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Luchs gesichtet: Jäger schlagen Alarm

Zwischen Bautzen und Niesky ist ein Exemplar in Fotofallen getappt. Kommt nach dem Wolf nun ein zweites Großraubtier in die Region?

Erwischt! Ein Luchs spaziert bei einer von Jägern aufgestellten Wildkamera durchs Bild. Aufgenommen sein soll das Foto in einem Revier zwischen Bautzen und Niesky. Bei genauem Hinsehen ist am Hals des Tieres ein Senderhalsband zu erkennen.
Erwischt! Ein Luchs spaziert bei einer von Jägern aufgestellten Wildkamera durchs Bild. Aufgenommen sein soll das Foto in einem Revier zwischen Bautzen und Niesky. Bei genauem Hinsehen ist am Hals des Tieres ein Senderhalsband zu erkennen. © privat

Die Aufregung unter den Jägern ist groß, die Bilder der beiden Wildtierkameras wurden schnell von Handy zu Handy weitergeschickt. Zweifelsfrei ist darauf ein Luchs zu erkennen. Wo er genau langspaziert, bleibt ein Geheimnis. Doch die Befürchtung wächst: Siedelt sich zwischen Spree und Neiße der nächste tierische Räuber an? Oder soll er das gar? Denn am Hals des Luchses ist ein Halsband zu erkennen - mit einem Sender, der womöglich Daten des Ausbreitungsgeschehens liefert?

Die Stimme klingt sehr erregt am Telefon. Gleich zweimal sei der Luchs in verschiedene Fotofallen getappt. Die Standorte lägen nur wenige Kilometer auseinander. Wo genau das ist, möchte der Jäger allerdings nicht sagen. "Sonst haben wir gleich die Naturschützer hier. Die bringen Unruhe in den Wald. Und das ist schlecht fürs Jagen." Nur soviel steht fest: Der "Senderluchs", wie ihn der Jäger nennt, treibt sich in den Wäldern zwischen Niesky und Bautzen herum.

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Gerüchte über die Herkunft des Luchses

Über die Herkunft der Raubkatze kursieren die wildesten Gerüchte. Eins besagt, dass das Tier aus einem polnischen Auswilderungsprojekt stammt und über die Neiße nach Deutschland eingewandert sein soll. Ein anderes macht sogar die gezielte Ansiedlung für das Erscheinen des Tieres verantwortlich. Angeblich seien mehrere Luchse aus Polen übernommen und in der Oberlausitz ausgesetzt worden. Erst kurz davor hätten sie hier Halsbänder angelegt bekommen.

Hans-Dietmar Dohrmann ist beunruhigt über die neue Situation. "Wir Jäger würden gern wissen, was hier im Gange ist", sagt der Vorsitzende des Jagdverbandes Niederschlesische Oberlausitz. Seine Meinung drückt er sehr deutlich aus: "Wenn Luchse tatsächlich hier angesiedelt werden sollen, dann würde der Druck auf das Wild noch größer werden." Er als Jäger und die meisten seiner Kollegen hielten nichts von einem derartigen Programm. "Wir leben hier in einem sehr dicht besiedelten Gebiet. Kommen jetzt noch neue Bewohner in den Wäldern dazu - das ist für keine Seite gut." Nicht nur, dass damit die Zahl des jagdbaren Wildes sinke und es insgesamt immer unruhiger werde. "Auch Luchse leiden ganz gewiss unter Stress." Ganz zu schweigen von der Gefahr, die sich möglicherweise für Wanderer ergebe.

Sender lässt Weg in die Oberlausitz nachvollziehen

Etwas zur Aufklärung trägt Jana Zschille mit ihrer Webseite "Luchse in Sachsen" bei. Im Juni berichtet die Expertin vom Institut für Forstbotanik und Forstzoologie der TU Dresden dort über Pako aus einem Wiederansiedlungsprojekt in Stettin (Szczecin), etwa 400 Kilometer von der Oberlausitz entfernt. Dieser habe den Weg nach Sachsen gefunden und sei mithilfe seines Senders von den polnischen Experten zwischen dem 19. April bis 14. Mai hier nachgewiesen worden. Zuletzt deutete vieles auf ihn im Raum Königswartha hin.

Burkhard Beyer, Referent im sächsischen Umweltministerium, bestätigt das. "Wir wurden Mitte April darüber informiert, dass ein Luchs, der ein Jahr zuvor freigelassen wurde, sich aktuell im Bereich des Biosphärenreservates Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft aufhält." Sein Wanderweg könne lückenlos verfolgt werden. Somit sei sicher, dass der jetzt von den Jägern festgestellte Luchs aus dem polnischen Projekt stamme. Beyer räumt gleichzeitig mit Mutmaßungen auf: Ein Projekt zur Auswilderung polnischer Luchse in Sachsen gebe es nicht.

Luchse fühlen sich am wohlsten in großen, zusammenhängenden Waldgebieten. In Ostsachsen käme laut Experten das Gebiet an der polnischen Grenze als Lebensraum infrage. Dieses Foto stammt aus einem naturnahen Gehege im schweizerischen Zoo Servion.
Luchse fühlen sich am wohlsten in großen, zusammenhängenden Waldgebieten. In Ostsachsen käme laut Experten das Gebiet an der polnischen Grenze als Lebensraum infrage. Dieses Foto stammt aus einem naturnahen Gehege im schweizerischen Zoo Servion. © keystone

Doch wenn nicht vom Menschen gefördert - könnte die Oberlausitz Luchsen auf der Suche nach neuem Lebensraum überhaupt eine dauerhafte Heimat sein? Der Experte aus dem Umweltministerium stellt Geschichte und Zukunft dieser Tierart für das Gebiet zwischen Spree und Neiße dar, in der die Raubkatze früher durchaus heimisch war: "Im Zuge der Waldrodungen verlor der Luchs zunehmend seinen Lebensraum in der Oberlausitz." Zu Beginn des 18. Jahrhunderts sei er sehr selten geworden. "1740 soll der letzte Luchs im Zittauer Gebirge gefangen worden sein." 1743 habe man den letzten Luchs Sachsens bei Hinterhermsdorf in der Sächsischen Schweiz erlegt.

"Danach", so Beyer, "wurden Luchse nur noch sporadisch gesehen." Insgesamt sei die Art auf große zusammenhängende Waldgebiete angewiesen, die ihr störungsarme, deckungs- und wildreiche Rückzugsgebiete bieten. "In der Oberlausitz finden wir eher wenige dieser Lebensräume." Allerdings macht der Fachmann deutlich: Aktuell seien in Sachsen vor allem die Mittelgebirge, aber auch das Grenzgebiet zu Polen, als dauerhaftes Zuhause für den Luchs geeignet. Eine Gefahr für den Wildbestand und Wanderer sieht er nicht. Rehe - die Hauptnahrung der Großkatzen - seien flächendeckend im Freistaat vorhanden. Und Menschen zählten nicht zum Beuteschema der Luchse.

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