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Löbtau von seiner Schokoladenseite

Hobbyhistoriker Uwe Hessel ist der Süßwarengeschichte Dresdens seit 15 Jahren auf der Spur. Nun plant er ein Archiv.

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© André Wirsig

Von Linda Barthel und Lars Kühl

Uwe Hessel liebt Süßigkeiten. Schokolade findet der 54-Jährige lecker, aber auch Kekse treffen seinen Geschmack. „Ich bin nicht süchtig, aber ich mag das schon sehr“, sagt der Dresdner. Aus der Leidenschaft hat sich bei ihm mit der Zeit sogar ein Forschungsinteresse entwickelt. Mittlerweile ist Hessel ein Experte auf dem Gebiet der Süßwaren. Rund 15 Jahre beschäftigt er sich bereits mit der Herstellungsgeschichte der kalorienreichen Versuchungen in Dresden. Sein bisheriges Wissen und gesammelte Produkte hat der Cottaer kürzlich in der Ausstellung „Schokoladenstadt Dresden – Süßigkeiten aus Elbflorenz“ zusammengestellt, die noch bis Sonntag im Stadtmuseum an der Wilsdruffer Straße zu sehen ist. Während die Schau in den vergangenen Wochen rund 20 000 Besucher anlockte, arbeitet Hessel derweil schon am nächsten Projekt: Er will die Produktionsgeschichte der Löbtauer Süßwarenfabriken ergründen.

Das Industriegebiet erstreckte sich einst entlang des Weißeritzgrünzugs. Rund 30 Firmen produzierten hier. Zur Historie der in Plauen ansässigen Unternehmen hat der Hobbyhistoriker bereits viel recherchiert. Jetzt ist der benachbarte Stadtteil an der Reihe. So will der Schokoexperte, der seit Kurzem auch zur Löbtauer Runde gehört, unter anderem ein Stadtteilarchiv einrichten. In dem soll die Süßwarenherstellung eine große Rolle spielen. Dafür sammelt er alles, was damit zu tun hat. Verpackungen, Plakate, alte Rezepte – Hessel interessiert sich für alles.

Die Ausstellung im Stadtmuseum hat seine Recherche bereits gut vorangetrieben. Denn viele Besucher kamen auf den Dresdner zu, weil sie früher selbst oder Verwandte in einer der Fabriken gearbeitet haben. Sie erzählten Geschichten, die sie während dieser Zeit erlebt haben, und schenkten Hessel unter anderem alte Rezepte. Der gelernte Verfahrenstechniker sammelt selbst seit Jahren jegliche Art von Lebensmittelverpackungen. So hat er mittlerweile ein Lager unzähliger alter und neuer Verpackungen von Schokoladen und Keksen.

Sein Interesse für Süßwaren wurde bereits während des Studiums an der Technischen Universität Dresden geweckt. Damals forschte Hessel, der auch Mitglied des Vereins für Wissenschaftler und ingenieurtechnische Mitarbeiter Dresden ist, über eine DDR-Schokoladenfabrik.

Ausstellung nicht verlängert

Nun widmet er sich Gerling und Rockstroh, Carl Süße, Lobeck und Co., der Süßwarenfabrik Exquisit von Elisabeth Löser sowie Petzold und Aulhorn. Allesamt ehemalige Süßwarenunternehmen, die früher in Löbtau oder an den Grenzen des Stadtteils ansässig waren. So hatten beispielsweise Gerling und Rockstroh ihre Standorte an der Freiberger Straße und der Frankenbergstraße.

Hessel konnte über die Firma schon einiges in Erfahrung bringen. So gründete August G. Hermann Gerling das Unternehmen 1891 in der Freiberger Straße. Drei Jahre später trat Albert Benno Rockstroh in den Betrieb ein. Nach sehr wechselhaftem Erfolg wurde 1935 das Gelände an der Frankenbergstraße gekauft, um dort einen zweiten Standort einzurichten. 1946 wurde der Betrieb dann enteignet und 1948 schließlich aus dem Handelsregister gelöscht. Später gehörte die Firma dann zum VEB Dresdner Süßwarenfabriken Elbflorenz. Spezialisiert waren Gerling und Rockstroh auf Marzipanprodukte: figürliche Artikel, überzogen, angetunkt. Im Jahr 1990 musste die Firma allerdings geschlossen werden.

Noch ist Hessel lange nicht am Ende seiner Recherchen. Es ist eine fortlaufende Forschung, sagt er. Das hat ihm jetzt auch wieder die Ausstellung im Stadtmuseum gezeigt. Diese hätte er gerne noch verlängert, weil sie so gut bei den Besuchern ankam. Da jedoch schon die nächste Schau vom Museum vorbereitet ist, war das nicht möglich.

Die nächsten interessanten Hinweise bekommt Hessel dafür vielleicht bei einer seiner nächsten Führungen. Diese organisiert der Dresdner schon seit Längerem regelmäßig durch das ehemalige Industriegebiet in Plauen und Löbtau. Der nächste Termin steht jedoch noch nicht fest.

www.wimad-ev.homepage.t-online.de