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Löbtauer wollen Asylbewerber willkommen heißen

Montag öffnet das Heim in der Tharandter Straße. Mittwoch stellten Löbtauer dazu ihre Fragen in der Hoffnungskirche.

© Christian Juppe

Von Sarah Grundmann

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Heute öffnet das erste neue Asylbewerberheim in Dresden seine Türen, wenn auch nur kurz. Von 12 bis 17 Uhr – statt, wie vorher geplant, nur bis 16 Uhr – können Interessierte die Räumlichkeiten in der Tharandter Straße 8 besichtigen. Ab Montag könnten dort die ersten Flüchtlinge einziehen. Damit die neuen Bewohner bestmöglich integriert werden, hatte das Netzwerk „Willkommen in Löbtau“ am Mittwochabend zur Diskussion in die Hoffnungskirche geladen. Kurz vor Beginn um 19 Uhr füllte sich das Gotteshaus restlos, einige interessierte Bürger mussten sogar stehen. Die Veranstalter sprechen von rund 350 Besuchern. Das Publikum war bunt gemischt – wie auch die Podiumsgäste. Auf der Bühne nahmen Sozialbürgermeister Martin Seidel (parteilos), Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD), Superintendent Christian Behr, Sozialbetreuerin Ingrid Blankenburg und Flüchtling Kassem Taheer Saleh Platz. Nach einer kurzen Einführungsrunde wurden Fragen notiert, thematisch an Pinnwänden sortiert und beantwortet. An Salehs Schicksal hatten die Bürger besonders großes Interesse.

Mehr Informationen gewünscht

Der 21-Jährige ist vor zwölf Jahren mit seinen Eltern und drei kleineren Geschwistern aus dem Irak geflohen, lebte in einer Zentralunterkunft in der sächsischen Stadt Plauen. 2013 kam er schließlich nach Dresden, studiert an der Technischen Universität (TU) Bauingenieurwesen. Wie er den Alltag im Heim empfunden habe, wollten die Bürger am Mittwochabend wissen. „Für mich als Kind war es nicht schlimm“, so Saleh. „Aber meine Eltern fanden die Zeit depressiv und reden nicht gerne darüber.“ Besonders die Langeweile und die Verständigungsprobleme seien belastend gewesen. Wie er sich momentan fühle, gerade angesichts der montäglichen Demos, war eine weitere Frage aus dem Publikum. „Seitdem fühle ich mich hier sehr unwohl“, so der Wahl-Dresdner. „Ich hatte mich auf die schöne Stadt und Kultur gefreut, jetzt denke ich immer öfter ans Wegziehen.“ Während Saleh für seine Aussagen viel Applaus erntete, wurde Seidel kritisiert. Zu wenig Informationen würde die Stadt herausgeben. Wie sollen Bürger informiert werden, die an diesem Abend nicht anwesend waren? „Es kann nur informiert werden, wenn es auch Informationen gibt“, konterte der Sozialbürgermeister. „Auch wir bekommen teilweise erst einen Tag vorher Bescheid, welche Asylbewerber wann zu uns kommen.“ Einladungen zu Informationsveranstaltungen nehme er gerne an. „Doch diese zu organisieren, ist Aufgabe der Bürger, nicht der Politik.“ Superintendent Behr und die meisten Besucher sahen das scheinbar anders. „Auch Sie können auf Bürger und Kirche zugehen, Herr Seidel“, sagte Behr und bekam Applaus.

Dennoch war die Diskussion sachlich, rechtsextreme Parolen oder ausländerfeindliche Bemerkungen waren keine zu hören. Ganz im Gegenteil sorgten sich die Bürger diesmal nicht um die eigene Sicherheit, sondern um die der zukünftigen Bewohner. Das lobte René Kolodziej, Leiter des Polizeireviers Dresden-West, der ebenfalls im Publikum saß. „Wir haben seit den Montagsdemos aber keine Häufung an rassistischen Übergriffen festgestellt. Andersherum gibt es aber auch nicht mehr Straftaten von Ausländern um Asylbewerberheime herum.“ Für die Sicherheit in der Tharandter Straße sorgt ein Wachschutz, mehr Informationen gebe es hierzu beim heutigen Tag der offenen Tür.

Gegen 21.30 Uhr musste die Diskussion langsam beendet werden. Und das, obwohl die Pinnwände immer noch von Fragen übersät waren. Diese sollen aber in den kommenden Tagen auf der Informationsplattform der Stadt und der Internetseite der Initiative „Willkommen in Löbtau“ beantwortet werden. Das Schlusswort hatte am Mittwochabend Saleh. Was er sich wünsche, wollte das Publikum wissen. „Eine andere Asylpolitik in Sachsen und Deutschland“, sagt der Student. „Wenn Ministerpräsident Tillich meint, der Islam gehöre nicht zu Sachsen, fühle ich mich hier nicht willkommen.“

www.willkommen-in-löbtau.de

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