merken
PLUS

Lückendorfer hilft Tschechen bei Kirchenrettung

Die Kirchen in Lückendorf und Petrovice sollen mit EU-Geld saniert werden. In Tschechien haben die Vorarbeiten begonnen.

Lückendorf/Petrovice. Wie geht es weiter bei der gewünschten Sanierung der beiden Kirchen in Lückendorf und Petrovice (Petersdorf)? Diese Frage stand vor Kurzem im Mittelpunkt eines Treffens von Vertretern des Evangelischen Kirchenbezirks Löbau-Zittau und ihren katholischen Glaubensbrüdern im Dominikanerkloster Jablonné v Podještedi (Deutsch Gabel). An der Beratung nahmen auch Denkmalschützer und Architekten teil. Neben dem ersten persönlichen Kennenlernen ging es vor allem um grundsätzliche Überlegungen zur Rettung der beiden Kirchen (die SZ berichtete).

Relativ schnell war man sich dabei einig: Der beste und wahrscheinlich einzige Weg zu diesem Ziel führt über Fördergelder der EU. Darum sollen nun fundierte Bau- und Rekonstruktionspläne samt Kostenschätzungen erarbeitet werden, um damit Fördermittel beantragen zu können.

Familie
Vater, Mutter und Kinder
Vater, Mutter und Kinder

sind eine wunderbare Kombination. Sie kann viel Spaß machen, aber auch Arbeit und Ärger. Tipps, Tricks und Themen zu allem, was mit Familie und Erziehung zu tun hat, gibts in einer besonderen Themenwelt von sächsische.de.

Inzwischen hat sich zumindest bei der Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit in Petrovice einiges getan. Großen Anteil daran hat vor allem der Lückendorfer Architekt Detlef H. Grösel. Alles passiert in enger Abstimmung mit der Vertreterin des Instituts für Denkmalpflege (NPU) Liberec (Reichenberg), Alena Ricánková, und Pater Mayer OP, dem Prior des Klosters, in dessen Besitz sich das Gotteshaus befindet. Tatsächlich erfolgte nun schon eine erste Bestandsaufnahme, die einige Überraschungen brachte. „Die Bauweise und die für das Mauerwerk verwendeten, beschlagenen Sandsteine erhärten die Vermutung, dass dieses Gebäude viel älter ist als ursprünglich angenommen“, sagt Architekt Detlef Grösel. „In der Kirche wurde ein Dokument gefunden, das aus dem Dreißigjährigen Krieg stammen könnte. Es weist Schmauchspuren auf. Möglicherweise wurde in dieser Zeit ein älteres Gotteshaus zerstört.“

Nach dem Dreißigjährigen Krieg, also zu Ende des 17. bis Anfang des 18. Jahrhunderts, habe man mit Nachdruck neue Kirchen gebaut beziehungsweise zerstörte wieder errichtet, weiß Grösel. Besonders in Grenzregionen mit unterschiedlichen Konfessionen, wie etwa in der Oberlausitz, entwickelte sich dabei eine Konkurrenzsituation. In diese Zeit fällt vermutlich der Bau der Kirche in Lückendorf. „Die Dreifaltigkeitskirche ist als Barockbau errichtet“, stellt Detlef Grösel fest. „Das war aber zur Zeit der Kirchweihe im Jahre 1816 längst nicht mehr üblich.“

Der Lückendorfer Architekt hat inzwischen die wichtigsten Grundrisse sowie Seitenansichten fertiggestellt und im Maßstab 1:100 zu Papier gebracht. Weitere, wie etwa die Dachkonstruktion, die Draufsicht und Details des Glockenturms, stehen als Nächstes an. Das nächste Treffen aller beteiligten Partner im Dominikanerkloster ist für den 14. April anvisiert. Spätestens dann müsse von deutscher Seite jemand benannt sein, der zur Kirchensanierung entscheiden könne, so Grösel. (rc)