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Löbtauer wollen Freiluftkino an der Kesselsdorfer

Für die Gestaltung der Magistrale habe die Anwohner Ideen gesammelt. Aus den Vorschlägen ist ein Leitfaden entstanden.

© Jörn Haufe

Von Lars Kühl

Felix Liebig sammelt alles. Ein Messi ist er aber trotzdem nicht, schon eher ein Visionär. Zumindest was die „Kellei“ betrifft – so nennen die Löbtauer ihre Kesselsdorfer Straße, die wichtige Verbindung von der Tharandter Straße hoch nach Gorbitz. Ein Kuschelkabinett, eine Fotokiste und ein Freilichtkino liegen bei dem 34-Jährigen auf dem Tisch. Eingezeichnet in den Faltplan „Meine Straße“, der ab sofort im Stadtviertel ausliegt.

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Immer wieder gibt es Pläne, die Magistrale zumindest im unteren Teil im Bereich der geplanten Zentralhaltestelle als verkehrsfreien Boulevard zu gestalten. Vielen Anwohnern reicht das nicht. Deren Ideen für die Zukunft der „Kellei“ sind es, die Liebig, der sich selbst Kultur-Ingenieur nennt, im Frühjahr gesammelt hat. Angeregt von fast 60 Löbtauern, die er als Passanten befragte, auf sogenannten Erlebnisspaziergängen kennenlernte oder die ihre Vorschläge im Kino in der Fabrik einbrachten.

Denn dem „urbanen Rückgrat von Löbtau“, wie Liebig die Kesselsdorfer Straße bezeichnet, „fehlen kulturelle Schwerpunkte, wie zum Beispiel ein Kino, Cafés oder Bistros, kleine Geschäfte und variierende Freizeitangebote.“ Früher, so erzählten es alteingesessene Senioren, war die Kesselsdorfer Straße eine lebendige Trasse mit zahlreichen Einkehrmöglichkeiten und kleinen Läden. Das fehlt den meisten Befragten heute völlig.

Im Moment würden eher Firmen-Ketten und Gewöhnliches dominieren, wie die x-te Bäckerfiliale oder Supermärkte. Dafür hapert es an Bäumen, Bänken und barrierefreien Kreuzungen. So wirklich gern aufhalten wollen sich viele Löbtauer nicht an der Kesselsdorfer. „Die meisten sind nur auf der Durchreise, und das ist eigentlich schade. Dabei können wir auf der Straße ganz viel machen, damit sie lebendiger und spannender wird.“

Kostenloser Eisstand gefordert

Im vergangenen halben Jahr hat Architekt Liebig die entstandenen Ideen zusammen mit der Raumentwicklerin Stefanie Fuhrmann für das Projekt „Meine Straße“ geordnet und in einem Flyer grafisch dargestellt. Aufgeklappt ist die „Kellei“ vom Dreikaiserhof an der Tharandter Straße bis zum Kaufland am Straßenbahnhof Naußlitz zu sehen. Eingezeichnet sind viele der eingegangenen Ideen, von der Kinderspielhalle bis zum Kaffeehaus, einem Music-Turm, Kunst- und Yoga-Wiesen und sogar besagtem Freilichtkino. Gewünscht sind auch Sport- und Freizeitangebote entlang des Straßenzuges, wie etwa Tischtennisplatten oder Bolzplätze. Und natürlich viele Bäume. Dass dabei einige Vorschläge wie ein kostenloser Eisstand, ein Origami-Vogel-Garten oder eine Strandbar etwas abgefahren sind, stört Liebig nicht. „Es geht darum, inhaltliche Impulse zu liefern.“

Denkbar sind neben dauerhaften Einrichtungen wie Cafés und dergleichen vor allem auch temporäre Aktionen an der Straße oder auf den angrenzenden Grünflächen wie Open-Air-Konzerte und Kunstprojekte. „Möglich ist fast alles, ob es dann jemand macht, ist eine andere Frage.“

Damit einiges auch wirklich umgesetzt wird, haben Liebig und Fuhrmann neben vielen zusammengetragenen Ideen, die sie „kreative Inseln“ nennen, auch praktische Tipps in die Broschüre reingeschrieben: Wie wird ein Nutzungsvertrag mit der Stadt oder einem Privateigentümer geschlossen? Wie lang sind die Antragsfristen? Was wird an Unterlagen benötigt? „Eben, auf was man alles achten muss“, sagt Liebig. „Wir wollen zeigen, wie einfach es sein kann.“

Das fertige Faltheft sei ein Wegweiser und liegt jetzt in einer Auflage von 2 500 Stück vor – im Ortsamt, in den Bankfilialen und Läden. Liebig und Fuhrmann konnten sich dabei auf die Zusammenarbeit mit dem Rathaus stützen. Das Kulturamt hat das Projekt mit 2 500 Euro unterstützt und das Stadtplanungsamt die Flyerkosten von 500 Euro bezahlt.

urbano.wordpress.com