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Luftbrücke für Urlauber nach Kroatien?

Auch dem Adrialand drohen kräftige Corona-Einbußen. Deshalb prüfen die Behörden jetzt ungewöhnliche Ideen.

Eine arbeitslose Fremdenführerin geht am römischen Amphitheater in Pula vorbei. Dort drängen sich normalerweise Touristen. Wegen der Corona-Beschränkungen ist das Amphitheater geschlossen.
Eine arbeitslose Fremdenführerin geht am römischen Amphitheater in Pula vorbei. Dort drängen sich normalerweise Touristen. Wegen der Corona-Beschränkungen ist das Amphitheater geschlossen. © Darko Bandic/AP/dpa

Von Thomas Roser, SZ-Korrespondent in Belgrad

Sanft plätschern die türkisblauen Wellen an das Gestade der Altstadt von Dubrovnik. Kroatiens Adriaperle ruft. Doch niemand kommt. Während sich Anfang Mai normalerweise bereits Tausende der aus den Kreuzfahrtriesen quellenden Touristen Schulter an Schulter über die Marmorplatten des Stradun drängeln, herrscht in der Stadt der verriegelten Souvenirläden und Lokale gähnende Leere.

Auch in Split bummeln nur einige Einheimische an den geschlossenen Café-Terrassen am Diokletianpalast vorbei. Nicht anders sieht es in Zadar, Opatija oder Rovinj aus. Am 11. Mai ist in Kroatien die Teileröffnung von Cafés und Restaurants mit Terrassenbetrieb geplant. Aber noch sind die Landesgrenzen geschlossen: Wann ausländische Touristen kommen können, steht noch in den Sternen.

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Kaum ein EU-Mitglied hängt so stark vom Tourismus ab wie Kroatien: Der Fremdenverkehr macht ein Fünftel des Sozialprodukts aus. Wegen der Corona-Krise rechnet die Branche mit Einbrüchen von 75 Prozent. Um wenigstens einen Teil der Sommersaison zu retten, setzt Zagreb auf bilateral vereinbarte „Touristenkorridore“ für eine Einreise ohne Quarantäne – aber nicht für alle.

Im Wissen um das ausgelaugte Gesundheitssystem hat Kroatien die Pandemie mit rigiden Präventivmaßnahmen in Schach gehalten. In dem Land sind bisher 2.088 Infektions- und 77 Todesfälle bestätigt worden. „Würde ein Deutscher eher nach Italien oder nach Kroatien fahren“, fragte rhetorisch Tourismusminister Cari Cappelli: „Definitiv nach Kroatien.“Epidemiologen bremsen„Kroatien plant eine coronafreie Urlaubssaison – auch für Deutsche“, titelt bereits hoffnungsfroh die Zeitung Die Welt.

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Aber wird ein deutscher Tourist im Sommer überhaupt ins gelobte Adrialand gelangen können? Berlin tritt beim Urlaub im Ausland noch auf die Bremse – und scheint mit bilateralen Reisevereinbarungen keinerlei Eile zu haben. Undeutlich ist die Lage angesichts der widersprüchlichen Erklärungen und ungeklärten Fragen auch in Kroatien selbst. Politiker und die Tourismusbranche drängen. Die Epidemiologen bremsen.Zwar will sich der Küstenstaat so schnell wie möglich wieder den ausländischen Gästen öffnen, bisher allerdings nur aus Ländern mit niedrigen oder ähnlichen Infektionsraten. „Wenn zwei Staaten sich in einer ähnlichen epidemiologischen Lage befinden, werden wir eine Lösung finden,“ versichert Premier Andrej Plenkovic – und nennt als Beispiel Slowenien. Deutschland erfüllt diese Vorgabe eher nicht: Auch im Vergleich zur Bevölkerung übertreffen die deutschen Infektions- und Todesraten die kroatischen um das Vierfache.

Doch mit einem Marktanteil von 19,5 Prozent sind die deutschen Besucher für Kroatiens Tourismusbranche die wichtigste Einnahmequelle: Diese würde sich Zagreb auch in der Corona-Krise gern erhalten. Während Cappelli darum für Touristenkorridore zu Land und in der Luft plädiert, bleiben Kroatiens Epidemiologen skeptisch. „Wenn das Bild gut ist, werden unsere Bürger ans Meer dürfen,“ so Kunoslav Capak, der Direktor des staatlichen Gesundheitsamts. „Die Anreise ausländischer Touristen wird von der Lage in ihren Ländern abhängen.“Doch die Kassen im Adriastaat sind leer – und spätestens im Herbst stehen Parlamentswahlen an. Auch wegen des wirtschaftlichen Drucks dürfte die Politik das Heft des Handelns bald von den Epidemiologen übernehmen und auf eine rasche Öffnung der Grenzen drängen.

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Einen Zeitplan dafür hat Cappelli schon ausgetüftelt. Die Wiedereröffnung der Hotels ist noch im Mai geplant: Mit heimischen Touristen könnte deren coronasichere Bewirtung oder das Abstandsgebot an Stränden und in Cafés getestet werden. Als Erstes soll bis Ende Mai die Grenze für Slowenen aufgehen. Danach könnten im Juni bilaterale Vereinbarungen für „Touristenkorridore“ mit Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Österreich und möglicherweise Deutschland folgen: August scheint für deren Verwirklichung eher ein realistisches Ziel zu sein als der Juli. Die EU dürfte eher auf einheitliche statt auf bilaterale Lösungen setzen – hat aber für die Öffnung der Grenzen noch kein klares Konzept.

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