebund- und Handwerksmuseum Löbau – Stadtmuseum Löbau“, so nennt es sich offiziell. Dass es ein echtes Stadtmuseum bleibt, ist zurzeit allerdings infrage gestellt.

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Denn Oberbürgermeister Dietmar Buchholz möchte die Einrichtung an den Schlesisch-Oberlausitzer Museumsverbund mit Sitz in Krobnitz übertragen. Dabei macht das Löbauer Stadtmuseum immer wieder mit aufwendigen Sonderausstellungen von sich reden. Dieses Jahr haben die Mitarbeiter um Museumsleiterin Regine Wiemer sogar etwas noch nie Dagewesenes geschafft: Sie haben in den verwinkelten Räumen zwei große Sonderausstellungen nebeneinander untergebracht. So können Besucher die Schau zur 400-jährigen Geschichte der Alten Apotheke sowie diejenige zu Karl Benjamin Preusker (1786 bis 1871) ansehen.

Schon zum 1. Juli 2012 könnte nach SZ-Informationen der Museumsverbund in Markersdorf das Museum übernehmen. Der Verbund sei dafür grundsätzlich offen, sagt Geschäftsführer Dr. Steffen Menzel. Er weist allerdings darauf hin, dass der Verbund bislang auf den ländlichen Raum ausgerichtet und ein Stadtmuseum eine Herausforderung sei. Menzel erarbeitet derzeit ein Konzept, wie Museum und Verbund zusammenkommen können. Sein Gesellschaftermodell will er am 13.Dezember dem Verwaltungsausschuss des Stadtrats vorstellen. Menzel betont, dass der Verbundcharakter, eine gemeinnützige Gesellschaft, durch die Aufnahme des Stadtmuseums nicht beeinträchtigt werden dürfe.

Die Stadtverwaltung Löbau würde mit dieser Entscheidung einen wichtigen Baustein der örtlichen Kultur aus der Hand geben. Zudem hat ein solcher Vorgang speziell in diesem Jahr eine besondere Note: Der Löbauer Karl Preusker war es, dem Löbau das Stadtmuseum verdankt. Unermüdlich hat Preusker noch zu seinen Lebzeiten darauf hingewirkt, dass die Stadt ein solches Museum einrichtet. Der Begründer des Bibliothekswesens und Altertumsforscher sammelte Objekte für das Museum und gab sie, weil kein Museum errichtet wurde, in die Löbauer Ratsbibliothek.

Dieses Jahr feiern Löbau, Großenhain und Dresden ein gemeinsames Preuskerjahr. Erlebt hat Preusker den Museumsstart selbst nicht mehr, der erfolgte erst 1894, als der Löbauer Bürgerverein im Rathaus eine Ausstellung mit Preuskers Exponaten organisierte. Im gleichen Jahr fiel der Beschluss, ein Museum zu gründen. Seit Mitte der 1950er Jahre setzt das Museum verstärkt auf Sonderausstellungen, in den 1990er Jahren entstand unter anderem die Ausstellung zum Sechsstädtebund. Die Sammlungen des Museums umfassen 65000einzelne Exponate. Allein diese Zahl verdeutlicht, welche Dimension eine Ausgliederung ganz praktisch hätte. Denn die Ausstellungsstücke würden wohl Eigentum der Stadt Löbau bleiben. Daher wäre eine Komplettinventur fällig. Die könnte bis zu drei Jahre in Anspruch nehmen – Zeit, die für inhaltliche Arbeit fehlt. Die Mitarbeiter wären zudem nicht mehr bei der Stadt, sondern der Gesellschaft angestellt.