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Großenhain

Löscheinsätze im Akkord

Elfmal brennt es innerhalb von zwei Tagen. Zwei Einsätze im Altkreis Riesa sind besonders heikel. Die Kripo ermittelt.

Die Bilanz des Brandes auf einem Getreidefeld in Pochra bei Canitz: zwei Verletzte und einige beschädigte Gärten. Es war der größte Einsatz seit Jahren für die Kameraden der Riesaer Feuerwehr, die von umliegenden Feuerwehren unterstützt wurde.
Die Bilanz des Brandes auf einem Getreidefeld in Pochra bei Canitz: zwei Verletzte und einige beschädigte Gärten. Es war der größte Einsatz seit Jahren für die Kameraden der Riesaer Feuerwehr, die von umliegenden Feuerwehren unterstützt wurde. © privat

Landkreis. Kreisbrandmeister Ingo Nestler kann es nicht fassen. Was der erfahrene Feuerwehrmann bereits am Tag zuvor registriert hat, wird am Mittwochnachmittag zur Gewissheit. 

Zur besten Feierabendzeit, pünktlich gegen 16 Uhr lodern an drei verschiedenen Stellen im Altkreis Riesa-Großenhain die Flammen: Während offenbar in Colmnitz Strohballen in Brand geraten sind, schlagen die Flammen im Lampertswaldaer Ortsteil Schönborn aus einem Feldrand. Um eine Ausbreitung des Feuers zu verhindern und zügig löschen zu können, musst vorübergehend die Eisenbahnstrecke Richtung Ortrand gesperrt werden. Und damit längst nicht genug. 

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170 Feuerwehrleute waren in Canitz im Einsatz. Hinzu kamen noch Polizei und Rettungsdienst.
170 Feuerwehrleute waren in Canitz im Einsatz. Hinzu kamen noch Polizei und Rettungsdienst. © Freiwillige Feuerwehr Zeithain

Nur wenige Minuten später geht bereits die nächste Alarmierung ein – ein sich schnell ausdehnender Feldbrand im Ebersbacher Ortsteil Rödern. Wehren aus Ebersbach, Moritzburg, Radeburg, Niederau und Weinböhla, so Ingo Nestler, seien unter anderem mit Tanklöschfahrzeugen angerückt.

Ungünstig wirke sich – wie bereits am Dienstagnachmittag im Falle eines großen Feldbrandes in Priestewitz – der starke Wind aus. Er entfache das Feuer neu und treibe es voran. „Es ist eine absolute Katastrophe und nicht zu fassen! Das kann nicht mit rechten Dingen zugehen. Es ist wieder Nachmittag und auffälligerweise wieder nur der nördliche Teil des Kreises betroffen“, gibt Ingo Nestler zu bedenken.

Dass sich der oberste Chef der Feuerwehren im Landkreis seine Gedanken macht, ist nach den letzten Tagen mehr als verständlich. Immerhin: Seit Sonntagnachmittag geht es Schlag auf Schlag. Nach dem verheerenden Brand in der Agrargenossenschaft Skäßchen, folgten Einsätze in Coswig, Priestewitz, Lampertswalde, Lorenzkirch, Strehla und Riesa Canitz.

Als dort alles geschafft ist, findet Ingo Nestler deutliche Worte. „Wir sind einer Katastrophe gerade so entgangen!“ Man habe die Feuerwalze, die am Dienstagabend von einem Weizenfeld aus nördlicher Richtung auf Pochra zugerollt kam, im wahrsten Sinne des Wortes „genau am Gartenzaun“ gestoppt.

Ab 18.30 Uhr waren Feuerwehrleute aus dem gesamten Umland mehr als zwei Stunden lang im Einsatz gewesen, um ein Übergreifen des Feuers vom Feld auf die Häuser zu verhindern. Vor allem der Wind und die große Trockenheit hatten den Rettungskräften – allein 170 Feuerwehrleute waren vor Ort – die Arbeit schwer gemacht. Sicherheitshalber waren schon die vom Feuer bedrohten Gebäude geräumt worden.

Gemessen daran fällt die Bilanz am Ende des Abends glimpflich aus. Zwei Personen müssen ins Krankenhaus. Eine Frau hatte Kreislaufprobleme bekommen. Außerdem war ein Feuerwehrmann wegen Erschöpfung an den Rettungsdienst übergeben, am gleichen Abend aber wieder entlassen worden. Zwei Gartengrundstücke wurden vom Feuer in Mitleidenschaft gezogen. Gegen 21 Uhr konnten die Anwohner wieder in ihre Häuser.

Als wäre ein Tag mit mehreren Einsätzen nicht genug, heulten bereits am Mittwochvormittag erneut die Sirenen. Diesmal wurden Fahrzeuge und Feuerwehrleute aus Zeithain, Großenhain, Nünchritz und Riesa an den Rand der Gohrischheide beordert. Dort brannten bis zum späten Nachmittag etwa 25 Hektar Heide ab.

Die Kameraden kämpften stundenlang, um ein Übergreifen der Flammen auf das munitionsverseuchte Sperrgebiet zu verhindern. Polizisten sperrten das Gelände weiträumig ab, auch der Zugverkehr über Jacobsthal wurde eingestellt. Die Feuerwehr plant, eine Brandwache einzurichten, um eventuelle Glutnester zu löschen.

Die Brände auf den Feldern bei Priestewitz, Lampertswalde, Zeithain und Nünchritz und vor allem auch nahe der Wohnsiedlung Riesa-Canitz beschäftigen indes auch die Experten der Kriminalpolizei. Wie Jürgen Leistner, Leiter der Meißner Kriminalaußenstelle der Polizeidirektion Dresden sagt, gibt es derzeit einen regen Informationsaustausch mit den Feuerwehrleuten.

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So habe es bei den großen Feldbränden teils mehrere Brandausbruchstellen gegeben. Dies könne auf Brandstiftung hindeuten, aber auch Funkenflug von einem Fahrzeug gewesen sein. Wie Leistner sagt, seien Bodenproben genommen worden, um möglicherweise Reste von Brandbeschleunigern zu finden. Brandursachenermittler würden diese zeitnah untersuchen.