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Lohmen gräbt Kröten das Wasser ab

Am Försterteich sollten Hochwasserschäden behoben werden. Der Baubeginn fiel genau in die Laichzeit von Erdkröte und Grasfrosch.

Von Heike Wendt

Das Waldstück zwischen Neuer Hohburkersdorfer Straße und Basteistraße in Oberlohmen ist sehr beliebt. Nicht nur bei Pilzsammlern, Reitern, Wanderern und Radfahrern. Noch viel mehr bei Erdkröten und Grasfröschen. In dem kühlen Mischwald fühlen sich die Froschlurche äußerst wohl.

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Einmal im Jahr starten sie zum großen Wandertag. Zu dem faszinierenden Naturschauspiel zieht es immer wieder viele Naturliebhaber. Bei geeignetem Wetter wimmelt es nur so von den hüpfenden Kröten. Ziel ist der naheliegende Försterteich. Zum Ablaichen zieht es die Tiere immer in das Gewässer, aus dem sie selbst stammen.

Um sicher die Straße queren zu können, die Zufahrt für eine Kleingartensiedlung ist, stellen Naturfreunde seit Jahren im Frühjahr einen Krötenzaun auf. Der schützt sie vor dem Tod durch Überfahren. Zwei Durchlässe ermöglichen den Amphibien, ohne Risiko ins Laichgewässer zu gelangen. Doch dort lauerte in diesem Frühjahr eine andere Gefahr für sie.

Die Gemeinde Lohmen hatte begonnen, den Försterteich zu sanieren. Der konnte die Wassermassen beim Starkregen im vorigen Jahr nicht fassen und lief über. Zum Nachteil der Anwohner. Deren Grundstücke waren Opfer der Flut geworden. Künftig soll das verhindert werden, die Gemeinde plant Veränderungen am Teich. Für die Bauarbeiten sollte mit der Absenkung des Wasserspiegels um einen halben Meter begonnen werden. In dem flachen Teich hätte das den sicheren Verlust des Nachwuchses der Amphibien bedeutet. „Wir wollten im oberen Bereich Steine austauschen und diese zum Teil etwas höher setzen“, erklärt Bürgermeister Jörg Mildner (C DU) zu dem Bauvorhaben.

Naturschützer haben das Bauvorhaben vorerst gestoppt. Sie hatten sich an die Behörde gewandt, um das Ablaichen der Kröten nicht zu gefährden. Die untere Naturschutzbehörde des Landkreises bestätigt, dass jetzt nicht gebaut werden darf. „Der Baustopp wurde aus Gründen des Artenschutzes verhängt, da zurzeit die Amphibienwanderung im vollen Gange ist“, informiert Birgit Hertzog, Abteilungsleiterin Umwelt im Landratsamt, auf SZ-Nachfrage. Sie verweist auf den Paragrafen 44 des Bundesnaturschutzgesetzes, in dem der besondere Schutz für bestimmte Tier- und Pflanzenarten festgeschrieben ist.

Der Försterteich zählt nach Einschätzung der Naturschutzbehörde zu den bedeutenden und wertvollen Laichgewässern im stark geprägten Agrarraum von Lohmen. Seit vielen Jahren wird die Amphibienschutzanlage von freiwilligen Helfern in Abstimmung mit der unteren Naturschutzbehörde betreut, je nach Wetterlage im Zeitraum von Mitte März bis Mai eines jeden Jahres.

Der Schutz der Amphibien ist nicht nur während der eigentlichen Wanderzeit notwendig, sondern noch darüber hinaus. „Die Gesamtentwicklung“, erklärt Birgit Hertzog, „dauert zwei bis vier Monate.“ Kurze Zeit nach dem Ablaichen ziehen die Kröten wieder an Land. Diese Phase wird auch als Krötenregen bezeichnet, der zwischen Anfang Juni und Mitte Juli stattfindet. Welche Arten genau im Försterteich anzutreffen sind, ist in der Naturschutzbehörde erfasst. Von den etwa 500 Tieren sind hauptsächlich Erdkröte, Grasfrosch, aber auch Springfrosch sowie Teichmolch beobachtet worden.

Der Teich dient gleichzeitig als Angelgewässer. Dass der Krötennachwuchs von den eingesetzten Fischen aufgefressen wird, ist nicht zu befürchten. Wegen der Ungenießbarkeit der Larven laicht die Erdkröte im Gegensatz zu anderen Amphibien auch erfolgreich in Fischteichen.

„Die Bauarbeiten sind jetzt auf August verschoben“, sagt der Bürgermeister. Dann sei keine Beeinträchtigung der Kröten mehr zu befürchten. Gebaut werden soll an Überlauf und Mauerkrone. Eine Überflutung bewohnter Grundstücke wie im vorigen Sommer soll es am Försterteich künftig nicht mehr geben. Prasseln noch einmal Regenmassen schneller herab, als sie ablaufen können, wird ein Notüberlauf dafür sorgen, dass der Teich nicht mehr überschwappt und benachbarte Grundstücke flutet. Stattdessen fließt das Wasser in Richtung Forellenflüsschen, unweit des Försterteiches. Außerdem soll die Mauerkrone erhöht werden. Rund 10 000 Euro sind für die Bauarbeiten veranschlagt.