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Lückendorferin verliert bei Großbrand alles

Die 79-Jährige kann sich unverletzt retten. Die Feuerwehr aber muss sich entscheiden: Wald oder Wohnhaus. Es ist verheerend.

Das Wohnhaus, das zum Alten Kurhaus in Lückendorf gehört, ist vollständig vernichtet. Auch ein großes Waldstück wird Opfer der Flammen.
Das Wohnhaus, das zum Alten Kurhaus in Lückendorf gehört, ist vollständig vernichtet. Auch ein großes Waldstück wird Opfer der Flammen. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Es ist ein Bild, wie es niemand gerne sehen will: Vom Haus stehen nur noch die Mauern, wie gespenstisch ragt der Schornstein empor, der Dachstuhl ist vollkommen niedergebrannt. Aus der qualmenden Fassade lodern immer wieder die Flammen. Und über die steinernen Haustür-Stufen rinnt in Strömen das Löschwasser. Der Wald rundum steht verkohlt.

Auf der Gartenbank am Nachbarhaus sitzt eine zierliche alte Dame. Stumm sitzt sie da und sieht dieses Bild. Sieht, wie 65 Feuerwehrleute seit Stunden versuchen, dieses verheerende Feuer in den Griff zu bekommen. Sieht, wie sie rennen und sich den Schweiß von der Stirn wischen. Wie aus den Schläuchen das Löschwasser schießt. Hört es knistern und bersten. 

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Die Frau auf der Gartenbank ist Dorothea Husar, die frühere Kantorin in Lückendorf. Alle kennen sie hier im Ort. Dem Chef der Oybiner Gemeindewehr hat sie als Kind das Flötespielen beigebracht. 79 Jahre alt ist Dorothea Husar. Sie hat eine Jogginghose und ein T-Shirt an. Das ist der Rest, den sie jetzt noch besitzt. Alles andere versinkt gerade im Haus gegenüber in den Flammen.

Sie war gerade vom Einkaufen gekommen an diesem Mittwochnachmittag, hat sich mit einer Zeitung in die Stube gesetzt, als sie es von draußen plötzlich schreien hört: Es brennt! Sie greift noch ihren Rucksack, erzählt sie, aber jetzt in dem ganzen Chaos kann sie ihn nicht mehr finden.

Polizei geht von fahrlässiger Brandstiftung aus

Dorothea Husar ist ungewöhnlich gefasst. "Es wird sich schon alles finden", sagt sie. Nachbarn haben ihr Sachen gebracht. Und beim Pfarrer Bernhard Stempel kann sie erst mal im Gästezimmer unterkommen. Auch Oybins Bürgermeister Tobias Steiner (SPD) ist gleich gekommen und hat ihr Hilfe zugesagt. "Wir werden eine schöne Wohnung für Sie finden", hat er ihr versichert.

Die Polizei geht bisher von fahrlässiger Brandstiftung aus. Zwar wird erst am Donnerstagvormittag ein Brandursachenermittler kommen können, um das zu bestätigen, aber nach bisherigen Erkenntnissen soll das Feuer am Nachmittag bei Renovierungsarbeiten an der Holzfassade ausgebrochen sein, als versucht worden ist, mit einer Heißluftpistole alte Farbe abzubrennen, so bestätigt es am Abend die Polizei. Der Schaden liegt bei 150.000 Euro.

Erst am frühen Abend haben die Feuerwehr-Kameraden den Großbrand unter Kontrolle.
Erst am frühen Abend haben die Feuerwehr-Kameraden den Großbrand unter Kontrolle. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Hektoliterweise Löschwasser wird gebraucht.
Hektoliterweise Löschwasser wird gebraucht. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Vom Wohnhaus ist nichts mehr zu retten.
Vom Wohnhaus ist nichts mehr zu retten. © xcitepress

Das Haus, in dem Dorothea Husar seit 30 Jahren wohnt, gehört zum Komplex des Alten Kurhauses. Dessen Chefin hatte 14.42 Uhr den Feueralarm-Knopf im Kurhaus eingeschlagen, so dass die Rettungsleitstelle erst einmal von einem Brand im Kurhaus ausging.

"Als wir ankamen, brannte die linke Haushälfte schon lichterloh", sagt der Oybiner Gemeindewehrleiter Wolfgang Rücker, der den Großeinsatz leitet. Ironie des Schicksals: Erst am Mittwochmorgen ging bei sächsische.de ein Artikel online, in dem Wolfgang Rücker vor der hohen Waldbrandgefahr gewarnt hatte und von der großen Sorge der Oybiner Feuerwehr gesprochen hatte, kein eigenes großes Tanklöschfahrzeug zu besitzen.

Waldbrand hätte eskalieren können

Und auch an diesem Nachmittag pfeift wieder der böhmische Wind über den Zittauer Gebirgskamm und treibt die Flammen in den Wald. Und Einsatzleiter Wolfgang Rücker  muss eine schwere Entscheidung treffen: die rechte Haushälfte - oder der Wald. Der Wind nimmt ihm die Entscheidung ab. Der Waldbrand schickt sich an, verheerende Ausmaße anzunehmen.

Mit allen Kräften müssen die Kameraden das verhindern. 65 Männer und Frauen sind im Einsatz - von den Freiwilligen Feuerwehren aus Oybin, Jonsdorf, Olbersdorf, Zittau und Großschönau. Es wird hektoliterweise Löschwasser gebraucht.

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Gegen 17 Uhr endlich kann Rücker Entwarnung geben. Der Waldbrand ist eingedämmt, das Feuer am Haus erst einmal im Griff. Bürgermeister Tobias Steiner hat Verpflegung organisiert. Der Wirt der Kammbaude wird Bratwürste grillen. Die Feuerwehrleute werden noch lange zu tun haben. Wie hoch der Schaden ist, ist am Abend noch unklar.

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