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Lommatzscher Schaubergkeller gibt es bald in 3D

Eine Spezialfirma aus Leipzig hat jetzt damit begonnen, das einzigartige Denkmal fotografisch zu dokumentieren.

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Von Peter Kirsten

Anfang dieses Jahres entstand im Handels- und Gewerbeverein Lommatzsch die Idee, den Schaubergkeller der Stadt mithilfe einer virtuellen 360-Grad-Tour der Nachwelt zu erhalten. Auslöser waren Pläne der Stadt, die Anlage zu verfüllen. Zwischenzeitlich sah es zwar so aus, als ob es doch noch eine Möglichkeit des realen Fortbestandes der Kelleranlage geben könnte. Allerdings sind sowohl die rechtlichen als auch praktischen Voraussetzungen noch nicht vollständig geklärt. Daher hat sich der Verein entschieden, das Projekt nun in die Tat umzusetzen, denn keiner weiß, wie die Zukunft dieser historischen und touristischen Sehenswürdigkeit aussehen wird.

Der virtuelle Rundgang besteht aus sechs Einzelpanoramen, in denen der Betrachter frei in alle Richtungen schwenken und zoomen kann. Über Pfeilschaltflächen sind die Panoramen miteinander verbunden, sodass sich der Betrachter virtuell durch den Schaubergkeller bewegen kann.

Technisch realisiert wird die virtuelle 3D-Kellertour durch die Leipziger Firma werk360. Diese setzte bereits das Gondwanaland vom Zoo Leipzig eindrucksvoll in Szene. Vor einigen Tagen wurden die Aufnahmen im Keller gemacht.

Wer da an automatisierte Hochtechnologie denkt, liegt falsch. Zwar werden hochwertige, spezielle Linsentechniken und besondere Stative eingesetzt. Aber entscheidend ist, dass der Fotograf sein Handwerk versteht. Es kommt auf ein gutes Gespür für den perfekten Standort und die exakte handwerkliche Arbeit an, damit eine solide Grundlage für die spätere Montage der Kugelpanoramen gelegt ist.

Da im Keller schlechte Lichtverhältnisse bestehen, aber für eine realistische Wiedergabe nicht mit Blitz gearbeitet wird, werden von jedem Motiv mehrere Aufnahmen mit verschiedenen Belichtungsstufen aufgenommen. Diese werden dann zu einem hochaufgelösten Bild mit hohem Dynamikumfang verrechnet, um auch jedes Detail im dunklem Keller sichtbar zu machen. Anschließend ist nochmals erhebliche Handarbeit notwendig, müssen doch Schattenwürfe, die Fotograf und Technik durch die im Keller vorhandenen Scheinwerfer abgeben, aus den Bildern herausretuschiert werden.

Der digitale Rundgang wird in Kürze auf der Webseite des HGV abzulaufen sein. Auch ist geplant, im Stadtmuseum Lommatzsch den Zugang zu der virtuellen Tour zu ermöglichen. Dadurch können die Besucher und Einwohner der Stadt schon von der Ferne den Keller besuchen.

Der Schaubergkeller hat eine Länge von 122,5 Metern und befindet sich in der Nähe des Marktplatzes. Die Sohlentiefe liegt zwischen vier und sieben Metern, bei einer Ganghöhe von etwa 1,75 Metern. Der Keller ist seit rund zwölf Jahren öffentlich zugängig.

www.hgv-lommatzsch.de