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Lösung für Toiletten-Notstand am Zwinger

Ab Montag wird ein moderner Pavillon an der Ostra-Allee errichtet. Der Großinvestor Saal sucht jetzt einen Betreiber.

Von Peter Hilbert

Busse rollen an, verzweifelt suchen Touristen ein stilles Örtchen, um ihre Notdurft zu verrichten. Doch das ist weit und breit nicht in Sicht. Tagtäglich bietet sich dieses Bild auf der Straße am Zwingerteich. Das kennt Gästeführer Wolfgang Kuntzsch nur zu gut, wenn er seine Reisegruppen empfängt. Seit über 20 Jahren gibt es das Problem, weiß der Vizechef des Berufsverbandes Dresdner Gästeführer. Dieser hatte sich immer wieder im Rathaus beschwert. „Doch dort wurde behauptet, es gebe genügend Toiletten“, sagt Kuntzsch verärgert. „Deshalb haben sich unsere Gäste oft gegenüber am Herzogin Garten in die Büsche geschlagen“, nennt er die Notlösung.

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Doch die soll bald nicht mehr nötig sein. Der Siegener Investor Reinhard Saal will hier den Welcome-Point am Zwinger errichten, in dem es auch genügend Toiletten geben wird. „Das wäre ein Segen für den Tourismus in Dresden“, zeigt sich Gästeführer Kuntzsch begeistert. Der 62-jährige Investor, der auch die Laubegaster Werft wiederbeleben und die Fläche Herzogin Garten an der Ostra-Allee bebauen will, hat das 1 400 Quadratmeter große Grundstück im Mai dieses Jahres von einem Hamburger Privatmann gekauft. „Ich habe hier gestanden und war vom Blick zum Kronentor begeistert“, nennt Saal den Ausgangspunkt. Deshalb entschloss er sich zum Kauf der Fläche, um sie zu bebauen. Sein Projektentwickler Gottfried Schaaf, der Dresden genau kennt, habe ihn auf die Idee gebracht, die dringend nötige Anlaufstelle für Touristen mit Toiletten zu schaffen.

Die Baugenehmigung ist jetzt erteilt. „Ab Montag steht der Bagger hier“, sagt Saal. Beauftragt hat er eine Baufirma aus Reichstädt bei Dippoldiswalde. Errichtet werden soll ein Flachbau als hochwertige Konstruktion aus Stahl, Holz und Glas. Im 400 Quadratmeter großen Pavillon sind ein Café, zehn Damen- und fünf Herren-WCs sowie fünf Urinale geplant. Außerdem soll es einen Informationsstand für Touristen und Beratungsräume für Wohnungskäufer von Saals gegenüberliegendem Großprojekt Herzogin Garten geben.

Ende März nächsten Jahres soll der Welcome-Point eröffnet werden. Samt Grundstückskauf will Saal 1,4 Millionen Euro darin investieren. Für den Pavillon gibt es eine Genehmigung für fünf Jahre mit einer Verlängerungsoption von weiteren zwei Jahren. „Dann wollen wir ihn durch einen massiven, mehrgeschossigen Bau erweitern“, so Saal. Das Café soll verpachtet werden. Dafür gebe es schon drei Bewerber. Der Betreiber hat dann auch die Toiletten zu bewirtschaften. „Sie sollen piekfein gepflegt werden“, betont der Investor. Immerhin kommen in Spitzenzeiten bis zu 50 Busse mit jeweils 50 Touristen an, die hier den ersten Anlaufpunkt finden sollen.

„Das ist hervorragend“, sagt Gästeführer Michael Böttger. Der Chef von Igeltour Dresden kennt den Toiletten-Notstand am Zwinger ebenso aus dem täglichen Erleben. Seinen Gästen rät er deshalb seit Jahren, schon vor der Ankunft an der Raststätte Dresdner Tor noch einmal die Toiletten zu nutzen, weil es damit im Dresdner Zentrum schlecht aussieht. „Wenn jetzt hier eine Möglichkeit geschaffen wird, ist das eine entscheidende Verbesserung für die touristische Qualität.“ Böttgers Gästeführerkollege Kuntzsch verweist zudem noch darauf, dass die Toilettennot auch an anderen Stationen der Touristenbusse noch immer groß ist. Als Beispiel führt er den Parkplatz an der Carolabrücke an. Dort gibt es nur ein WC. „Wenn dann 30 Touristen ankommen, stehen die mindestens eine halbe Stunde“, weiß er aus Erfahrung. Die Stadt hatte einen Betreiber für eine Servicezone mit Imbiss und Toiletten gesucht. Der sollte aber auch die Baukosten von 350 000 Euro tragen. Doch es fand sich niemand. Die Stadt beabsichtigt, jetzt selbst eine Toilettenanlage zu errichten, teilt Rathaussprecher Kai Schulz mit. Die Baukosten sind bereits im Haushalt 2013/14 eingeplant. Derzeit werden Details abgestimmt.