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Löbtauer Straße wird zum Kino

Am Montag sollen die Bauarbeiten auf der Brachfläche beginnen. Bis Ende August entsteht dort ein Kino für Autofahrer.

Von Carina Huppertz

Bis jetzt zeigen nur fünf Metallrohre im Boden, dass sich auf der Brache etwas tut. Doch Anfang nächster Woche soll es richtig losgehen. Dann werden auf der Freifläche, wo die Fröbelstraße die Löbtauer Straße kreuzt, bis zu einen Meter tiefe Fundamente gegossen. Ende August sollen sie drei Meter hohe und rund 18 Meter lange Aluminiumplatten halten. Die beiden Tafeln sind mit Schriftzügen und verschiedenen Motiven aus dem Stadtteil bedruckt. Weil sie ziehharmonikaförmig geknickt sind, können Fahrer immer nur einen Teil der Bilder anschauen. Wer stadteinwärts fährt, sieht Stadtmotive wie den Turm der Yenidze. Stadtauswärts ist Natur zu sehen wie das Ostragehege. Je nachdem wie schnell oder aus welchem Winkel Fahrer vorbeikommen, entstehen immer andere Bilder. Diese Installation nennt sich Fahrtwindkino. Die Dresdner Landschaftsarchitekten Blaurock und Storch haben die Idee entwickelt.

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Bis vor zwei Jahren stand auf der Fläche ein ehemaliges Arbeiterwohnheim. Das marode Gebäude war lange ungenutzt, 2010 wurde es abgerissen. Das Fahrtwindkino soll den Ort jetzt visuell aufwerten. Für einen Spielplatz oder Park kommt er nicht infrage. „Durch die Lage an der Straße ist es hier zu laut zum Entspannen“, sagt Hans Martin Pfohl vom Stadtplanungsamt. Die Stadt hatte auch andere Ideen geprüft. Bei der Errichtung legaler Graffitiflächen drohten Konflikte mit dem nahe gelegenen Seniorenpark. Außerdem wird bereits zwischen der Roßthaler und der Löbtauer Straße im nächsten Jahr ein Areal für Jugendliche mit Graffitiwänden fertig. Auch der Friedrichstädter Verbund sozialpädagogischer Projekte hat nach Vorschlägen gesucht. Seine Versuche, mit Anwohnern Ideen zu erarbeiten, scheiterten an der geringen Rückmeldung. Im Herbst 2011 entschloss sich das Amt dann, das Fahrtwindkino zu bauen.

Auf Kritik stieß die Gestaltung der Platten. Einigen Anwohnern war die Collage zu modern für das barocke Dresden. Auch, ob das Projekt überhaupt nötig sei, wurde gefragt. „Gerade in dieser Gegend entwickelt sich nicht so viel wie in anderen Teilen Dresdens. Da muss man mal etwas Mutiges machen“, sagt Pfohl. Sorgen, dass die Installation die Fahrer ablenken könnte, macht er sich nicht. An der Stelle stehe eine Ampel, Fahrer rollten eh langsam auf die Kreuzung zu, so Pfohl. Das Fahrtwindkino soll trotz allem nur zehn Jahre dort stehen. Danach will die Stadt das Gelände verkaufen. Weil Fördermittel in das Projekt geflossen sind, darf sie es nicht früher abgeben. Das gesamte Projekt kostet 217000 Euro. Der Abriss des alten Gebäudes war rund 70000 Euro günstiger als geplant. Diese gesparte Summe wird in das Fahrtwindkino investiert. Die Europäische Union übernimmt drei Viertel der Kosten. Mit ihrem Fonds für regionale Entwicklung fördert sie benachteiligte Stadtteile.