merken
PLUS

Löbau

Löbauer will über Paris in die Politik

Pascal Walther studiert 1.100 Kilometer fern der Heimat. Für ein Praktikum ist er noch einmal zurückgekehrt.

Pascal Walther nimmt in Löbau eine nützliche Auszeit von seinem Studium in Paris.
Pascal Walther nimmt in Löbau eine nützliche Auszeit von seinem Studium in Paris. © Foto: Rafael Sampedro

Es ist ein ungewöhnlicher Weg, den der 20-Jährige geht. Pascal Walther hat einen großen Traum: „Ich möchte später einmal in einem Ministerium arbeiten“, sagt der junge Mann und lächelt. Ernsthaft? „Ernsthaft.“ In die SPD ist der junge Mann bereits eingetreten, auch wenn er den prozentualen Absturz der Partei mit Sorge betrachtet. Nichtsdestotrotz wollte sich Pascal „parteipolitisch orientieren“. Und bei der SPD fand er sich am ehesten wieder, erzählt er. „Vor allem bei den Themen, bei denen es um soziale Gerechtigkeit geht“, findet der Student. 

Die Mitgliedschaft eines so jungen Menschen in einer Partei ist das Eine. Um einmal in einem Ministerium mitzuarbeiten, sich politisch zu engagieren, reiche das allein kaum. Der Löbauer schlägt deshalb zielgerichtet eine Bahn ein und und studiert seit einem Jahr Politik und Wirtschaft. Dafür hat er seine Heimatstadt Löbau verlassen. Pascal zieht es zum Studium von Löbau aus fast 1.100 Kilometer weg in den deutsch-französischen Campus von Sciences Po in Nancy. An dem sei das Flair international geprägt, schwärmt Pascal. Die etwa 300 Studenten kommen unter anderem aus Österreich, Italien und den skandinavischen Ländern. 

Erfüllen Sie sich Ihren Wohntraum
Erfüllen Sie sich Ihren Wohntraum

Eine Veränderung wäre doch gut, oder etwa nicht? Tipps zum Thema Einrichtung und Wohnen gibts in einer besonderen Themenwelt von sächsische.de. Ein Blick hinein lohnt sich!

Für einige Wochen ist er nun zurückgekommen, um ein Praktikum zu machen. Beim Verein „Löbau lebt“ hat er sich das ausgesucht. Den Verein kennt er schon länger - vor allem durch dessen Aktivitäten im Internet. Ein vierwöchiges Praktikum unter dem Motto „ziviles Engagement“ gebe die Uni vor. Und da habe es nahe gelegen, das dort zu machen, „wo ich aufgewachsen bin.“ Bei „Löbau lebt“ wurde er fündig, will sich da nun verstärkt dem Thema „Ländliche Räume“ widmen und aufarbeiten, welche Möglichkeiten und Angebote es vor allem für die Jugend geben kann. Aufgabe sei, Ideen zu sammeln und diese dann im Studium wissenschaftlich zu bearbeiten.

In Deutschland sei es schwierig gewesen, Politik und Wirtschaft in einem Studium miteinander zu verbinden. Zu Frankreich hat Pascal so oder so ein ganz besonderes Verhältnis, wie er erzählt. Am Geschwister-Scholl-Gymnasium war die französische Sprache sein absoluter Favorit. Und weil ihm die Sprache so gut lag, konnte er sogar am Unterricht der höher gelegenen Klassenstufe teilnehmen. „Meinem Lehrer Manfred Scheffelmeier habe ich besonders viel zu verdanken“, sagt er. Der unterrichtete Pascal einmal wöchentlich fakultativ zusätzlich. Ein Sprachgenie also. Das Sprachtalent kommt ihm nun im fernen Frankreich zugute. Dem Gymnasium wird der junge Mann auch jetzt wieder einen Besuch abstatten. Einen Workshop gestaltet er da gemeinsam mit „Löbau lebt“, bei dem es um überzeugendes Auftreten und Präsentieren geht.

Luft auf politischer Bühne schnupperte der Student bereits vor drei Jahren. Die ehemalige sächsische Kultusministerin Brunhild Kurth gratulierte dem damaligen Schüler anlässlich einer ganz außergewöhnlichen Leistung: Pascal Walther schaffte es ins Bundesfinale vom Wettbewerb „Jugend debattiert“ in Berlin und holte dort den zweiten Platz. Damit war er der erste Schüler, der auf Bundesebene eine Medaille für Sachsen holte. 200.000 Mädchen und Jungen hatten an dem Wettbewerb teilgenommen. Gern erinnert er sich an diesen Erfolg zurück, ebenso wie an die Tanzstunden in der 9. Klasse. Die legten einen Grundstein für sein Hobby; das Tanzen. Standard- und Lateinamerikanische Tänze sind das. In Frankreich an der Universität gibt es auch das. „Ich bin da bei einem Paartanz-Verein dabei“, erzählt der Student. 

Etwa die Hälfte aller Campus-Bewohner führen gemeinsam einmal jährlich ein Musical in einem französischen Theater auf, wo die Tänze eine große Rolle spielen. Mit seiner Tanzpartnerin ist er dabei. Letztendlich will Pascal einen doppelten und zweisprachigen Bachelor-Abschluss schaffen. Zwei Jahre Studium in Frankreich und zwei Jahre an der FU in Berlin sind dafür notwendig. Hat der Löbauer das gemeistert, hofft er auf ein Praktikum in einem Ministerium. Falls das nicht klappt, kann sich Pascal gut vorstellen, bei einer Stiftung oder einer Nicht-Regierungsorganisation in die Arbeitswelt rein zu schnuppern. In einigen Tagen werden aber erst einmal die Koffer wieder gepackt. Dann geht's zurück nach Frankreich.

Mehr lokale Themen:

www.saechsische.de/loebau

Mehr zum Thema Löbau