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Die Lößnitzgrundbahn dampft wieder

Am Kindertag nutzen viele das schöne Wetter und genießen die Natur zwischen Radebeul und Radeburg. Ein Report von unterwegs.

Die Lößnitzgrundbahn schnauft wieder gemächlich zwischen Radebeul und Radeburg. Hier ist sie bei Berbisdorf.
Die Lößnitzgrundbahn schnauft wieder gemächlich zwischen Radebeul und Radeburg. Hier ist sie bei Berbisdorf. © Norbert Millauer

Moritzburg/Radeburg. Noch ist am Bahnhof Moritzburg wenig los. Es ist kurz nach 10 Uhr am Pfingstmontag. Nur vereinzelt laufen Familien umher. Zwei Kutscher parken ihre Pferde am Bahnhof. Sie schwatzen kurz und freuen sich über das schöne „Heuwetter“.

Doch die Stille ist trügerisch. Von Weitem hört man die Dampfpfeife der Lößnitzgrundbahn. Dann klingeln die Schranken auf der Schlossallee in Moritzburg und schließen sich. Die Lößnitzgrundbahn fährt vor, eingehüllt von dunkelgrauem Rauch. Mit lauten Schnaufgeräuschen bleibt sie stehen. Auf einmal ist der Moritzburger Bahnhof überfüllt. Überall Kinder, die Hand in Hand mit ihren Eltern laufen, aber auch ältere und jüngere Paare ohne Kinder oder Gäste, die allein fahren.

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Die Bahn setzt sich wieder in Bewegung. Es ruckelt kurz heftig, dann holpert die Dampflok los – so, als würde man über Kopfsteinpflaster mit dem Auto fahren. Die Waggons wackeln. Nicht jeder ist voll besetzt. Die meisten Passagiere aus Radebeul sind in Moritzburg ausgestiegen. Eine Familie mit drei Kindern fährt weiter in Richtung Radeburg. Die Eltern wollen anonym bleiben und erzählen, dass sie zwei- bis dreimal im Jahr mit der Lößnitzgrundbahn fahren. Sie haben Fahrräder mitgebracht. „Das ist unsere erste Fahrt in diesem Jahr. Wir sind froh, dass wir jetzt endlich wieder mitfahren dürfen“, erklärt die Mutter. Sie steigen in Berbisdorf aus.

Schaulustige versammeln sich derweil auf der gesamten Strecke zwischen Moritzburg und Radeburg. Im Wald am Großteich, bei den Feldern zwischen Cunnertswalde und Bärnsdorf oder in privaten Gärten in Berbisdorf. Alle halten kurz inne, um die Dampflok zu bewundern.

„Wir hoffen auf einen Trend zum Sommerurlaub in Deutschland“

Die Lößnitzgrundbahn hatte im vergangenen Jahr circa 275.000 Gäste, das waren etwa 42.000 mehr als im Vorjahr. In den Monaten April bis Oktober seien am meisten Gäste mitgefahren. Laut Christian Schlemper, Pressesprecher des Verkehrsverbunds Oberelbe, etwa 40.000 pro Monat. „Das werden wir dieses Jahr aufgrund von Corona wohl nicht schaffen“, so Christian Schlemper. „Wir hoffen trotzdem, dass es dieses Jahr einen Trend zum Sommerurlaub in Deutschland gibt. Dann kommen vielleicht mehr zu uns und fahren mit der Lößnitzgrundbahn.“

Kati Schmidt, Mitarbeiterin aus dem Marketing der Sächsischen Dampfeisenbahngesellschaft mbH (SDG), ist froh, dass die Lößnitzgrundbahn wieder fährt. Doch es fehlen noch immer die Reisegruppen. „Die Situation ist nicht vergleichbar zu sonst, auch wenn langsam wieder mehr mitfahren.“ Die SDG musste in den vergangenen Wochen viele Themenfahrten von externen Partnern absagen. „Unsere eigene Fahrt zum Muttertag war ebenso betroffen.“

Dafür hätte es schon viele Buchungen gegeben. „Die meisten Gäste haben zum Glück Verständnis und wollen nicht sofort ihr Geld zurück.“ Ungewiss sei auch, ob das Schmalspurbahnfest im September stattfindet. Zwar sind alle Großveranstaltungen dann wieder erlaubt, trotzdem wünscht sich Kati Schmidt Klarheit vonseiten der Politik, ob dies so bleibt.

„Heute sind schon mehr mitgefahren als gestern“

Zwischen den Waggons der Lößnitzgrundbahn genießen die Gäste die vorbeiziehende Landschaft auf den sogenannten Bühnen. Die Landschaft wird immer wieder unterbrochen von den Rauchschwaden der Dampflok. Die sind so dicht, dass sie sichtbaren Schatten auf den Feldern werfen. Manchmal wirken sie wie aufgewirbelter Sand. So stellt man sich Eisenbahnfahrten im damaligen Wilden Westen vor.

Anfang März ritten noch Winnetou und Old Shatterhand im Lößnitzgrund. Die Landesbühnen-Schauspieler probten für eine Theater-Vorstellung, die nun laut Veranstalter ins nächste Jahr verschoben wird. Eigentlich sollten dann Extra-Züge der SDG fahren, so Kathi Schmidt. Stattfinden soll voraussichtlich die Karl-May-Fahrt des Traditionsbahn-Vereins Radebeul.

Pfingsten war bislang aber ein Erfolg für die SDG, meint Zugleiter Peter Holzapfel. Ohne ihn darf kein Zug in Moritzburg abfahren. „Noch sind die Gäste verhalten und die Waggons nicht so voll. Trotzdem beobachte ich, dass heute schon mehr Leute mit der Bahn gefahren sind als gestern.“ Am Kindertag sind vor allem Familien in den Waggons. Von staunenden Augen über unruhiges Hin- und Herlaufen bis zum Ohrenzuhalten – alle Kinder reagieren unterschiedlich auf den ungewöhnlichen Zug.

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