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Lufthansa-Aufsichtsrat soll Billigpläne absegnen

Die Piloten haben ihren Streik zwar kurzfristig abgesagt. Doch der Tarifkonflikt ist nur ein Problem von vielen, mit denen die Fluggesellschaft kämpft.

Von Rolf Obertreis

Frankfurt am Main. Für Lufthansa-Chef Carsten Spohr wird es das bislang wichtigste Treffen des Aufsichtsrates. Der soll heute die Pläne zur Einführung von erweiterten Billig-Konzepten („Wings“) auf der Kurz-, Mittel- und Langstrecke absegnen. Die Airline steht unter einem gewaltigen Konkurrenzdruck mit Ryanair, Easyjet, Norwegian oder der spanischen Vueling auf der einen und den großen, aggressiven Airlines der Golfstaaten wie Emirates, Etihad oder Qatar auf der anderen Seite. Zudem drohen höhere Gebühren für die Flugsicherung.

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Und nicht zuletzt belastet der Tarifkonflikt mit den Piloten. Die allerdings sehen nach mehreren Streiks in den vergangenen Wochen offenbar ihre Grenzen, wie auch Jürgen Pieper, Luftfahrtexperte beim Bankhaus Metzler sagt. Ihren für gestern geplanten Streik in Frankfurt sagte die Vereinigung Cockpit (VC) kurzfristig ab. Das Lufthansa-Management hatte zuvor das Angebot zur Reform der Übergangsversorgung konkretisiert. Und außerdem zugesichert, dass trotz des Streiks mit dem Einsatz von Management- und freiwillig fliegenden Piloten kein einziger der 40 Langstrecken-Flüge in Frankfurt ausfallen würde. Jetzt ist VC wieder bereit mit Spohr – selbst ausgebildeter Pilot – über die Übergangsversorgung zu verhandeln. Bislang können die 5 400 Piloten, mit einem Durchschnittsverdienst von 180 000 Euro pro Jahr Spitzenverdiener unter den 116 000 Lufthanseaten, ab 55 Jahre freiwillig ausscheiden und erhalten bis zum Eintritt ins gesetzliche Rentenalter bis zu 60 Prozent des letzten Gehaltes.

Eine Einigung mit den Piloten wäre für Spohr ein wichtiger Schritt. Allerdings drohen wegen des Wings-Konzepts weitere Differenzen. Schließlich baut der Lufthansa-Chef auf die deutlich günstigeren Personalkosten bei Germanwings, die 20 Prozent unter denen der Lufthansa liegen und vor allem von Eurowings, wo sie noch einmal 20 Prozent günstiger sind. Die Flotte von Germanwings soll bis 2015 von 23 auf bis zu 60 Maschinen aufgestockt werden. Eurowings soll von der Schweiz, Österreich und Belgien aus mit 23 Jets Ryanair und Co Konkurrenz machen. Außerdem will Spohr in Zusammenarbeit mit Turkish Airlines auch auf der Langstrecke Billigflüge anbieten. Pieper allerdings glaubt, dass der Lufthansa-Chef auch als gutes Zeichen im Streit mit den Piloten und wohl auch mit der Flugbegleitergewerkschaft Ufo dieses Vorhaben erst einmal zurückstellen wird.

Zumal Spohr auch Geld ausgeben will und muss, um den Service und den Komfort der Lufthansa-Flugzeuge allmählich auf das Spitzenniveau der asiatischen Konkurrenten zu heben und um neue Flugzeuge zu kaufen. Lufthansa soll endlich zur Fünf-Sterne-Airline werden. Spohr wird selbst ein Gremium leiten, das auf dieses Ziel hinarbeitet. „Aktuell verdienen die Lufthansa-Jets und der Service nur die Note drei“, sagt Pieper.

Eine Baustelle hat die Lufthansa seit gestern weniger: Mit der Gewerkschaft UFO ist der Airline eine tarifliche Einigung für die geplanten billigeren Verbindungen auf der Langstrecke gelungen. UFO hat sich einer Unternehmensmitteilung zufolge bereiterklärt, auf den ohne First Class vorgesehenen Flügen mit weniger Personal auszukommen. Die Vereinbarung führe zu einer Kostenreduzierung in der Kabine von 20 Prozent, teilte Lufthansa mit. Eingesetzt würden bis zu 14 ältere Jets von Typ Airbus A 340-300, die jeweils nur 18 Sitze in der Business Class erhalten und vor allem zu touristisch interessanten Zielen fliegen sollen. (mit dpa)