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Meißen

Vierfacher Lückenschluss

Der Wohnungsmarkt floriert: Gebäude, die in der Stadt teils Jahrzehnte leer standen, werden nun saniert.

Selbst da, wo man es kaum noch zu hoffen gewagt hat, tut sich etwas: Für das Haus Bahnhofstraße 3, neben der Fettbemmenschänke, wird derzeit der Bauantrag vorbereitet. Es soll zum Wohn- und Geschäftshaus umgebaut werden.
Selbst da, wo man es kaum noch zu hoffen gewagt hat, tut sich etwas: Für das Haus Bahnhofstraße 3, neben der Fettbemmenschänke, wird derzeit der Bauantrag vorbereitet. Es soll zum Wohn- und Geschäftshaus umgebaut werden. © Claudia Hübschmann

Meißen. Im Januar 2016 hieß es in der SZ „Rätselraten um zwei Ruinen“. Um eine davon, die Bahnhofstraße 3 (siehe großes Foto), ist das Rätselraten nun beendet. „Es soll ein Wohn- und Geschäftshaus werden, der Bauantrag ist in Vorbereitung“, erklärt der Meißner Architekt Jürgen Singer, der sein Büro in Dresden hat. „Wahrscheinlich nächstes Jahr wird der Bau beginnen“, erklärte er.

Das stattliche Gebäude, das zur Bahnhofstraße hin drei Etagen hat – nach hinten, wo es sich an den Ratsweinberg lehnt, sind es nur zwei – soll nicht länger eine Ruine bleiben. Errichtet worden sei das Gebäude um 1850/60, hatte Stadtarchivar Tom Lauerwald in der SZ erklärt. Bis 1910 sei es ein reines Mietshaus gewesen, das würden die alten Adressbücher der Stadt belegen. Und Kreisdenkmalpfleger Andreas Christl hatte erklärt, „es ist kein Denkmal“. Nach SZ-Informationen ist der Eigner des Hauses ein in Meißen lebender Manager eines der größten deutschen Bauunternehmen.

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Damit würde eine der markantesten Ruinen Meißens wieder zu einem lebendigen Haus, was auch die vielen Meißner freuen dürfte, die heute vor der Ruine auf den Bus warten müssen.

Die Bahnhofstraße 3 ist kein Einzelfall in der Stadt. Vielmehr steht sie für einen augenfälligen Trend: Gebäude, die teils Jahrzehnte leer standen, werden nun saniert. Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum Einen floriert der Wohnungsmarkt, werden in Meißen, begünstigt durch die Nähe zu Dresden und die vergleichsweise erschwinglichen Mieten, Wohnungen nachgefragt. Zum Anderen sind Kinderbetreuung, Arbeits-, Bildungs- und Kulturangebote passabel. Und schließlich suchen Investoren nach Anlagemöglichkeiten.

Ein Beispiel dafür ist die Meisastraße 3. Als Kulturdenkmal auf der Landesliste aufgeführt, ist dort zu lesen: „Mietshaus in offener Bebauung; städtebaulich und baugeschichtlich von Bedeutung, ein Gründerzeithaus, straßenbildprägende Eckausbildung mit Turm und Balkonen.“ Bauherr und Eigentümer des Hauses ist die 2 A Immo GmbH & Co. KG aus dem niederbayerischen Bad Abbach bei Regensburg.

Was das Unternehmen mit dem Haus vorhat, erklärt Objektplaner Eduard Strasheim: „Da entstehen neun Eigentumswohnungen, die an Kapitalanleger oder direkte Interessenten verkauft werden.“ Die Wohnungen werden zwischen 71 und 82 Quadratmeter groß sein. Derzeit entfernen polnische Arbeiter die alten Fenster, und das am Hang stehende Haus ist buchstäblich ausgegraben worden, um die Mauern auszutrocknen und es künftig vor Nässe zu schützen. Der Hang hinter dem Haus wird terrassiert – das Gelände wird Gemeinschaftseigentum. „Ob dort jemand grillt, oder die Wäsche aufhängt, bleibt den Mietern überlassen und wenn alle zustimmen, könnten sie auch einen Gemeinschaftsgarten anlegen“, so Eduard Strasheim.

Keine Wohn- , sondern ein „Gästehaus für Touristen“ soll das Gebäude Leipziger Straße 27 werden. Das erklärt Geschäftsführer Ingo Hülsmann von der Berliner Bohos Haus 01 GmbH. „Es wird saniert und ausgebaut, sodass 16 bis 20 Gäste Unterkunft finden.“ Im Erdgeschoss soll zudem ein gastronomisches Angebot entstehen, „das es in Meißen und Umgebung so noch nicht gibt“. Damit knüpft das Unternehmen, das nach Angaben des Geschäftsführers touristische Angebote verkauft, an das, was in der Leipziger Straße 27 zuvor war, an. Denn dort hat sich bis 2010 die Gaststätte „Reblaus“ befunden, in der der ungarische Koch und Wirt Tividar Szènàsi Gerichte und Musik seines Heimatlandes angeboten hat. Beliebt war der schöne Biergarten, direkt unterhalb der Burgmauer. Derzeit ruhen die Bauarbeiten an der Leipziger Straße 27 allerdings.

Der vierte Lückenschluss im Stadtbild, von dem hier die Rede sein soll, ist die Lorenzgasse 2. Wie die Meisastraße 3 ebenfalls ein Denkmal: „Wohnhaus in geschlossener Bebauung mit Seitenflügel im Hof; städtebaulich und baugeschichtlich von Bedeutung“, ist dazu in der Landesdenkmalliste zu lesen. Kreisdenkmalpfleger Andreas Christl weiß Genaueres. „Es handelt sich um ein Biedermeiergebäude mit einem älteren Laubengang aus dem Barock, wahrscheinlich vom Ende des 18. Jahrhunderts. In diesem Gebäude, das schon ein neues Dach trägt, laufen derzeit Entkernungsarbeiten. Die Eigentümerin will hier zwei Wohneinheiten gestalten.

Mit der Sanierung der vier Gebäude gewinnt das Stadtbild. Allerdings bleibt noch viel zu tun, etwa an die Obergasse .