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Löbtauer Fahrräder für Asylbewerber

Mit der Aktion reagiert eine Initiative auf die Wünsche der Flüchtlinge. Die müssen aber erst deutsche Verkehrsregeln lernen.

Von Lars Kühl

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Das Netzwerk „Willkommen in Löbtau“ lässt seinen Ankündigungen Taten folgen. Die Vereinigung will den neuen Asylbewerbern, die seit knapp drei Wochen im Übergangsheim in der Tharandter Straße wohnen, das Zurechtfinden im Stadtteil so einfach wie möglich machen. Kürzlich feierten alle zusammen ein Willkommensfest. Dabei wurden die Asylbewerber auch gefragt, was ihnen denn besonders fehle. Neben Deutschunterricht und Internet war die eindeutige Antwort: Fahrräder.

Neue kamen aus Kostengründen nicht infrage. Deshalb rief die Initiative auf, gebrauchte Drahtesel zu spenden, die durchaus ihre Macken haben dürfen und reparaturbedürftig sind. Immerhin 16 Räder wurden abgegeben, zum Teil noch wirklich gut in Schuss, zum Teil aber auch arg verschlissen. Der SPD-Ortsverein Plauen steuerte etwas Geld dazu bei, um wichtige, neuwertige Ersatzteile bezahlen zu können.

Am vergangenen Sonnabend organisierte das Netzwerk dann eine Aktion in einem Hinterhof an der Wernerstraße. Rund 20 Löbtauer und Flüchtlinge schraubten und tüftelten gemeinsam an den Fahrrädern. Vier Stunden wurden Reifen geflickt und Lichter montiert. Mitgebrachtes Werkzeug wechselte die fleißigen Hände. Einige Bewohner des „T8“ – so wird das Übergangsheim aufgrund seiner Lage an der Tharandter Straße 8 schon jetzt genannt – stellten sich als gelernte Mechaniker heraus und konnten die Reparaturen komplett in Eigenregie durchführen. Andere wiederum bekamen Hilfe von Netzwerk-Mitgliedern – mit Unterstützung von drei Übersetzern.

Nachdem die Technik funktionierte, wurden die Asylbewerber mit den deutschen Verkehrsregeln vertraut gemacht. Bei einem Ausflug auf den Rädern durch Löbtau probten die Asylbewerber das Fahren im Stadtverkehr. „Wir übten das Abbiegen, Fahren im Kreisverkehr und erklärten die vielen, für uns selbstverständlichen Verkehrsschilder“, sagt Netzwerk-Mitglied Robby Harnisch, der den Nachmittag initiiert hatte. Da mittlerweile weitere Fahrradspenden eingehen, ist geplant, die „Schraubaktion“ zu wiederholen.

Sie hat einen ernsten Hintergrund. Ein Fahrrad bedeutet für die Flüchtlinge, sich in Dresden frei fortbewegen zu können. Straßenbahn- oder Busfahren ist auf Dauer zu teuer. Mit den Spenden reagierte das Netzwerk gezielt auf die geäußerten Wünsche der Asylbewerber. „Uns ist sehr wichtig, dass sie uns ihre Bedürfnisse konkret mitteilen können“, erklärt Netzwerk-Sprecher Frederik Kuschewski. „Damit stellen wir sicher, dass unsere Hilfsangebote auch wirklich sinnvoll für die Geflüchteten sind.“ Die Vereinigung hat schon die nächsten Ziele festgelegt. Mit Hochdruck werde daran gearbeitet, den „T8“-Bewohnern Deutschkurse anzubieten und einen Internetzugang zur Verfügung zu stellen.

Die Asylbewerber sind in einem ehemaligen Bürohaus untergebracht. Dieses hat die Stadt für die nächsten zehn Jahre angemietet. Das Gebäude wurde umgebaut, sodass durch neu eingezogene Trockenwände maximal 40 Flüchtlinge auf drei Etagen in Zwei- und Drei-Bett-Zimmern Platz finden. Das Objekt ist das erste von elf neuen Heimen, die Dresden für den gestiegenen Flüchtlingsstrom bereitstellen will.

Im Dresdner Westen soll demnächst ein weiteres Haus umgenutzt werden: das Hotel Lindenhof in der Podemusstraße 9 in Stetzsch. Dazu ist geplant, bis 2016 zwei Heime in Container-Bauweise in der Wendel-Hipler-Straße 13 in Naußlitz sowie in der Carl-Immermann-Straße 2 am Rathaus Cotta zu errichten.

Netzwerk-Treffen: 15. April, 19 Uhr, Hoffnungskirche

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