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Luftballons statt Spaten

Bauen. Bis 2008 entsteht ein neuer Konzertsaal für die Musikhochschule.

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Von Andy Dallmann

Selbst an einem spielfreien Tag stiehlt die Fußball-Weltmeisterschaft anderen Ereignissen ein bisschen die Show. Gestern wurde offiziell der Bau eines neuen Konzertsaales samt weiterer Unterrichtsräume für die Musikhochschule gestartet. „Eigentlich wollten wir zur Feier des Tages Luftballons mit dem Logo der Hochschule von der Bautafel aus fliegen lassen“, erklärt Rektor Stefan Gies. „Aber die WM hat bei den Spezialdruckereien alle Kapazitäten gebunden – da mussten wir uns eben mit Standardballons begnügen.“

Die Größe des Ereignisses werde dadurch aber keineswegs geschmälert, denn endlich nehme Form an, worum die Hochschule bereits seit Jahren kämpfe. Gies: „In ganz Deutschland gibt es sonst keine Musikhochschule dieser Größe ohne eigenen Konzertsaal.“ Für ihn bringt der Neubau aber noch weitere Verbesserungen mit sich. Zum einen würde durch die zusätzlichen Unterrichtsräume die bislang in der Blochmannstraße genutzte Außenstelle überflüssig, die Hochschule wäre ab 2008 endlich ein geschlossenes Ganzes. „Außerdem prägt der originell gestaltete Komplex das Viertel, gibt diesem hoffentlich städtebauliche Impulse – und natürlich ist die Hochschule dadurch wesentlich präsenter.“

Schreck im Vorübergehen

Zunächst verhilft sie manchem Passanten jedoch zu einem mittleren Schock. Die gestern feierlich präsentierte Bautafel steht groß und mächtig vorm linken Seitenflügel des Hauses und lässt den flüchtigen Schluss zu, dass eben dieser für den Neubau weichen müsse. „Ein bisschen Verwirrung kann ja manchmal nicht schaden“, sagt Gies und lächelt. „Aber im Ernst: Dort, wo wir tatsächlich bauen, stünde die Tafel im Weg und würde zudem kaum wahrgenommen.“

Auffallen solle aber schon, was da entsteht. Immerhin investieren Freistaat und Bund rund elf Millionen Euro in das neue Haus. Das soll 2008 fertiggestellt sein und dann auf insgesamt 2 300 Quadratmetern außer dem Konzertsaal mit etwa 430 Plätzen etliche Lehrräume, einen Probensaal, eine Probebühne und die Hochschulbibliothek beherbergen. Der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) als Bauherr schrieb 2003 einen Architektenwettbewerb aus. Daraus ging im April 2004 als erster Preisträger das mit der Planung beauftragte Büro Brenner und Partner Stuttgart hervor.

Wichtig ist Gies – von der Funktionalität des Entwurfes abgesehen – die Rettung der Platanen. Von den fünf alten Bäumen auf dem jetzigen Parkplatz müsse lediglich eine fallen; um den größten und ältesten Baum würde quasi drumherum gebaut. Bis zum wirklichen Start bleibt allerdings noch etwas Zeit, selbst der sonst als symbolischer Beginn zelebrierte erste Spatenstich ist erst für den 15. Juli angesetzt. „Dann sind aber bei uns Ferien – also haben wir beschlossen, die Enthüllung der Bautafel jetzt als entsprechendes Ereignis zu feiern“, so Gies. „So sind wenigstens alle Studenten mit dabei.“

Diesen sollen dann ja auch die neuen Räume in erster Linie zur Verfügung stehen; doch mit Blick auf den künftigen Saal hätten bereits einige Konzertveranstalter spitze Ohren bekommen. „Der Stadt fehlt bislang ein Kammermusiksaal dieser Größe“, sagt Gies. „Also gehen wir schon davon aus, dass es darin nicht nur Hochschul-Veranstaltungen gibt.“ Die Akustik, schwärmt er vorab, sei so angelegt, dass vom Chorkonzert bis zur Rockshow alles gut klänge. Gies: „Das wird perfekt.“